Projekt aus der Datenbank Werkstatt-Stadt


Ökologische Neubausiedlung

Viernheim „Am Schmittsberg“

(Hessen)

Handlungsfelder: Boden, Umwelt

Kontext

Bild: Straßenzug

Quelle: Sandra Brouër, Stadt Viernheim

Viernheim (33.000 EW) liegt im Ballungsraum Rhein-Neckar. Das 5,5 ha große Baugebiet "Am Schmittsberg" liegt am westlichen Rand des bebauten Stadtgebietes von Viernheim. Es grenzt unmittelbar an die Autobahn A 6/A 67. Die örtliche Nachfrage nach Wohnbauland war zu Beginn der 1990er Jahre so stark, dass selbst Flächen mit ungünstigen Standortbedingungen für den Wohnungsbau genutzt wurden.

Mit der Ausweisung des Baugebietes hatte sich die Stadt Viernheim zum Ziel gesetzt, Wohnbaulandreserven zu mobilisieren und dabei städtebauliche und ökologische Qualitäten zu realisieren. Da Viernheim auf gesamtstädtischer Ebene eine konsequente Ressourcenschonung und den Abbau von Umweltbelastungen anstrebt, war das Projekt in einen umfassenden Ansatz zum Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen eingebettet.

Das Projekt ist im Zeitraum von 1991 bis 1996 als Modellvorhaben im Forschungsfeld „Städtebauliche Qualitäten im Wohnungsneubau“ im Bundesforschungsprogramm „Experimenteller Wohnungs- und Städtebau“ (ExWoSt) gefördert und ausgewertet worden.

 

Projektbeschreibung

Bild: Regenwasserversickerung

Quelle: Sandra Brouër, Stadt Viernheim

Die Stadt Viernheim verfolgte zur Umsetzung ökologischer Ziele eine Doppelstrategie. Für die Neubausiedlung entwickelte sie detaillierte Vorgaben in einem Bebauungsplan und förderte zugleich die Akzeptanz der ökologischen Festsetzungen durch eine intensive und strukturierte Öffentlichkeitsarbeit.

Diverse ökologische Bestimmungen wurden durch den Bebauungsplan festgesetzt. Dabei orientierten sich die "Baufenster" an den naturräumlichen Gegebenheiten. Wertvolle ökologisch Bereiche, wie etwa eine Binnendüne konnten so erhalten werden. Um eine Beeinträchtigung des Bodens zu verringern, ist die bauliche Nutzung eingeschränkt. Die Begrenzung der Wohneinheiten pro Grundstück verringert die Ausdehnung der Stellplatzflächen, den Bodenverbrauch und die Flächenversiegelung. Zur Verbesserung des Kleinklimas setzte man Dachbegrünungen bei Nebengebäuden und Garagen, Fassadenbegrünungen und Gehölzpflanzungen fest. Beeinträchtigungen des Wasserhaushaltes werden durch Regenwasserversickerung und wasserdurchlässige Materialien eingeschränkt. Der Bebauungsplan legte zur Verbesserung der energetischen Situation die Beheizung der Gebäude über eine zentrale Heizungsanlage mit Kraft-Wärme-Kopplung fest. Zudem wurden Anbauzonen für Wintergärten zugelassen.

Zugleich galt es, die Akzeptanz dieser Festsetzungen mittels einer strukturierten Öffentlichkeitsarbeit zu fördern. Mit Unterstützung von drei externen Büros entstand ein umfassendes Konzept mit verschiedenen Bausteinen.

Zentraler Bestandteil war die "Öko-Fibel", die konkrete Anregungen und praktische Hilfestellungen in den Themenbereichen Bauen, Energie und Haustechnik, Grün sowie Wohnen und Nachbarschaft bietet. Ergänzt wurde das Angebot durch eine kostenlose Veranstaltungsreihe der Volkshochschule zum "Ökologischen Bauen in Viernheim". Sie förderte die praktische Seite. Zur Veranschaulichung fanden zahlreiche Exkursionen für verschiedene Zielgruppen statt, um gute Beispiele aus der Praxis zu zeigen.

Nicht zuletzt boten Stadt und Kreis allgemeine und zielgruppenorientierte Bauberatungen an, die von Architekten und Bauherren stark genutzt wurden.

Schließlich sorgten so Festsetzungen im Bebauungsplan in Verbindung mit Information und Beratung für Akzeptanz der ökologischen Ziele und das Gelingen des Projekts.

