Werkstatt-Stadt
 

Lokal verankerte Aktiengesellschaft für Existenzgründungen

Essen-Katernberg „ZukunftsZentrumZollverein - Triple Z“

(Nordrhein-Westfalen)

Kontext

Bild: Gebäude 2 die sogenannte Waschkaue

Quelle: Triple Z (Foto: Yannik Willing)

Die früheren Standorte der Zeche Zollverein in Essen (570.000 EW) befinden sich im Norden an der Stadtgrenze zu Gelsenkirchen und prägten die Stadtteilentwicklung über fast anderthalb Jahrhunderte. Der wirtschaftliche Strukturwandel hinterließ mit der Schließung der Zeche (1986) und der Kokerei (1993) hohe Arbeitslosigkeit, Einkommensarmut und einen hohen Modernisierungsbedarf im Wohnungsbestand des Stadtteils. Anfang der 1990er Jahre entstand das Bündnis "Essener Konsens", ein informelles Netzwerk von Verantwortungsträgern aus Politik, Wirtschaft, Verwaltung, Bildungsträgern und weiteren Institutionen, dessen Ziel eine abgestimmte Vorgehensweise zum Abbau der Arbeitslosigkeit und der Schaffung von Beschäftigungsmöglichkeiten ist. Die von der UNESCO teilweise als Weltkulturerbe deklarierten ehemaligen Industriegebäude der Zeche entwickelten sich zu einem wichtigen Baustein des Strukturwandels im Ruhrgebiet.

 

Projektbeschreibung

Bild: Gebäude 9

Quelle: Triple Z (Foto: Yannik Willing)

In der ehemaligen zentralen Lehrwerkstatt der Ruhrkohle AG auf dem Gelände der früheren Schachtanlage 4/5/11 der Zeche Zollverein wurde mit Mitteln des Landes Nordrhein-Westfalen und der Stadt sowie mit privatem Beteiligungskapital ein Gründerzentrum (14.500 BGF) eingerichtet. In mehreren Schritten der städtebaulichen Umnutzung entstanden zunächst Büro-, Produktions- und Lagerflächen, die sich in ihrer Größenordnung und Ausstattung an die Bedürfnisse und Möglichkeiten der Mieterfirmen anpassen lassen. Des Weiteren stehen den Unternehmen Konferenzräume und -technik zu Sonderkonditionen zur Verfügung. Coaching und diverse Beratungsangebote werden in enger Zusammenarbeit mit einem Partner des "Essener Konsens", dem Gründungsnetzwerk Essen, angeboten. Weitere Dienstleistungen (Sekretariatsservice, Lohnbuchhaltung, Bistro usw.) bieten Mieterfirmen des Gründerzentrums an. Ende 2012 waren ca. 90 Firmen mit knapp 600 Arbeitsplätzen Mieter im Zentrum. Angestrebt wird eine ausgewogene Mischung von kleinen und mittleren Unternehmen aller Sparten (Handel, Dienstleistung, Handwerk, produzierendes Gewerbe).

Über dieses Angebot hinaus öffnet sich das Triple Z künstlerischen Aktivitäten. Die ehemalige Lohnhalle der Schachtanlage wurde in 2003 bereits als Raum für örtliche und regionale Kunstausstellungen genutzt. Der Umbau eines weiteren Nebengebäudes, des ehemaligen Stellwerks, wurde 2003 abgeschlossen. Dort wurden zwischen 2004 und 2010 vier Atelierstipendien vergeben.

In den Entwicklungsprozess des Triple Z wurden von Anfang an Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen integriert. Sie trugen erheblich dazu bei, dass der Umbau der Gebäude, die Entwicklung der operativen Betriebsstrukturen sowie eine stringente Beratung sichergestellt werden konnten - bereits zu einem Zeitpunkt, als aufgrund fehlender bzw. zu geringer Mieteinnahmen die Wirtschaftlichkeit der Betreibergesellschaft noch nicht gegeben war.

Das Zentrum wird in der Rechtsform einer Aktiengesellschaft betrieben, die im November 1996 gegründet wurde. Im Aufsichtsrat und dem Vorstand sind VertreterInnen der örtlichen Politik, Handwerkerschaft und Wirtschaft, der Sparkasse und der Stadtverwaltung vertreten. Verbände, Unternehmen, Personen des öffentlichen Lebens ebenso wie Privatpersonen halten Inhaberaktien. Dies gewährleistet eine breite Unterstützung des Projektes. Insgesamt sind von den aufgelegten Aktien seit Gründung der Triple Z AG im November 1996 bereits 44.000 Stück gezeichnet worden.

