Kommunales Flächenmanagement fördert dörfliche Innenentwicklung
(Baden-Württemberg)

Foto: Günter Konieczny
Der Ortskern von Sulzfeld (4.750 Einwohner) war geprägt durch den Verfall ehemaliger landwirtschaftlicher Anwesen, eine hohe bauliche Dichte bei fehlenden privaten und öffentlichen Freiflächen und eine schlechte Bausubstanz. Hinzu kam eine überdurchschnittliche Alterung der Bevölkerung und ein hoher Ausländeranteil. Schwierige Eigentumsverhältnisse und ausbleibende private Investitionen verhinderten eine Ortsentwicklung mit den gängigen Instrumenten. Die Folge war eine Vernachlässigung der Ortsmitte und eine Verlagerung der baulichen Entwicklung in die Außenbereiche.

Foto: Günter Konieczny
Das Modellvorhaben "Siedlungsökologisches Quartierskonzept" beschreitet seit 1992 den Weg, durch ein kommunales Flächenmanagement gezielt den Ortskern als Wohn- und Arbeitsstandort zu entwickeln. Durch kommunalen Grunderwerb, den Abriss baufälliger Gebäude und die Vorbereitung für eine Neubebauung konnten Siedlungsflächen reaktiviert werden. Bei schlechter Bausubstanz nimmt die Gemeinde dabei ihr Vorkaufsrecht in Anspruch, um die Gebäude abzureißen und die Flächen als Bauland aufzubereiten. Bei erhaltenswerten Gebäuden steht die Motivierung der Eigentümer zur Modernisierung im Vordergrund. Der Prozess ist auf einen Zeitraum von 15 Jahren angelegt und basiert auf einer intensiven Einbindung und Beratung aller Beteiligten. Die Gemeinde verzichtete auf einen rigiden Sanierungsplan zugunsten der Festlegung von Leitlinien, die flexibel dem Einzelfall entsprechend angewendet werden. Die Umsetzung des Modells wurde durch eine 50%ige Landesförderung von Erwerb, Abbruch und Herrichtung für eine Neubebauung ermöglicht.
Der ökologische Ansatz konzentriert sich auf den Verzicht einer Ausweisung zusätzlicher Siedlungsflächen am Ortsrand, die Reduzierung der Flächenversiegelung und die Verbesserung der Durchgrünung und Durchlüftung des Gebietes.
Nach zehn Jahren Sanierung konnten 56 Wohneinheiten (Einfamilien- und Mehrfamilienhäuser) in Neubauten auf recycelten Flächen und fünf durch Modernisierung im Bestand geschaffen werden. Es gelang die Ansiedlung von 9 neuen Gewerbebetrieben und die Standortsicherung bzw. Modernisierung von drei Gewerbeeinheiten mit insgesamt 63 Arbeitsplätzen. In den Gebäuden einer ehemaligen Schule konnte ein Zentrum mit 30 betreuten Altenwohnungen errichtet werden. Die darin untergebrachten gemeindeeigenen Gemeinschaftsräume, eine Fitnesseinrichtung und eine Arztpraxis beleben das Ortszentrum zusätzlich. Die Neubaumaßnahmen fügen sich durch Aufnahme ortstypischer Elemente in die vorhandene städtebauliche Struktur ein.
Das Wohnumfeld wurde durch die Gestaltung und Begrünung der Straßenräume, Anlage von Parkplätzen und durch Schaffung von nutzungsoffen konzipierten Spiel- und Bewegungsräumen für Kinder und Jugendliche aufgewertet.
Die Nutzung der vorhandenen Erschließungsanlagen und der technischen Infrastruktur führte im Vergleich zu Neubaugebieten zu geringeren Erschließungskosten. Dadurch konnten die Grundstücke zu günstigeren Baulandpreisen an Bauwillige veräußert werden.
Durch das Modellprojekt gelang es, die Ortsmitte wieder zum Standort zeitgemäßen Wohnens für unterschiedliche Bevölkerungsschichten und Altersklassen zu machen, so dass "Zuhause im Dorf" zum positiv besetzten Schlagwort in Sulzfeld geworden ist. Durch die konsequente Innenentwicklung konnte auf die Ausweisung von rund 5,5 ha Neubaufläche verzichtet werden und so ein wesentlicher Beitrag zur Vermeidung zusätzlicher Inanspruchnahme von Siedlungsfläche geleistet werden.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1986-1989 | Dorfentwicklungsplanung |
| 1992 | Start des Modellvorhabens "Siedlungsökologisches Quartierskonzept" |
| 1997 | Beginn der verstärkten Durchführung privater Projekte |
| 2001 | Einweihung eines Seniorenzentrums |
| 2003 | Weitergehende Untersuchungen zur Ausdehnung des Projektes |

Foto: Günter Konieczny

Foto: Günter Konieczny
Modellvorhaben im Rahmen des "Entwicklungsprogramms Ländlicher Raum" (ELR) des Ministeriums für Ernährung und ländlichen Raum, Baden Württemberg

Foto: Günter Konieczny
Die Strategie der Innenentwicklung führte zu einer funktionalen und sozialen Mischung mit neuen Standortqualitäten. Das Modell zeigt qualitätsvolle Perspektiven für gewachsene Dorfstrukturen als Alternative zur Außenentwicklung auf.
Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 75056 - Ort: Sulzfeld - Straße: Hintere Straße.
Datensatz eingestellt am 01.10.2003 im Rahmen des Forschungsauftrages „Innovative Projekte im Städtebau“ (IProS) vom Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtplanung, RWTH Aachen und aktualisiert vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) .
Letzte Änderung: 02.03.2010