Projekt aus der Datenbank Werkstatt-Stadt
Spielräume in denkmalgeschützter Hülle
(Nordrhein-Westfalen)

Foto: Robert Schmell, BBSR im BBR
Im hoch verdichteten Severinsviertel der südlichen Kölner Innenstadt wurden Gebäude und Flächen der preußischen Eisenbahn aus der Zeit um 1900 frei, nachdem auch die letzte Nutzerin, die Deutsche Bundespost, auszog. Dieser Komplex grenzt unmittelbar an die Wohnanlagen auf dem Gelände der ehemaligen "Stollwerck"-Schokoladenfabrik, die im Zuge der Stadtsanierung in den 1980er Jahren entstanden sind.

Foto: Robert Schmell, BBSR im BBR
Die denkmalgeschützten Backsteingebäude wurden für öffentliche Einrichtungen umgenutzt: Ein früheres Verwaltungsgebäude beherbergt eine Schule. Im ehemaligen Lagerhaus entstand das Kulturzentrum "Bürgerhaus Stollwerck". Zwischen den Baukörpern wurde eine weitläufige Wiesenfläche angelegt, die einen der wenigen grünen Freiräume des Quartiers darstellt.
Ein weiteres Projekt, die Umnutzung einer ehemaligen Eisenbahnwagenhalle, richtet sich speziell an die Kinder und Jugendlichen des Stadtteils und rundet den Komplex ab.
Das mehr als 60 m lange und 24 m breite Gebäude wurde, entsprechend der früheren Gliederung, in drei gleich große Teile parzelliert. Die ursprünglich bis auf die Tore komplett geschlossene Südfassade wurde für große Lichtschlitze geöffnet.
Der östliche Gebäudeteil ist zur großen, wettergeschützten Spielhalle, für unterschiedlichste Nutzungen umgestaltet. Er blieb ohne weitere Einbauten, behielt aber das Dach und die ursprüngliche, große Dachlaterne. Zum großen Wiesenplatz im Süden öffnet sich die Halle mit einem Tor und großen Fenstern. Für die kältere Jahreszeit wurde eine Warmluftheizung eingebaut. Kinder und Jugendliche des Stadtteils finden hier einen notwendigen Aufenthaltsraum und Treffpunkt für jede Jahreszeit.
Im mittleren und westlichen Hallenschiff wurde eine Kindertagesstätte für fünf Gruppen eingerichtet. Über dem westlichen Hallenteil wurde die Dacheindeckung abgetragen. Nur die Umfassungswände und die alte Stahlkonstruktion der Dachträger blieben erhalten. Der so entstandene Hof dient jetzt als Außenspielfläche für den Kindergarten.
"Die ehemalige Postfuhrhalle der Preußischen Eisenbahn wurde als große Hülle nun mit einer relativ kleinen Nutzung ... umgestaltet." schrieb die Jury anlässlich der Auszeichnung des Projektes mit dem Gestaltungspreis der Wüstenrot Stiftung im Jahre 1999. Und weiter: "Die Nutzung entspricht den Anforderungen des gesamten Quartiers: Damit ist (der Umbau) ... ein hervorragendes Beispiel für eine intelligente Stadterneuerung."
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| ab 1990 | Auszug der Bundespost |
| 1990-92 | Umbau des Lagerhauses zum Bürgerhaus und Kulturzentrum |
| 1997 | Fertigstellung und Einzug der Kindertagesstätte Zugasse |
| 1999 | Gestaltungspreis der Wüstenrot Stiftung |

Foto: Robert Schmell, BBSR im BBR

Foto: Robert Schmell, BBSR im BBR
1999 Auszeichnung mit dem Gestaltungspreis der Wüstenrot Stiftung

Foto: Robert Schmell, BBSR im BBR
Durch die Umnutzung der drei denkmalgeschützten Backsteingebäude und die Anlage des großen Wiesenplatzes entstand im hochverdichteten Severinsviertel ein hochwertiger, öffentlicher Raum. Mit wenigen baulichen Mitteln wurde die denkmalgeschützte Eisenbahnhalle umgestaltet und ein attraktives Angebot für Kinder und Jugendliche geschaffen. So entstand vor allem für die jüngeren BewohnerInnen des Innerstadtquartiers dringend benötigter Bewegungsraum.
Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 50678 - Ort: Köln - Straße: Zuggasse 2.
Datensatz eingestellt am 17.09.2004 im Rahmen des Forschungsauftrages „Innovative Projekte im Städtebau“ (IProS) vom Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtplanung, RWTH Aachen und aktualisiert vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) , zuletzt geändert 15.08.2008
gedruckt am: Montag, 21. Mai 2012
Werkstatt-Stadt Link: <http://werkstatt-stadt.de/de/projekte/47/>