 

Projektchronologie

Jahr Ereignis
1996 Gründung einer Aktiengesellschaft
1997 Beginn der Sanierungsarbeiten
1998 Fertigstellung des 1. Bauabschnitts (Lohnhalle, Büros, Pavillon)
1999 Fertigstellung des 2. Bauabschnitts (ehemalige Waschkaue und Magazin)
2002 Fertigstellung des 3. Bauabschnitts (ehemalige Industriehallen 6 - 9)
2003 Ernennung des Triple Z zum offiziellen Agenda 21 NRW-Best-Practice-Beispiel
2007 Fertigstellung des 4. Bauabschnitts (Prüfstandgebäude)
 

Ziele

Bild: Gebäude 10 der sogenannte Prüfstand

Quelle: Triple Z (Foto: Yannik Willing)

  • Revitalisierung brachgefallener Gewerbeflächen
  • weitgehender Erhalt der Bausubstanz
  • Errichtung eines Gründerzentrums
  • ökonomische und soziale Stabilisierung des Stadtteils Essen-Katernberg
 

Maßnahmen

Bild: Stellwerk

Quelle: Triple Z (Foto: Yannik Willing)

  • Gründung der Aktiengesellschaft Triple Z und breite Streuung der Aktien
  • Umbau der alten Schachtanlage zu einem Gründerzentrum
  • Durchführung von Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen bei den Sanierungsarbeiten

Auszeichnung im Wettbewerb 1998 "Nachhaltige Stadtentwicklungsprojekte umsetzen" des Ministeriums für Arbeit und Soziales, Stadtentwicklung, Kultur und Sport des Landes NRW (MASSKS)

 

Innovationen

Bild: Gebäude 1 die sogenannte Lohnhalle

Quelle: Triple Z (Foto: Yannik Willing)

Unter Verknüpfung struktur-, arbeitsmarkt- und stadtteilentwicklungspolitischer Ziele wurde eine Aktiengesellschaft zur Errichtung eines Gründerzentrums initiiert. Getragen von einem informellen Bündnis mit bedeutenden Wirtschaftsakteuren der Stadt, ist Triple Z ein Beispiel für die gelungene Verbindung von kommunaler Beschäftigungspolitik und Stadtteilstabilisierung im Strukturumbruch.

 

Quellen

  • Austermann, Klaus/Zimmer-Hegmann, Ralf (2000): Analyse der Umsetzung des integrierten Handlungsprogramms für Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf, ILS-Schriften 166, Dortmund
  • Ministerium für Arbeit, Soziales und Stadtentwicklung, Kultur und Sport des Landes NRW (1999): Nachhaltige Stadtentwicklungsprojekte umsetzen. Landesweiter Wettbewerb 1998 in NRW. Düsseldorf
 

Weiterführendes

  • http://www.triple-z.de
  • Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (2008): „Triple Z AG – neue Arbeitsplätze auf ehemaligem Zechenstandort in Essen-Katernberg.“ In: „Integrierte Stadtentwicklung – Praxis vor Ort. Gute Beispiele zu Vernetzung und Bündelung im Programm Soziale Stadt.“ Sonderveröffentlichung im Auftrag des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung. S. 32f.
  • Neumann, Dr. Uwe (u.a.) (2007): „Förderung der Lokalen Ökonomie. Fallstudie im Rahmen der Evaluation des integrierten Handlungsprogramms „Soziale Stadt“ in Nordrhein-Westfalen.“ Auftraggeber: Städtenetz Soziale Stadt NRW, Bearbeitung: RWI Essen, Herausgeber: Stadt Essen.
  • Städtenetz „Soziale Stadt NRW“ (2006): „Kontinuität in der Sozialen Stadt. Welche Perspektiven hat die integrierte Stadtteilentwicklung nach der Förderung? Tagungsdokumentation 2006.“ Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung und Bauwesen des Landes Nordrhein-Westfalen.


Größere Kartenansicht

Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 45372 - Ort: Essen - Straße: Katernberger Straße 107.

 

Akteure

 

Datensatz eingestellt am 01.03.2004 im Rahmen des Forschungsauftrages „Innovative Projekte im Städtebau“ (IProS) vom Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtplanung, RWTH Aachen und aktualisiert vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) .

Letzte Änderung: 20.02.2013