Sicherung gründerzeitlicher Wohnhäuser in innerstädtischer Lage
(Saxony-Anhalt)

Source: Gernot Lindemann
Die Stadt Halle (heute: 234.000 Einwohner) hat seit der Wende durch Abwanderung, Geburtenrückgang und Suburbanisierung etwa 80.000 Einwohner verloren. Daraus resultierte der Wohnungsleerstand von rund 20%. Mehr als 30.000 Wohneinheiten mit fast gleichen Anteilen an Alt- und Neubauwohnungen waren betroffen. Inzwischen ist der Leerstand durch Rückbau von 11.000 Wohneinheiten auf fast 20.000 Wohneinheiten gesunken und konzentriert sich besonders in den Altbauquartieren der Innenstadt.
Ein besonders problematisches Gebiet ist das gründerzeitliche Arbeiterquartier Glaucha in der südlichen Innenstadt von Halle. Glaucha ist infolge eines jahrelangen Sanierungsstaus geprägt von verfallenden Gebäuden und desolaten Straßenzügen. Die Investitionswelle der Wiedervereinigung ist an Glaucha vorbeigegangen, da eine relativ umfangreiche Sanierung zu DDR-Zeiten zur Demonstration sozialistischer Erneuerung von Arbeiterquartieren keine Dringlichkeit in der Nachwendezeit bedingte. Inzwischen führte der sukzessive bauliche Verfall dazu, dass aus dem einst beliebten Wohngebiet ein sozial schwieriges Problemquartier mit einem schlechten Ruf wurde. Die Leerstandsquoten, insbesondere in den zahlreichen schlichten und unsanierten Gründerzeitbauten, erreichen Werte von über 30%. Hinzu kommt, dass das Quartier durch die zumeist stark befahrenen Straßen an seiner Peripherie vom Rest der Innenstadt weitgehend isoliert wird. Dabei sind mit dem Um- und Ausbau eines großen Pflege- und Krankenhauskomplexes im Norden und der Sanierung der sich unmittelbar östlich anschließenden historischen Schulstadt (Franckesche Stiftungen) in jüngerer Vergangenheit vereinzelt erkennbare Aufwertungen des Standortes erfolgt.

Photography: Mathias Metzmacher , BBSR
Die Stadt Halle hat ein dreigliedriges Modellprojekt entwickelt, um sowohl den bautechnischen als auch den sozialen Herausforderungen in Glaucha zu begegnen. Ein Architekturbüro erstellte eine sozial- und stadträumliche Studie für das Quartier, die als Grundlage und Leitlinie für die Umsetzbarkeit der verschiedenen Projekte von entscheidender Bedeutung ist. In Anlehnung an bekannte gute Beispiele aus anderen Kommunen hat sich der studentische Kulturverein Postkult in Glaucha angesiedelt und sich auf die Fahne geschrieben kreativ mit Leerstand und Stadtbrachen umzugehen. Dies erzeugt mediale Aufmerksamkeit und trägt zum Imagewandel des Quartiers bei. Der dritte Bestandteil dieses Modells ist die Beteiligung und Moderation der privaten Kleineigentümer, in deren Besitz sich rund 70% des Gebäudebestandes im Quartier befindet.
Ein von der Stadt Halle beauftragter Eigentümermoderator verschaffte sich zunähst einen Überblick über den baulichen Zustand der Wohngebäude im Quartier. Dabei wurden 25% der Häuser als stark sanierungsbedürftig eingestuft. Anschließend wurden deren Besitzer ausfindig gemacht, die überwiegend nicht in Halle wohnhaft sind. Nach der Kontaktaufnahme wurde bei Interesse bzw. Kooperationsbereitschaft der Eigentümer dann in einem längerfristigen Moderationsprozess die jeweilige Situation genauer analysiert und Lösungsansätze erarbeitet. So konnten die meisten Kleineigentümer zumindest zu den notwendigen Sicherungsmaßnahmen an ihren Objekten bewegt werden. Dabei wurden sie sowohl finanziell als auch beratend unterstützt.
Die Finanzierung des Eigentümermoderators erfolgt über die IBA aus dem Programm Stadtumbau Ost und aus EU-Geldern. Die Sicherungsmaßnahmen werden durch einen Zuschuss von max. 50% für die Eigentümer über das Programm Stadtumbau Ost finanziert. Darüber hinaus hat der Eigentümermoderator in enger Kooperation mit dem projektsteuernden Stadtplanungsamt den Kontakt zu den anderen Akteuren im Quartier aufgenommen. Dabei handelt es sich um kulturelle und soziale Vereine und Projekte, die ihrerseits versuchen, mit alternativen Maßnahmen und Initiativen die Entwicklung im Quartier zu fördern. Diese konnten so in das Modellprojekt mit einbezogen und zur Zusammenarbeit motiviert werden.
| Year | Event |
|---|---|
| 2008 | Beginn des Modellprojektes und Beauftragung des Eigentümermoderators |
| 25.10.2008 | Entdeckertag „Offenes Glaucha“ |
| seit 2009 | Übernahme des Projektes in das ExWoSt-Programm „Eigentümerstandortgemeinschaften“ |

Source: Gernot Lindemann
Mit der Eigentümermoderation hat die Stadt Halle einen innovativen Weg beschritten. Dem von der Stadtverwaltung beauftragten Eigentümermoderator ist es gelungen, auf die individuelle Situation der einzelnen Eigentümer einzugehen und diese in einem intensiven und kontinuierlichen Prozess beratend und fördernd zu unterstützen. Die finanziellen Mittel für die Moderation sind gering, aber der daraus resultierende Effekt der Unterstützung und Chanceneröffnung ist für die Handlungs- und Kooperationsbereitschaft der Hausbesitzer von entscheidender Bedeutung. Wichtig dabei war das Angebot zur Unterstützung der Gebäudesicherung in einer spürbaren Größenordnung. Die durchschnittliche öffentliche Förderung lag nach ersten Erfahrungen bei ca. 40.000 € pro Gebäude.
Nicht zuletzt ist auch der ganzheitliche Ansatz des Modellprojektes hervorzuheben. Die Verbindung von baulicher Aufwertung und Imagekampagne unter Einbeziehung möglichst aller lokalen Akteure hat es schon jetzt ansatzweise möglich gemacht, dass Glaucha durch die Nutzung der vorhandenen Potenziale und der günstigen innerstädtischen Lage wieder zu einem nachgefragten Wohnquartier wird.
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The projekt site ist to be found at postal code: 06110 - town: Halle - street: Bertramstraße.
Record inserted on 15.12.2009 by the Federal Institute for Research on Building, Urban Affairs and Spatial Development (BBSR) within the Federal Office for Building and Regional Planning (BBR).
Last update: 01.02.2010