Revitalisierung eines Dorfes
(Brandenburg)
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Photography: Wünsche; Bearb.: Bankert/Sommer
Seit 1937 wurde im Niederlausitzer Tagebaugebiet "Greifenhain" Braunkohle gefördert. Vor diesem Hintergrund wurde in den Jahren 1959 - 1961 die Umsiedlung des Ortes Pritzen vorbereitet. Die Ortsverlegung war in zwei Etappen für die Jahre 1982/83 und 1988/89 vorgesehen. Als der Tagebau infolge des Wandels in der Energie- und Umweltpolitik im Jahr 1992 stillgelegt wurde, waren Dreiviertel des Gemeindegebietes abgebaggert. Die meisten der ehemals 470 EinwohnerInnen hatten das Dorf verlassen.

Photography: Frank Pflüger
Die Lausitzer Bergbauverwaltungsgesellschaft mbH verpflichtete sich im Rahmen der Sanierung der Tagebaugebiete zur Rekultivierung der Landschaft und zur Erneuerung der Ortschaft Pritzen. Bereits im Zuge der ersten Dorferneuerungsmaßnahmen kehrte ein Teil der umgesiedelten Bevölkerung zurück. Heute leben wieder über 70 Menschen in Pritzen.
Seit 1998 wird das Tagebauloch geflutet. Spätestens 2015 wird der Ort an drei Seiten von Wasser umgeben sein. Die neuen Uferzonen sowie ein umlaufender Fuß- und Radweg als Uferpromenade sind im Rahmen der Rekultivierungsmaßnahmen bereits angelegt worden. Damit erhält der Ort einen hochwertigen Freiraum.
Sichtbare Zeichen einer nachhaltigen Dorfrevitalisierung sind der Neubau von fünf Wohnhäusern sowie vielfältige Modernisierungs- und Instandsetzungsmaßnahmen. Dazu zählen die Sanierung 17 privater Wohngebäuden, die Errichtung eines Glockenturms als Ersatz für die abgerissene Dorfkirche (1994) sowie der von der Internationalen Bauausstellung (IBA) Fürst-Pückler-Land initiierte Umbau der ehemaligen Dorfgaststätte zum Bürgerhaus. Die dort stattfindenden Veranstaltungen werden von Einheimischen und Gästen gleichermaßen gut angenommen.
Im Rahmen der Internationalen Bauausstellung wird die Lebensqualität für die BewohnerInnen weiter verbessert. Darüber hinaus soll die Attraktivität des Ortes für BesucherInnen erhöht werden; denn der Tourismus gilt als wichtigstes Element für die ökonomische Zukunft der Niederlausitz.
Durch die exponierte Lage auf der Landzunge inmitten des Tagebaugebietes wurden auch KünstlerInnen angezogen. Eine vom Förderverein Kulturlandschaft Niederlausitz e.V. veranstaltete "Biennale" beschäftigte sich mit dem Ort und der angrenzenden Tagebaulandschaft. Dabei sind 20 Kunstobjekte aus Holz, Stein, Sand und Metall als Land-Art-Elemente geschaffen und dem Ort als Dauerausstellung überlassen worden.
Mittlerweile sind mehrere Kulturschaffende im Ort ansässig geworden; sie haben die so genannte "Kunstscheune" eröffnet, die Kultur- und Dorfgeschichte präsentiert. Es wurde die Veranstaltungsreihe "Pritzen lebt Kunst" ins Leben gerufen, um den Ort unter Einbeziehung aller BewohnerInnen zu einer festen Adresse für Kunst und Kultur zu machen.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| bis 1989 | Umsiedlung großer Bevölkerungsteile von Pritzen |
| 1992 | Stilllegung des Tagebaus Greifenhain |
| 1993 | Beschluss zur Revitalisierung des Ortes |
| 1993/1995 | "Europa-Biennale“ |
| 1998 | Aufnahme als Projekt der Internationalen Bauausstellung Fürst-Pückler-Land (IBA) |
| 2001 | Internationaler IBA-Workshop "Werkstatt für neue Landschaften" |
| 2002 | Offizielle Eröffnung des "Künstlerortes Pritzen" |
| Aug. 2003 | Eröffnung der "Kunstscheune" |

Photography: Frank Pflüger

Photography: Frank-Heinrich Müller

Source: See-Magazin, Der Weg...
In Pritzen ist es gelungen - im Spannungsfeld zwischen Naturzerstörung und Dorfidylle - neue Perspektiven für den ländlichen Raum aufzuzeigen. Mit Hilfe künstlerischer Aktivitäten bei der Landschaftsgestaltung und Raumaneignung konnte eine Dorferneuerung angestoßen werden, die einen nachhaltigen Beitrag zu Stabilisierung und Weiterentwicklung strukturschwacher dörflicher Regionen leistet.
Record inserted on 01.07.2004 by Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtplanung, RWTH Aachen and updated by theFederal Institute for Research on Building, Urban Affairs and Spatial Development (BBSR) within the Federal Office for Building and Regional Planning (BBR).
Last update: 03.06.2008