Werkstatt-Stadt
 

Integratives und ökologisches Wohnen mit Elbblick

Hamburg-St. Pauli „Parkhaus Pinnasberg“

(Hamburg)

Dieses Projekt befindet sich im Archiv. Die Projektdaten werden nicht mehr aktualisiert.

Kontext

Bild: Blick auf das Wohngebäude

Foto: Robert Schmell, BBSR

In Hamburg (1,78 Mio. EW) wurde im Umfeld der Hausbesetzungen in der Hafenstraße auf St. Pauli eine Nachbarschaftsinitiative gegründet, die die Erhöhung der Lebensqualität im Quartier vorantreiben und dem Mangel an Grün- und Freiflächen begegnen wollte. Für ein - durch Abriss in den 1970er Jahren - freies Grundstück hatte die Stadt eine geschlossene Bebauung mit fünfgeschossigen Häusern vorgesehen. Die engagierten AnwohnerInnen legten im Rahmen des Kunstprojektes "park fiction" Gegenentwürfe für die Errichtung eines Parks vor, um die Lebensqualität im Stadtteil zu erhöhen.

 

Projektbeschreibung

Bild: Hausansicht

Foto: Robert Schmell, BBSR

Langwierige Verhandlungen mit der Baubehörde und ein "runder Tisch" führten letztendlich zu einem Kompromiss: Auf einem Teil der Fläche sollte sozialer Wohnungsbau entstehen und der neue "Antonipark" auf dem Dach einer abgesenkten Schul-Turnhalle angelegt werden. Einige Mitglieder der Parkinitiative entschlossen sich, ein integratives Wohngruppenprojekt zu gründen, das stabilisierend auf das Umfeld wirken sollte. Im Unterschied zu anderen Projekten kannten sich viele der BewohnerInnen vorher nicht. Die GründerInnen wollten ihre Utopie von einem Leben mit völlig unterschiedlichen Menschen verwirklichen und suchten in Informationsabenden, Suchanzeigen und Zeitungsartikeln nach Interessierten.

So entstand das sozial und baulich integrative, multikulturelle Wohnprojekt "Parkhaus", getragen von der "Hafenstraßen-Genossenschaft St. Pauli". Baulich integrativ bedeutet dabei: schwellenfreies Wohnen im ganzen Haus mit Fahrstuhl, breiten Türen, Rampen etc. Außerdem gibt es einige komplett rollstuhlgerechte Wohnungen. Sozial integrativ bedeutet, dass auch Menschen mit wenig Geld hier mit Elbblick wohnen können. Für die Finanzierung des öffentlich geförderten Wohnungsbaus mussten die BewohnerInnen etwa 15% der Bausumme selbst aufbringen. Menschen, die diese rund 10.000 EUR Genossenschaftsanteil nicht zahlen konnten, wurden mit Spenden und Krediten von dem gemeinnützigen Verein "Kiez Wohnen e.V." unterstützt.

Beraten durch den alternativen Sanierungsträger "Stattbau Hamburg" sind von 2002 bis 2003 in enger Abstimmung zwischen BewohnerInnen und dem Architekturbüro 19 ganz unterschiedliche Wohnungen entstanden: von der 1-Zimmer Wohnung bis hin zur Fünf-Personen-WG. Von den insgesamt elf Geschossen befinden sich drei im Keller. Dort gibt es Quartiersgaragen für die Nachbarschaft mit 23 Pkw-Stellplätzen. Im obersten Stock befindet sich der Gemeinschaftsraum mit einer umlaufenden Dachterrasse. Hier finden Versammlungen und Feste sowie öffentliche Veranstaltungen für den Stadtteil statt.

Eine Besonderheit ist auch die Entscheidung der BewohnerInnen für die Passivhaus-Bauweise. Der jährliche Heizenergieverbrauch liegt unter 15 kWh/m_. Eine sehr gute Wärmedämmung, ein spezielles Lüftungssystem und große Südfenster bewirken, dass mit der vorhandenen Wärme geheizt wird und praktisch keine konventionelle Heizung notwendig ist. Mit einer Photovoltaikanlage in der Fassade wird zusätzlich Strom produziert. Das Passivhaus-Institut hat den Bau im November 2003 zertifiziert. Derzeit ist das "Parkhaus" das größte Passivhaus Europas.

Die kompakte Bauweise ermöglichte die Anlage eines kleinen Stadtteilparks, der seit Abschluss der Hochbaumaßnahmen in mehreren Abschnitten realisiert wird und dem das Wohnprojekt den Namen "Parkhaus" verdankt.

