Werkstatt-Stadt
 

Neues Wohnen und Arbeiten auf dem Land

Poppau „Ökodorf Sieben Linden“

(Sachsen-Anhalt)

Kontext

Bild: Neubauten

Foto: Thomas Preuß

Poppau liegt im Landkreis Salzwedel in der Altmark und ist ein organisch gewachsenes Dorf mit ursprünglich 160 Einwohnern. 1 km von dort entfernt entsteht ein ökologisches Wohn- und Arbeitsprojekt. Die Initiative zum "Ökodorf Sieben Linden" entstand aus dem Vorgängerprojekt im 25 km entfernt liegenden Groß Chüden. Vom dortigen Projektzentrum aus organisierte die Siedlungsgenossenschaft Ökodorf e.G. die Ansiedlung in Poppau. Das Projekt war 1989 initiiert worden und hat mittlerweile 100 BewohnerInnen.

 

Projektbeschreibung

Bild: Bau eines Dreigeschossiges Wohnhaus in verputzter Strohballen-Ständerbauweise mit ca. 530m2 Wohnfläche für 18 Menschen

Quelle: www.siebenlinden.de

In Poppau entsteht seit 1997/98 ein neues Dorf für 300 Bewohner/-innen. Die Errichtung der dafür notwendigen Infrastruktur, die Sanierung der vorhandenen Bausubstanz in ökologischer Bauweise und eine Ergänzung durch neue Niedrigenergiehäuser sind die ersten baulichen Maßnahmen.

Durch die Kombination von Wohnen und Arbeitsmöglichkeiten in Landwirtschafts-, Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben ist wirtschaftliche Selbstständigkeit und weitgehende Selbstversorgung geplant. Vor allem die Teilnahme am Gemeinderat durch 2 Mitglieder, die Beschäftigung von Handwerkern aus der Region (beim Um- und Neubau) und die Ausrichtung von öffentlichen Veranstaltungen tragen zur Integration in die vorhandene Dorfgemeinschaft bei. Der angeschlossene Seminarbetrieb sorgt mit einem breiten Bildungsangebot für die Außendarstellung und -werbung.

 

Projektchronologie

Jahr Ereignis
1989 Gründungsinitiative
seit 1993 Ansiedlung in Groß Chüden ( 15 Bewohner) und Dorfplanung
1997/98 Beginn der Baumaßnahmen in Poppau
1999 Errichtung der Infrastruktur ( lokale Wasserver- und entsorgung, Löschteich, eigenes Stromnetz) und Inbetriebnahme von Regionalzentrum und Gästehaus
2000 Einzug der ersten 20 Bewohner in zwei Niedrigenergiehäuser
2001 Bau des ersten "Strohballenwohnhauses"
2003 Errichtung einer Holzwerkstatt
2004 Erstellung eines dreigeschossigen Wohnhauses in Strohballenbauweise
2004 Dorfgemeinschaft mit 65 Menschen
2005/6 Erstellung eines weiteren Wohnhauses in Strohballenbauweise für 7 Personen
2006 Dorfgemeinschaft mit 100 Menschen
 

Ziele

Bild: Holzwerkstatt und Werkhaus

Quelle: www.siebenlinden.de

  • Etablierung einer sozial-ökologischen Modellsiedlung für bis zu 300 Bewohner/-innen
  • Kombination von Wohnen, Gewerbe- und Dienstleistungsbetrieben
  • Integration in die vorhandene Dorfstruktur und -gemeinschaft
  • Erhalt, Sanierung und Neunutzung verfallener Bausubstanz
  • Weitgehende Selbstversorgung und regionale Vermarktung
  • Beschäftigung für arbeitslose Handwerker aus der Region
  • Ökologisch orientiertes Bauen
  • Gemeinsame Dorfökonomie
 

Maßnahmen

Bild: Gemeinschaftshaus

Foto: Susanne Schleyer

  • Aus- und Umbau von altem Gebäudebestand
  • Neubau mehrerer Niedrig-Energie-Häuser
  • Naturnahe Abwassereinigung (Pflanzenkläranlage, Teich), Komposttoiletten
  • Integriertes Energiesystem (, Niedrigenergiehäuser, Solaranlagen, Photovoltaikanlagen, Holzvergaserkessel mit Nahwärmenetz (Stückholz), eigene Waldbewirtschaftung zur Bau- und Brennholzgewinnung)
  • Bildungsarbeit und Umwelterziehung
  • Erstellung/Umbau durch eigenen Baubetrieb (ökologische Dienstleistungen)
  • Feste und kulturelle Veranstaltungen mit der Dorfgemeinschaft des Altdorfes
  • Ökologische Landwirtschaft (20 ha bewirtschaftete Fläche)
  • Errichtung und Betrieb einer Hofbäckerei
  • Interner Fonds, gegenseitige Kredite
 

Innovationen

Bild: Wohnungsgenossenschaft Sieben Linden eG

Quelle: www.siebenlinden.de

In Poppau entsteht ein großes ökologisches Wohn- und Arbeitsprojekt. Die Akteure wollen bewusst das Leben in einer strukturschwachen Region im ländlichen Raum fördern. Eine Anlehnung an die noch bestehende Dorfstruktur (Handwerker, Gemeindeleben) und anspruchsvolle ökologische und soziale Projektelemente (integriertes Energiesystem, gemeinsame Dorfökonomie) machen die Siedlung zu einem sozial-ökologischen Modellprojekt.

 

Quellen

  • Deutsches Institut für Urbanistik, Tat-Orte.infobrief 1/2002 (Projektdarstellung und Foto 1)
  • Deutsches Institut für Urbanistik (Hg.) Tat-Orte 2000, Gemeinden im ökologischen Wettbewerb, Berlin 2000 (Fotos 2-3)
  • http://www.oekodorf7linden.de (Projektdarstellung)
  • Deutsches Institut für Urbanistik (Hg.) Tat-Orte 1996, Gemeinden im ökologischen Wettbewerb, Berlin 1996
 

Weiterführendes

Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 38486 - Ort: Poppau - Straße: Dorfstraße.

 

Akteure

  • Siedlungsgenossenschaft Ökodorf e.G., Ökodorf Sieben Linden, 38486 Poppau Tel. 039000 / 51231
  • Freundeskreis Ökodorf e.V., Ökodorf Sieben Linden, 38486 Poppau Tel. 039000 / 51235
  • Email: verein@oekodorf7linden.de
 

Datensatz eingestellt am 01.08.2002 im Rahmen des Forschungsauftrages „Innovative Projekte im Städtebau“ (IProS) vom Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtplanung, RWTH Aachen und aktualisiert vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) .

Letzte Änderung: 11.08.2011