Ressourcenschonender Stadtteil
(Baden-Württemberg)
Dieses Projekt befindet sich im Archiv. Die Projektdaten werden nicht mehr aktualisiert.

Quelle: Projektgruppe Rieselfeld, Stadt Freiburg
Im Februar 1991 beschloss der Freiburger Stadtrat angesichts einer großen Wohnungsnachfrage (über 8.000 Haushalte), im östlichen Teil des Rieselfelds rund 70 Hektar für einen neuen Stadtteil mit 12.000 Menschen freizugeben. Die Rieselfeldfläche am westlichen Stadtrand Freiburgs diente über 100 Jahre der städtischen Abwasserreinigung und wurde nach langwierigen und kontroversen Diskussionen ausgewählt, nicht zuletzt weil sie komplett im Eigentum der Stadt war.
Ziel des Projektes ist ein urbaner Stadtteil mit vielfältiger Nutzungsmischung und hohen ökologischen Qualitäten. Die Planungen sehen rund 4.200 Wohneinheiten, etwa 1.000 Arbeitsplätze und die dazugehörigen Infrastruktureinrichtungen vor.
Das Projekt ist von 1994 bis 1999 als Modellvorhaben im Forschungsfeld „Schadstoffminderung im Städtebau“ im Bundesforschungsprogramm „Experimenteller Wohnungs- und Städtebau“ (ExWoSt) gefördert und ausgewertet worden.

Quelle: Projektgruppe Rieselfeld, Stadt Freiburg
Die Stadt Freiburg befasst sich seit Jahren intensiv mit den Zusammenhängen zwischen Stadtentwicklung und Energieversorgung. Folglich spielten der Klimaschutz und die Reduzierung der Kohlendioxydemissionen bei der Entwicklung des neuen Stadtteils Rieselfeld eine zentrale Rolle. Schon der städtebauliche und landschaftsplanerische Ideenwettbewerb im Jahr 1991 gab die Reduzierung von Luftschadstoffen und klimarelevanter Treibhausgase als wichtige Aufgabenstellung vor.
Das Rieselfeld zeichnet sich durch ein umfassendes Konzept zur Schadstoffminderung aus, das über energetische Aspekte hinaus auch verkehrliche Maßnahmen umfasst. Ein wichtiger Baustein im Energiebereich ist eine dichte Bebauung mit kompakten Bauformen. Die durchschnittliche Geschossflächenzahl liegt bei 1,2. Die Siedlungsstruktur ist durch drei- bis fünfgeschossige Baukörper in Blockrandbebauung und Zeilenbauweise gekennzeichnet.
Maßgeblichen Anteil an der Reduzierung von Kohlendioxidemissionen hat die Niedrigenergiebauweise. Alle Gebäude müssen mit einer Energiekennzahl von 65 kWh/m²/a oder weniger errichtet werden. Damit sind die Vorgaben der aktuellen Wärmeschutzverordnung um mehr als 20 Prozent unterschritten. Zur besseren passiven und aktiven Solarenergienutzung sind etwa 70 Prozent der Gebäude nach Süden bzw. Südwesten ausgerichtet. Durch die geschickte Anordnung der Baukörper und breite Straßenräume ist die gegenseitige Verschattung stark begrenzt. Die Fensterflächenanteile sind an der Südfassade maximiert, an der Nordfassade dagegen minimiert. Flache bzw. flach geneigte Dächer bieten gute Voraussetzungen zur aktiven Solarenergienutzung. Durch den Anschluss an das Heizkraftwerk Weingarten wird im Rieselfeld ein effizientes Nahwärmesystem aufgebaut. Nicht zuletzt wurden auch Stromsparmaßnahmen durchgeführt. So sind Photovoltaikanlagen von den Bauträgern realisiert worden. Inzwischen befindet sich eine große Gemeinschaftsanlage auf dem Dach des bereits fertiggestellten Kepler-Gymnasiums und des Stadtteiltreffs.
Das Verkehrskonzept räumt den umweltfreundlichen Verkehrsarten absolute Priorität ein. Zu den wesentlichen Maßnahmen zählen unter anderen das Zusammenbringen von Wohnen und Arbeiten, das Verkehre vermeidet und Schadstoffe einspart ("Stadt der kurzen Wege"). Bedeutend war der frühzeitige Bau der Stadtbahn mit drei Haltestellen. Sie führt auf der Rieselfeldallee zentral durch das neue Quartier und nahm bereits im September 1997 - ein Jahr nach Bezug der ersten Wohnungen - ihren Betrieb auf. Das Verkehrskonzept sieht auch ein engmaschiges Fuß- und Radwegenetz mit sicheren und attraktiven Wegen vor. Zur Reduzierung der Verkehrsgeschwindigkeit gilt im gesamten Stadtteil Tempo 30. Zusätzlich wurden Spielstraßen eingerichtet.
Die Umsetzung der genannten Maßnahmen erfordert ein hohes Maß an Kommunikation unter allen beteiligten Akteuren. In Freiburg hat die frühzeitige Information und Mitwirkung der Bewohner die Akzeptanz des Projektes erheblich gefördert.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1992 | Städtebaulicher Wettbewerb |
| 1993 | Erschließung im 1. Bauabschnitt |
| 1994 | Beginn des Wohnungsbaus |
| 1996 | Bezug erster Wohnungen, Bürgerberatung durch den gemeinnützigen Verein ,,K.I.O.S.K." (Kontakt, Information, Organisation, Selbsthilfe und Kultur) |
| 1997 | Stadtbahn-Anschluss, Erschließungsarbeiten im 2. und 3. Bauabschnitt |
| 1998 | Bezug der Kindertagesstätte Adelheid-Steinmann-Straße |
| 2000 | Erschließungsarbeiten im 4. Bauabschnitt. |
| 2001 | Vermarktungsbeginn 4. Bauabschnitt, Fertigstellung Stadtteilpark |
| 2002 | Baubeginn Stadtteiltreff |
| 2003 | Eröffnung Stadtteiltreff |
| 2004 | Rieselfeld zählt mehr als 6.000 Einwohner |
| Bis 2010 | Fertigstellung |

