Werkstatt-Stadt
 

Lokal verankerte Aktiengesellschaft für Existenzgründungen

Essen-Katernberg „ZukunftsZentrumZollverein - Triple Z“

(Nordrhein-Westfalen)

Kontext

Bild: Gebäudebestand

Foto: Robert Schmell, BBSR im BBR

Die früheren Standorte der Zeche Zollverein in Essen (590.000 EW) befinden sich im Norden an der Stadtgrenze zu Gelsenkirchen und prägten die Stadtteilentwicklung über fast anderthalb Jahrhunderte. Der wirtschaftliche Strukturwandel hinterließ mit der Schließung der Zeche (1986) und der Kokerei (1993) hohe Arbeitslosigkeit, Einkommensarmut und einen hohen Modernisierungsbedarf im Wohnungsbestand des Stadtteils. Anfang der 1990er Jahre entstand das Bündnis "Essener Konsens", ein informelles Netzwerk von Verantwortungsträgern aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Bildungsträgern und weiteren Institutionen, dessen Ziel eine abgestimmte Vorgehensweise zum Abbau der Arbeitslosigkeit und der Schaffung von Beschäftigungsmöglichkeiten ist. Die von der UNESCO teilweise als Weltkulturerbe deklarierten ehemaligen Industriegebäude der Zeche entwickelten sich zu einem wichtigen Baustein des Strukturwandels im Ruhrgebiet.

 

Projektbeschreibung

Bild: Umgenutztes Gebäude

Foto: Robert Schmell, BBSR im BBR

In der ehemaligen zentralen Lehrwerkstatt der Ruhrkohle AG auf dem Gelände der früheren Schachtanlage 4/5/11 der Zeche Zollverein wurde mit Mitteln des Landes Nordrhein-Westfalen und der Stadt sowie mit privatem Beteiligungskapital ein Gründerzentrum (36.000 qm) eingerichtet. In mehreren Schritten der städtebaulichen Umnutzung entstanden zunächst Büro-, Produktions- und Lagerflächen, die sich in ihrer Größenordnung und Ausstattung an die Bedürfnisse und Möglichkeiten der Mieterfirmen anpassen lassen. Des Weiteren stehen den Unternehmen Konferenzräume und -technik zu Sonderkonditionen zur Verfügung. Coaching und diverse Beratungsangebote werden in enger Zusammenarbeit mit einem Partner des "Essener Konsens", dem Gründungsnetzwerk Essen, angeboten. Weitere Dienstleistungen (Sekretariatsservice, Lohnbuchhaltung, Bistro usw.) bieten Mieterfirmen des Gründerzentrums an. Ende 2003 waren ca. 45 Firmen mit knapp 300 Arbeitsplätzen Mieter im Zentrum. Angestrebt wird eine ausgewogene Mischung von kleinen und mittleren Unternehmen aller Sparten (Handel, Dienstleistung, Handwerk, produzierendes Gewerbe).

Über dieses Angebot hinaus öffnet sich das Triple Z künstlerischen Aktivitäten. Die ehemalige Lohnhalle der Schachtanlage wurde in 2003 bereits als Raum für örtliche und regionale Kunstausstellungen genutzt. Der Umbau eines weiteren Nebengebäudes, des ehemaligen Stellwerks, wurde 2003 abgeschlossen. Hier sollen internationale KünstlerInnen einen Wohn- und Arbeitsort auf Zeit erhalten.

In den Entwicklungsprozess des Triple Z wurden von Anfang an Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen integriert. Sie trugen erheblich dazu bei, dass der Umbau der Gebäude, die Entwicklung der operativen Betriebsstrukturen sowie eine stringente Beratung sichergestellt werden konnten - bereits zu einem Zeitpunkt, als aufgrund fehlender bzw. zu geringer Mieteinnahmen die Wirtschaftlichkeit der Betreibergesellschaft noch nicht gegeben war.

