Werkstatt-Stadt
 

Car-Sharing-Stationen im öffentlichen Straßenraum

Bremen „mobil.punkt“

(Bremen)

Context

Die hohe Flächeninanspruchnahme durch den ruhenden Verkehr führt in innerstädtischen Quartieren zu Problemen. Bei der Problemlösung müssen die Mobilitätsmuster der Stadtbewohner insgesamt berücksichtigt werden. Vielfältige Mobilitätsangebote sollten auch das Auto – zum Beispiel durch Car-Sharing – einbinden. Durch eine verbesserte Verknüpfung der verschiedenen Mobilitätsangebote können Flächen für soziale und ökologische Funktionen zurück gewonnen werden.

In Bremen (547.000 EW) sind Stadterneuerung, Luftreinhalteplanung und integrative Verkehrsplanung eng miteinander verwoben, um die Qualität des städtischen Lebens zu verbessern. Die Stadt setzt dabei auf die Synergieeffekte zwischen den verschiedenen Maßnahmen. Car-Sharing spielt eine wichtige Rolle, um die innerstädtischen Quartiere vom Parkdruck zu entlasten. Wesentlich ist die gezielte Einbindung des Car-Sharing in das Parkraummanagement im Quartier und die Verknüpfung mit anderen Verkehrsmitteln.

Die erforderlichen Flächen für Car-Sharing-Stationen sind in innerstädtischen Quartieren meist jedoch nicht verfügbar. Häufig stehen nur die gewidmeten Straßenflächen zur Verfügung. Die Einrichtung von Car-Sharing-Plätzen im öffentlichen Straßenraum ist in den aktuellen Rechtsgrundlagen jedoch nicht vorgesehen. Diese beinhalten zurzeit keine Bevorrechtigung von Car-Sharing-Fahrzeugen.

Im Jahr 2009 wurde in Bremen ein Car-Sharing Aktionsplan beschlossen, der das Ziel setzt, die Car-Sharing-Nutzung deutlich zu intensivieren. Im Jahr 2020 sollen 20 000 Car-Sharer erreicht sein – eine Vervierfachung gegenüber 2009! Car-Sharing-Stationen im öffentlichen Straßenraum spielen eine wichtige Rolle, um gerade in den dicht bebauten Bestandsquartieren die Parkraumsituation entlasten und das Wohnumfeld verbessern zu können. Darüber hinaus soll Car-Sharing auch im Wohnungsneubau, dem Mobilitätsmanagement von Verwaltung und Betrieben, der Integration mit dem ÖPNV sowie in der Öffentlichkeitsarbeit eine größere Rolle spielen.

 

Project description

Image: Blick auf einen mobil punkt mit großem Hinweisschild

Source: Stadt Bremen

Bremen hat bereits frühzeitig mit der Förderung und Integration von Car-Sharing begonnen. Bereits Ende der 1990er Jahre wurde ein gemeinsames Angebot von ÖPNV und Car-Sharing eingeführt. Um das Projekt weiter auszubauen, wurden im April 2003 „verkehrsträgerübergreifende Mobilitätsstationen“ mit Car-Sharing im öffentlichen Straßenraum eingerichtet. Unter dem Namen „mobil.punkt“ werden ÖPNV, Car-Sharing, Fahrrad und auch Taxi kundenorientiert zusammengebracht. Um eine Kombination der Angebote zu ermöglichen, wurden Standorte in unmittelbarer Nachbarschaft zu ÖPNV-Haltestellen, Fahrradständern, Mobilitätsinformationen und Taxiständen gewählt. Die Bürger wurden durch verschiedene Medien über das Projekt informiert und im Rahmen von Stadtteilparlamenten beteiligt. Ein Standort wurde sogar auf Anregung der Bevölkerung noch einmal verlegt. Die Nutzung der Flächen für Car-Sharing wurde durch Sondernutzungsgenehmigungen im Baugenehmigungsverfahren gesichert. Die Sondernutzungsgenehmigung beruht auf der Ausgestaltung als „intermodale Mobilitätsstationen“.

Das Projekt gab darüber hinaus einen Anstoß zur Änderung der Straßenverkehrsordnung (StVO). Damit könnte Car-Sharing über eine bundeseinheitliche Regelung zu Stationen im öffentlichen Straßenraum nachfragegerecht noch besser zur Entlastung der dicht bebauten Innenstadtquartiere genutzt werden. Der Referentenentwurf für eine entsprechende Änderung von Straßenverkehrsgesetz und Straßenverkehrsordnung befindet sich derzeit in der Abstimmung zwischen den Bundesministerien.