 

Projektchronologie

Bild: Blick auf eine Kunststoffpalme mit Hafen im Hintergrund

Foto: Robert Schmell, BBSR

Jahr Ereignis
1994 Kunstprojekt "park fiction" der Hamburger Kulturbehörde
1994/95 Hafenrandverein-Initiative entwickelt den Plan für einen Park
1997 "runder Tisch" mit Stadt und AnwohnerInnen
3/1998 1. Treffen für Interessierte an einem generationenübergreifenden Wohnprojekt
ab 1999 Erarbeitung des baulichen Konzeptes und Realisierung
5/2002 Einzug der ersten MieterInnen
8/2003 Abschluss 1. Bauabschnitt "Antonipark"
 

Ziele

Bild: kleiner Park am Haus mit Kunststoffpalmen

Foto: Robert Schmell, BBSR

  • Erhöhung der Lebensqualität im Quartier und der Versorgung mit Grün- und Freiflächen
  • Stadtteilorientierung, d.h. gezielte Angebote für die Nachbarschaft
  • Wohngruppenprojekt mit völlig unterschiedlichen Menschen - multikulturell und integrativ
  • Schwellenfreie und ökologische Bauweise
 

Maßnahmen

Bild: Parkanlage mit Wohngebäude

Foto: Robert Schmell, BBSR

  • Gründung einer Wohnungs- und Baugenossenschaft
  • Gemeinschaftliche Erarbeitung des baulichen Konzeptes
  • Passivhaus-Bauweise (gute Wärmedämmung, spezielles Lüftungssystem, große Südfenster) und Photovoltaikanlage
  • Unterschiedliche Wohnungstypen
  • Gemeinschaftsraum mit Dachterrasse
  • Quartiersgaragen mit 23 Pkw-Stellplätzen
  • Anlage eines kleinen Stadtteilparks

Auszeichnung mit dem 2. Preis der Hamburger Initiative "Arbeit und Klimaschutz"

 

Innovationen

Bild: Blick auf die Parkanlage mit Hafen im Hintergrund

Foto: Robert Schmell, BBSR

Durch das genossenschaftliche Wohngruppenprojekt wurde bauliche und soziale Integration in einem Passivhaus-Geschosswohngebäude in einer hochattraktiven Innenstadtlage realisiert. Aufgrund der kompakten Bauweise konnte ein Stadtteilpark geschaffen werden.

 

Quellen

  • http://www2.homepage.hamburg.de/parkhaus-ev/
  • Reinig, Klaus Joachim (2003): Passivhäuser. Hamburg in der Sonne. In: Stattbau Hamburg: FREIHAUS, Nr. 10/2003. Hamburg
  • Wohnbund e.V. (Hg.) (2003): Ökologie im Wohnungs- und Siedlungsbau. (Wohnbund Informationen 1/2003). München
  • Momsen, Valena (2004): Das Parkhaus-Wohnprojekt. Selbstdarstellung. o. O.
  • Reinig, Joachim; Otte, Joachim (2003): 11 Geschosse und Bewohnerbeteiligung. Die Erkenntnisse aus einem kooperativen Planungsprozess für ein Passivhaus. Hamburg
  • Dandorfer, Ariane (2002): Autofreies Parkhausprojekt. Das ökologisch gestaltete Parkhaus am Hafen ist Teil eines stadtviertelorientierten Wohnprojektes. In: TAZ vom 8.6.2002
 

Weiterführendes

  • Freie und Hansestadt Hamburg, Behörde für Bau und Verkehr (2002): Bau- und Hausgemeinschaften in Hamburg. Neue Lebensqualität für die Stadt. Hamburg
  • Freie und Hansestadt Hamburg, Baubehörde (Hg.) (2001): Leitfaden Baugemeinschaften in Hamburg. Hamburg
  • Zur Hamburger "Initiative Arbeit und Klimaschutz": http://www.arbeitundklimaschutz.de
  • http://www.passivhaus.de


Größere Kartenansicht

Hier erscheint der Projektstandort aus der Fußgängerperspektive. Projekt in sightwalk

Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 20359 - Ort: Hamburg - Straße: Pinnasberg 27.

 

Akteure

  • Parkhaus e.V., Pinnasberg 27, 20359 Hamburg St.Pauli, eMail: parkhaus-ev@hamburg.de, Kontakt: Valena Momsen, Tel. 040/74041851, eMail: vmomsen@web.de
  • Architektenbüro Plan - R - Joachim Reinig, Rolf Sandow, Helenenstraße 14, 22765 Hamburg, Tel. 040/2412-37, Fax -38, eMail: info@plan-r.net, Web: http://www.plan-r.net
  • Stattbau Hamburg Stadtentwicklungsgesellschaft mbH, Dr. Tobias Behrens und Reiner Schendel (wirtschaftliche Baubetreuung), Neuer Kamp 25, 20359 Hamburg, Tel. 040/432942-0, Fax -10, eMail: post@stattbau-hamburg.de, Web: http://www.stattbau-hamburg.de
  • Genossenschaft Hafenstraße (Bauherrin), über: Stattbau Hamburg GmbH
 

Datensatz eingestellt am 01.07.2004 im Rahmen des Forschungsauftrages „Innovative Projekte im Städtebau“ (IProS) vom Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtplanung, RWTH Aachen und aktualisiert vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) .

Letzte Änderung: 24.08.2012