Quelle: Projektgruppe Rieselfeld, Stadt Freiburg

Quelle: Projektgruppe Rieselfeld, Stadt Freiburg

Quelle: Projektgruppe Rieselfeld, Stadt Freiburg
Das Projekt Freiburg-Rieselfeld leistet mit der konsequenten Umsetzung schadstoffmindernder Maßnahmen einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz im Städtebau. Im Vergleich zu konventionellen Stadtteilen ist im Rieselfeld eine Reduzierung der Kohlendioxydemissionen von 40 Prozent und mehr möglich.
Wegweisend war der Beschluss des Gemeinderates von 1992, der die Niedrigenergiebauweise beim Verkauf städtischer Grundstücke verbindlich vorschreibt. Ein intensiver kommunikativer Prozess zwischen der Projektgruppe Rieselfeld, den Fachingenieuren und der Bauwirtschaft gemäß dem Motto „Kommunikation statt Sanktion“ trug maßgeblich zu den guten Ergebnissen bei.
Entscheidend für die Schadstoffreduzierung waren der Anschluss an das Heizkraftwerk mit Kraft-Wärme-Kopplung und die frühzeitige Realisierung der Stadtbahn. Mittel- und langfristig bietet die verstärkte Nutzung von Solarenergie ein weiteres erhebliches Minderungspotential.
Nach anfänglichen Bedenken gegenüber den Maßnahmen zur Schadstoffminderung ist es in Freiburg gelungen, eine positive Grundstimmung in der Öffentlichkeit und bei den Investoren zu erzeugen. Niedrigenergiebauweise ist inzwischen längst zu einem Verkaufsargument geworden.
Hier erscheint der Projektstandort direkt in Google-Maps. Projekt in Google-Maps
Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 79111 - Ort: Freiburg - Straße: Rieselfeldallee.
Datensatz eingestellt am 24.01.2005 vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR).
Letzte Änderung: 02.03.2010