 

Projektchronologie

Jahr Ereignis
1990 Bebauungsplan
ab 1992 Bauberatungen durch Stadt und Kreis
1992 kostenlose Volkshochschulkurse "Ökologischen Bauen in Viernheim“
1993 Aktionswochen zum Thema "Bauen und Wohnen in Viernheim" mit Ausstellungen, Vorträgen und Fachberatungen
1993 Baubeginn
1994 VHS-Teilnehmer bauen unter fachkundiger Anleitung eine Solaranlage zur Erwärmung des Brauchwassers
1995 Ökofibel und Bauförderfibel
2000 Bauende
 

Ziele

Bild: Stadt kl  1

Quelle: Sandra Brouër, Stadt Viernheim

  • Sicherung städtebaulicher Qualitäten durch umweltschonende Planung, Bebauung und Nutzung
  • Sparsame Verkehrserschließung
  • Geringe Flächenversiegelung
  • Einbeziehung in das örtliche Busliniennetz
 

Maßnahmen

Bild: Spielplatz

Quelle: Sandra Brouër, Stadt Viernheim

  • Doppelstrategie zur Umsetzung ökologischer Zielvorstellungen: differenzierter Bebauungsplan mit hoher Regelungsdichte und "weiche" Anreize durch intensive Information und Beratung
  • Regenwasserrückhaltung mittels Versickerungsmulden
  • Schaffung von öffentlichen, naturnahen Grünflächen und Verbindung durch Wege und Wasserrinnen
  • Akzeptanzförderung ökologischer Auflagen durch Beratung
  • Baufibel
  • Exkursionen
  • Aktionswochen
  • Zielgruppenspezifische Ansprache unterschiedlicher Akteure (Architekten, Bauherren, Handwerker, Nutzer)
  • Öffentliche und private Ausgleichsmaßnahmen durch Baumpflanzungen, Hausberankungen, Dachbegrünung o.ä.
  • Zentrale Heizungsanlage mit Kraft-Wärme-Kopplung
  • Gebäudeorientierung zur aktiven und passiven Solarnutzung
  • Wintergärten
  • Intensive Begrünung der Garagen, Stellplätze und Nebengebäude
  • Verkehrsflächenbefestigung mittels versickerungsfähigem Material
 

Innovationen

Bild: Regenwasserversickerung

Quelle: Rene Mar, Stadt Viernheim

Das Viernheimer Modell zeigt, dass eine intelligente Kombination von Vorgaben und Anreizen die zukunftsfähige Entwicklung eines neuen Stadtquartiers sichern kann. Durch die Bündelung verschiedener Maßnahmen - Festsetzungen im Bebauungsplan, finanzielle Anreize und spezielle Förderprogramme, Information und Beratung - ist an einem schwierigen Standort ein Wohngebiet mit hoher ökologischer Qualität entstanden.

Von entscheidender Bedeutung für den Erfolg war die zielgruppenspezifische Ansprache der unterschiedlichen Akteure. Sie berücksichtigte die verschiedenen Wissensstände, Erfahrungen und Erwartungen der Beteiligten. So sind anfängliche Skepsis und Ablehnung gegenüber den B-Plan-Vorgaben einer breiten Zustimmung gewichen. Diese Überzeugungsarbeit ist vor allem deshalb unverzichtbar, weil die angestrebten ökologischen Qualitäten langfristig nur durch einen umweltschonenden "Gebrauch" der Siedlung und der Wohnungen wirksam werden.

 

Quellen

  • Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung (Hrsg.): Umweltschonend Planen, Bauen und Wohnen, Bonn 1997. = Materialien zur Raumentwicklung, Heft 79
  • Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung (Hrsg.): ExWoSt-Informationen zum Forschungsfeld „Städtebauliche Qualitäten im Wohnungsneubau“, Nr. 07.5 (1995)
 

Weiterführendes

  • <http://www.viernheim.de/>

Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 68519 - Ort: Viernheim - Straße: Mathilde-Franziska-Anneke-Straße / Adolf-Damaschke-Straße.

 

Akteure

  • Stadt Viernheim, Amt für Stadtentwicklung und Umweltplanung, Sandra Brouër, Kettelerstraße 3, 68519 Viernheim, <SBrouer@viernheim.de>, Tel.: 06204/988-296, Fax: 06204/988-257
 

Datensatz eingestellt am 17.03.2005 vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), zuletzt geändert 19.08.2008

gedruckt am: Mittwoch, 8. Februar 2012

Werkstatt-Stadt Link: <http://werkstatt-stadt.de/de/projekte/81/>