Die Initiative und Durchführung des Projektes lag bei der Stadt Bremen. Inhaber der Sondernutzungsgenehmigung für die mobil.punkte ist die örtliche Parkraummanagementgesellschaft, welche diese an einen Car-Sharing-Anbieter weitervermietet. Die Zertifizierung des Car-Sharing-Unternehmens mit dem Umweltzeichen „Blauer Engel“ ist eine wesentliche Voraussetzung zur Stellplatzvergabe an einem mobil.punkt. Die Einrichtung der ersten Standorte wurde mit einer umfangreichen Umgestaltung des Straßenraums verbunden. Dadurch konnte eine ansprechende Gestaltung der Pilotvorhaben sichergestellt werden. Zudem wird an den ÖPNV-Haltestellen auf die mobil.punkte hingewiesen. Derzeit werden weitere mobil.punkte eingerichtet.

Die Realisierung der ersten mobil.punkte wurde etwa zur Hälfte durch die Stadt Bremen sowie durch das EU-Programm INTERREG finanziert. Die Abwicklung erfolgt über die Parkraummanagementgesellschaft. Die technische Infrastruktur für das Car-Sharing (elektronischer Schlüsselmanager, Klappsicherungen etc.) wird durch den Anbieter auf eigene Kosten eingerichtet. Durch die Mieteinnahmen der Stationen werden die laufenden Betriebskosten (Straßenreinigung, Regiekosten des Parkraummanagements u.ä.) gedeckt.

 

Project chronology

Jahr Ereignis
1996 Ausgestaltung der „Bremer Karte plus AutoCard“ als gemeinsames Angebot von ÖPNV und Car-Sharing (Jahresabo für ÖPNV mit Car-Sharing-Zugang)
1998 Anstoß für ein neutrales überprüfbares Abgrenzungskriterium für Car-Sharing und die Vergabe des Umweltzeichens „Blauer Engel“
2002 Einführung der „Bremer Karte plus“ als gemeinsame Chipkarte für ÖPNV, Car-Sharing und Einkaufen
2003 Umsetzung der ersten beiden mobil.punkte
2005 Auswertung der Erfahrungen / Evaluation der zwei mobil.punkte
2007 Eröffnung des dritten mobil.punkts (Leibnizplatz)
2009 Verabschiedung Car-Sharing Aktionsplan in Bremen
2010 Präsentation als „Urban Best Practice“ auf der EXPO 2010 in Shanghai
 

Aims

  • Steigerung der städtischen Lebensqualität
  • Entlastung innerstädtischer Quartiere vom Parkdruck
  • Effizientere Nutzung des öffentlichen Raums
  • Rückgewinnung von Flächen für soziale und ökologische Funktionen
  • Kundenorientierte Verknüpfung von ÖPNV, Car-Sharing, Fahrrad und Taxi
  • Verbesserung der Nutzungsmöglichkeit der Mietautos durch Kopplung mit dem ÖPNV
 

Types of measures

  • Einführung von Sondernutzungsgenehmigungen
  • Einrichtung von Car-Sharing-Stationen in Form intermodaler Mobilitätsstationen
  • Umgestaltung des Straßenraums
 

Innovations

Image: Feierliche Eröffnung eines mobil punktes

Source: Stadt Bremen

Durch Sondernutzungsgenehmigungen kann Car-Sharing auch in innerstädtischen Quartieren gefördert werden. Durch die Vernetzung von Car-Sharing-Punkten mit anderen Verkehrsmitteln wird eine bessere Kombination der verschiedenen Verkehrsmittel ermöglicht. In Bremen hat sich gezeigt, dass die Stationen intensiv genutzt werden. Die Evaluation der ersten zwei mobil.punkte hat ergeben, dass die dort vorhandenen zehn Fahrzeuge mind. 95 private Fahrzeuge ersetzt haben. Insgesamt gibt es in Bremen mehr als 5.300 Kunden (Stand 11 / 2009) im Car-Sharing mit über 130 Fahrzeugen, die an 34 Stationen im Stadtgebiet verteilt sind. So konnten etwa 1.000 Pkw abgeschafft und durch die Nutzung der Dienstleistung Car-Sharing ersetzt werden. Wenn man den gleichen Entlastungseffekt mit Hoch- oder Tiefgaragen hätte erreichen wollen, wären Investitionen von ca. 10 bis 25 Mio. € notwendig gewesen.

 

Sources

 

Further information

The project location can be directly translated into Google-maps. Project in Google-Maps

The projekt site ist to be found at postal code: 28209 - town: Bremen - street: Hohenlohestraße 60 oder auch unter PLZ: 28203 - Ort: Bremen - Straße: Am Dobben 133.

 

Protagonists

 

Record inserted on 06.01.2010 by the Federal Institute for Research on Building, Urban Affairs and Spatial Development (BBSR) within the Federal Office for Building and Regional Planning (BBR).

Last update: 06.01.2010