Ein Dorf gewinnt Energie aus Holz
(Nordrhein-Westfalen)

Foto: Robert Schmell, BBSR im BBR
Der Einsatz regenerativer Energieträger ist ein erklärtes Ziel von Bundes- und Landesregierung. Vor diesem Hintergrund haben es sich engagierte BürgerInnen des Dorfes Lieberhausen (400 Einwohner) bei Gummersbach zum Ziel gesetzt, durch Holz als nachwachsendem Rohstoff weitgehend von fossilen Brennstoffen unabhängig zu werden.

Foto: Robert Schmell, BBSR im BBR
Mit dem Bau eines Holzhackschnitzel-Heizkraftwerkes ist es gelungen, das Dorf Lieberhausen fast vollständig unter Verwendung von Holz mit Heizwärme und Warmwasser zu versorgen. Im Gegensatz zu den fossilen Energieträgern Öl, Gas oder Kohle ist Holz ein nachwachsender Rohstoff mit ausgeglichener CO2-Bilanz. Da außerdem die Schwefeldioxidemissionen gering sind, handelt es sich bei der Energiegewinnung aus Holz um ein nachhaltiges Energiekonzept.
Wesentliche Bestandteile der Maßnahme sind die Heizzentrale, das Nahwärmenetz, das die Wärme aus dem Heizwerk im Ort verteilt und die Hausübergabestationen für Raumwärme und Brauchwasser. Das automatisch laufende Holzheizkraftwerk ist mit einer Vorschubrostfeuerung mit einer Nennleistung von 900 kW ausgestattet. Diese Art der Feuerung erlaubt die Verwendung eines Brennstoffs auch mit höherer Restfeuchte. Von den eingesetzten 2.000 Festmetern Energieholz entfallen ca. 80% auf Waldhackschnitzeln; 20% des verwendeten Holzmaterials ist Restholz aus Sägewerken bzw. aus der Holz verarbeitenden Industrie.
Das Kraftwerk wird in eigener Regie von ehrenamtlichen HelferInnen aus dem Dorf betrieben. Das geschieht unter dem organisatorischen Dach der - eigens dafür gegründeten - Energiegenossenschaft Lieberhausen eG (EGL). Von Beginn an war es ein Projekt von Bürgern für Bürger. Ausschlaggebend dafür waren die Einsparmöglichkeiten durch Eigeninitiative bei Planung, Bau und Betrieb sowie die Wahrung der Selbstbestimmung und Selbstverantwortung. Von 103 Häusern des Ortes sind inzwischen 80 Häuser an das zentrale Heizungssystem angeschlossen, bei 11 Grundstücken sind die Anschlüsse vorbereitet.
Wesentliche Schritte der Realisierung waren die Erarbeitung eines Tarifs und der Anschlussbedingungen für die künftigen Wärmeabnehmer, Abstimmungsgespräche mit den Genehmigungsbehörden, Sicherung der Überleitungsrechte (Straßen und Grundstücke) sowie die Klärung von Finanzierungs- und Förderungsmodalitäten. Für den Standort des Heizwerkes, welches die Genossenschaft von der Stadt Gummersbach auf Erbpachtbasis nutzen darf, wurde ein vorhabensbezogener Bebauungsplan erstellt. Um die Brennstofflogistik und den Betrieb zu optimieren, wurden über dem Heizraum eine Werkstatt und ein Lagerraum in Holzbauweise errichtet.
Bei einem inzwischen erreichten Heizölpreis von 50 Cent je Liter und einem Jahresverbrauch von 3.500 Litern, spart der Eigentümer eines an das Nahwärmenetz angeschlossenen Einfamilienhauses ca. 700 Euro pro Jahr an Heizkosten.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| Dez. 1997 | Erste Informationsveranstaltung für interessierte BürgerInnen |
| Febr. 1999 | Vorstellung des Gesamtkonzeptes |
| April 1999 | Gründung der Energiegenossenschaft Lieberhausen eG |
| Febr. 2001 | Inbetriebnahme des Holzfernheizwerkes |
| Juli 2002 | Anschluss von 76 Häusern |
| Okt. 2004 | Eröffnung von Werkstatt und Lagerraum über dem Heizwerk |

Foto: Robert Schmell, BBSR im BBR

Foto: Robert Schmell, BBSR im BBR
Förderpreis für nachwachsende Rohstoffe Nordrhein-Westfalen im Jahre 2000

Foto: Robert Schmell, BBSR im BBR
In Lieberhausen gelang es, durch ein beispielhaftes ehrenamtliches Engagement der BewohnerInnen eine zentrale Heiz- und Warmwasserversorgung aufzubauen. Der Betrieb dieses Systems mit dem nachwachsenden Energieträger Holz ist sowohl ökologisch sinnvoll als auch wirtschaftlich für die angeschlossenen Nutzer attraktiv.
Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 51647 - Ort: Lieberhausen - Straße: Waldweg nähe Homertstraße 15.
Datensatz eingestellt am 01.09.2004 im Rahmen des Forschungsauftrages „Innovative Projekte im Städtebau“ (IProS) vom Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtplanung, RWTH Aachen und aktualisiert vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) .
Letzte Änderung: 13.01.2012