Projekt aus der Datenbank Werkstatt-Stadt
Gewerbepark unter großem Dach
(Saarland)

Foto: GIU
Am Westrand von Saarbrücken (200.000 EW), im Stadtteil Burbach, existiert traditionell eine enge Nachbarschaft von Arbeiten und Wohnen. Dort wurde zum Jahresende 1997 ein Ausbesserungswerk der Deutschen Bahn AG geschlossen und damit eine Fläche von insgesamt ca. 32 ha zur Neunutzung frei. Das Gelände wird durch die denkmalgeschützte Industriearchitektur und eine weite Gleisharfe geprägt. Direkt angrenzend befinden sich eine historische Werkssiedlung und ein Naherholungsgebiet.

Foto: Thomas Mayer, Neuss
Das Areal mit dem gut erhaltenen Gebäudebestand des ehemaligen Eisenbahnausbesserungswerkes - eine große, denkmalgeschützte Wagenrichthalle und mehrere Jugendstilbauten - wird seit der Übernahme durch eine städtische Entwicklungsgesellschaft in einzelnen Bauabschnitten revitalisiert. Es entsteht ein neuer Stadtteil für klein- und mittelständische Unternehmen sowie Handwerksbetriebe.
Das städtebauliche Konzept nimmt die alte Bebauungsstruktur auf, schafft aber durch neue Erschließungsstraßen und einen Grünzug mehr Durchlässigkeit. Dadurch wurde die jahrelange Barriere zwischen angrenzenden Wohngebieten und Waldflächen beseitigt. In ersten Bauabschnitten wurden die ehemaligen Kantinen-, Lager- und Verwaltungsgebäude des Werkes saniert, umgebaut und neuen gewerblichen Nutzungen zugeführt. Im Bereich der Gleisharfe wurden die Schienenstränge beseitigt. Dort sind die ersten Neubauten für Dienstleistungs- und Gewerbebetriebe entstanden. Ein Gestaltungshandbuch, das detaillierte Vorgaben zum Ausbau gibt, dient dabei der Qualitätssicherung.
Dominiert wird das Gelände durch die mehr als 40.000 qm große, denkmalgeschützte Wagenrichthalle, die 1906 in einer Stahl-Skelettkonstruktion gebaut wurde. Sie wird nach dem "Haus-im-Haus"-Prinzip umgebaut. Die neuen Gewerbeparzellen liegen unter dem verbindenden und schützenden Dach und sind zwischen 300 und 1.300 qm groß. Sie können den Bedürfnissen und finanziellen Möglichkeiten von ExistenzgründerInnen sehr flexibel angepasst werden. In der Halle werden neue, interne Erschließungstrassen inklusive der notwendigen technischen Infrastruktur angelegt. Über den Wegeachsen wird die Sheddachfläche geöffnet. Entlang dieser Straßen werden industriell gefertigte Pavillons aufgestellt bzw. Innenfassaden eingezogen. Die jeweiligen Grundstücksflächen können - über die Pavillons hinaus - individuell genutzt und/oder ausgebaut werden.
Ein kombiniertes Miet-, Pacht- und Eigentumsmodell soll die Ansiedlung junger Unternehmen erleichtern, indem das (finanzielle) Gründungsrisiko herabgesetzt wird.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1997 | Schließung des Ausbesserungswerks |
| 1999 | Erwerb der Fläche mit Erbbaurecht und Beginn des Umbau der kleineren Gebäudebestände (Lager, Kantine, Pförtnerhaus) |
| 2000 | Entwurf eines städtebaulichen Konzepts für das Gesamtareal |
| 2001 | Rückbau der Gleisanlagen und Erschließungsmaßnahmen |
| 2002 | Erste Neubauansiedlungen im Bereich der Gleisharfe (Werkstätten) |
| 2003 | Teilerschließung der großen Halle und Realisierung des ersten Bauabschnitts |
| ab 2004 | Umgestaltung der ehemaligen Verschiebebühne zur grünen Achse, Resterschließung der großen Halle und der Gleisharfe, Umnutzung der alten Federschmiede |

Foto: Thomas Mayer, Neuss

Foto: GIU
Stiftungspreis "Lebendige Stadt" 2002

Foto: Thomas Mayer, Neuss
Dieses Projekt ist ein Beispiel für erfolgreiches Flächenrecycling durch ein intelligentes Nutzungs- und Vermarktungskonzept, das Impulse für den Strukturwandel in der Region geben kann. Die Bereitstellung von bedarfsgerechten, sehr flexibel anpassbaren Flächen und Gebäuden stellt ein Angebot für ExistenzgründerInnen und expandierende Unternehmen dar und dient der Schaffung neuer qualifizierter Arbeitsplätze.
Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 66115 - Ort: Saarbrücken - Straße: Am Kesselhaus.
Datensatz eingestellt am 01.02.2004 im Rahmen des Forschungsauftrages „Innovative Projekte im Städtebau“ (IProS) vom Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtplanung, RWTH Aachen und aktualisiert vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) , zuletzt geändert 02.03.2010
gedruckt am: Montag, 21. Mai 2012
Werkstatt-Stadt Link: <http://werkstatt-stadt.de/de/projekte/56/>