Das Zentrum wird in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft betrieben, die im November 1996 gegründet wurde. Im Aufsichtsrat und dem Vorstand sind VertreterInnen der örtlichen Politik, Handwerkerschaft und Wirtschaft, der Sparkasse und der Stadtverwaltung vertreten. Verbände, Unternehmen, Personen des öffentlichen Lebens ebenso wie Privatpersonen halten Inhaberaktien. Dies gewährleistet eine breite Unterstützung des Projektes. Insgesamt sind von den aufgelegten Aktien seit Gründung der Triple Z AG im November 1996 bereits 41.000 Stück gezeichnet worden.

 

Projektchronologie

Jahr Ereignis
1996 Gründung einer Aktiengesellschaft
1997 Beginn der Sanierungsarbeiten
1998 Fertigstellung des 1. Bauabschnitts (Lohnhalle, Büros, Pavillon)
1999 Fertigstellung des 2. Bauabschnitts (ehemalige Waschkaue und Magazin)
2002 Fertigstellung des 3. Bauabschnitts (ehemalige Industriehallen 6 - 9)
2003 Ernennung des Triple Z zum offiziellen Agenda 21 NRW-Best-Practice-Beispiel
 

Ziele

Bild: Verwaltungsgebäude - Triple Z

Foto: Robert Schmell, BBSR im BBR

  • Revitalisierung brachgefallener Gewerbeflächen
  • weitgehender Erhalt der Bausubstanz
  • Errichtung eines Gründerzentrums
  • ökonomische und soziale Stabilisierung des Stadtteils Essen-Katernberg
 

Maßnahmen

Bild: Umgenutzter dreigeschossiger Turm an ungenutzter Weiche

Foto: Robert Schmell, BBSR im BBR

  • Gründung der Aktiengesellschaft Triple Z und breite Streuung der Aktien
  • Umbau der alten Schachtanlage zu einem Gründerzentrum
  • Durchführung von Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen bei den Sanierungsarbeiten

Auszeichnung im Wettbewerb 1998 "Nachhaltige Stadtentwicklungsprojekte umsetzen" des Ministeriums für Arbeit und Soziales, Stadtentwicklung, Kultur und Sport des Landes NRW (MASSKS)

 

Innovationen

Bild: berankte Stahlbrücke als Verbindung zwischen Gebäuden

Foto: Robert Schmell, BBSR im BBR

Unter Verknüpfung struktur-, arbeitsmarkt- und stadtteilentwicklungspolitischer Ziele wurde eine Aktiengesellschaft zur Errichtung eines Gründerzentrums initiiert. Getragen von einem informellen Bündnis mit bedeutenden Wirtschaftsakteuren der Stadt, ist Triple Z ein Beispiel für die gelungene Verbindung von kommunaler Beschäftigungspolitik und Stadtteilstabilisierung im Strukturumbruch.

 

Quellen

  • Austermann, Klaus/Zimmer-Hegmann, Ralf (2000): Analyse der Umsetzung des integrierten Handlungsprogramms für Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf, ILS-Schriften 166, Dortmund
  • Ministerium für Arbeit, Soziales und Stadtentwicklung, Kultur und Sport des Landes NRW (1999): Nachhaltige Stadtentwicklungsprojekte umsetzen. Landesweiter Wettbewerb 1998 in NRW. Düsseldorf
 

Weiterführendes

Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 45372 - Ort: Essen - Straße: Katernberger Straße 107.

 

Akteure

  • Triple Z AG, Dipl. Ing. Dirk Otto, Katernberger Straße 107, 45372 Essen, Tel. 0201/8872100, Fax 0201/8872118, eMail: info@triple-z.de
 

Datensatz eingestellt am 01.03.2004 im Rahmen des Forschungsauftrages „Innovative Projekte im Städtebau“ (IProS) vom Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtplanung, RWTH Aachen und aktualisiert vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) .

Letzte Änderung: 13.02.2009