Neue Jobs durch Schlachthof-Umbau
(Hamburg)

Bestandsfoto: R. Dorrendorf
Die 1911 erbaute "Alte Rinderschlachthalle" zählt zum denkmalgeschützten Gebäudeensemble des alten Hamburger Schlachthofs. Sie befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Fleischgroßmarkt sowie zum Messe- und Congress-Zentrum im Stadtteil St. Pauli.
Der Schlachthof stellte früher eine undurchlässige bauliche Barriere zwischen Schanzen- und Karolinenviertel dar. Beide Viertel zählen zu den verdichteten Innenstadtquartieren mit einem hohen Anteil an Sozialhilfeempfängern und Arbeitslosen. Dort kam es aufgrund von Attraktivitätsverlusten im Wohnungsbestand beim Kleingewerbe und den Einzelhandelsgeschäften zu einer Abwanderung der höheren Einkommensschichten.
Seit 1994 verfolgt die Freie und Hansestadt Hamburg im Rahmen ihres Stadtentwicklungskonzepts in St. Pauli die Bündelung von sozial-, beschäftigungs- und wirtschaftspolitischen Maßnahmen in einem quartiersbezogenen, integrierten Handlungsansatz. Dadurch wurde eine behutsame Aufwärtsentwicklung möglich.

Foto: © Archimage, Meike Hansen
Unter Berücksichtigung denkmalpflegerischer Belange wurde die 80 m lange "Alte Rinderschlachthalle" von 1997 bis 1998 zu einer neuen Gewerbeimmobilie mit 5.700 qm Nutzfläche umgebaut. Sie beherbergt heute ein Existenzgründerprojekt, ein Stadtteilbüro sowie Veranstaltungsräume, Gastronomie, Geschäfte, Büros und künstlerisch-therapeutische Einrichtungen.
Die Stadterneuerungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft Hamburg mbH (STEG) führte diese Umbaumaßnahme für ca. 6,7 Mio. EURO als treuhänderische Sanierungsträgerin der Freien und Hansestadt Hamburg durch. Der Umbau wurde nahezu vollständig frei finanziert. Lediglich das Existenzgründerprojekt wurde mit einem investiven Zuschuss in Höhe von 430.000 EURO aus Stadterneuerungsmitteln der öffentlichen Hand gefördert.
Das Existenzgründungszentrum, die "Etage 21", fungiert als "Inkubator" (Brutkasten) für Mobilisierungs- und Stabilisierungsprozesse im Stadtteil. Getragen wird die Initiative von der STEG. Existenzgründer aus dem Quartier und seinem Umfeld werden bevorzugt untergebracht. Betriebe ohne Quartiersbezug werden nach möglichen Synergieeffekten untereinander ausgewählt, um positive Wirkungen für den Stadtteil zu erzielen.
Das Konzept der Etage 21 basiert auf einem kleinteiligen, kostengünstigen Raumangebot (von 10 bis 55 qm), der Möglichkeit, sich die vorhandene Infrastruktur zu teilen und von den Serviceangeboten wie dem "Gründerzirkel" oder dem "Gründerbrunch" des angegliederten "Gründer-Info St. Pauli" zu profitieren. Vierteljährlich erscheint hier "Claim - Die Zeitung für Existenzgründungen", die ebenso Informationsveranstaltungen, fachliche Unterstützung und Kontakte vermittelt.
Mit den "Schlumpern" befindet sich eine künstlerisch-therapeutisch ausgerichtete Einrichtung in der "Alten Rinderschlachthalle". Sie betreiben dort ein Atelier, einen Ausstellungsraum, Veranstaltungsort und ein Cafe. Diese sind offen für Besuchergruppen und beleben so das Gebäude. Die STEG unterhält weiterhin ein Stadtteilbüro mit Sprechstunden, in dem z.B. die öffentlichen Sitzungen des Sanierungsbeirates für das Karolinenviertel stattfinden.
Angestoßen wurde durch das erfolgreiche Existenzgründerkonzept ein Ergänzungsbau auf der Freifläche. Am 1. Januar 2006 öffnete das KAROSTAR Musikhaus in Hamburg St. Pauli seine Tore. Der KAROSTAR wurde in einer Bauzeit von nur einem Jahr errichtet.
Die Immobilie bietet auf 2.500 Quadratmetern Bruttogeschossfläche 33 Büros zwischen 15 und 90 qm, einen Konferenzraum mit technischen Serviceangeboten. Im Erdgeschoss befinden sich drei Tonstudios und vier Läden. Zwischen Alt- und Neubau ist ein Platz mit einer Tribüne entstanden. Dort können Veranstaltungen stattfinden, vom Flohmarkt, über Filmnächte bis zu Live-Konzerten. Unter den Neubauten und dem Platz befindet sich eine Tiefgarage mit 87 Stellplätzen.
90 Prozent der Flächen werden an junge Unternehmen aus der Musikbranche vergeben, die bei Einzug maximal zwei Jahre am Markt sein dürfen. Die Büromieten liegen zwischen 5,50 und 6,50 Euro Nettokaltmiete, die Ladenmieten bei rund 9,00 Euro. Alle Flächen können von den Mietern jeweils zum Monatsende gekündigt werden. Zur Fertigstellung waren bereits mehr als 90 Prozent der Flächen vermietet.
Das neue Zentrum für junge Unternehmen aus der Musikbranche mit Büros, Läden und Studios wurde mit einer Investitionssumme von 5,4 Millionen Euro von der Stadterneuerungs- und Stadtentwicklungsgesellschaft Hamburg mbH (STEG) errichtet. Unterstützt wurde das Projekt mit je einer Million Euro durch die Europäische Union (EFRE-Programm) und durch die Behörde für Wirtschaft und Arbeit.
Mit dem Projekt wurden der Strukturwandel der Hamburger Musikwirtschaft – hin zu kleineren flexibleren Unternehmen – und der Musikstandort St. Pauli unterstützt. Die STEG rundete damit zugleich die städtebauliche und wirtschaftliche Erneuerung des Karolinenviertels ab.
Der benachteiligte Stadtteil hat sich zum beliebten Wohnviertel und Trendquartier in Sachen Mode, Medien und Musik entwickelt.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1997-98 | Umbau der Alten Rinderschlachthalle |
| Januar 1998 | Eröffnung der "Etage 21" |
| 1998 | Einrichtung des "Gründer-Info St.Pauli" |
| 1998 | Umzug der "Schlumper"-Maler in die Alte Rinderschlachthalle |
| 2000 - 2002 | Ergänzungsneubauten: Laden- und Atelierflächen |
| 2003 | Architektenwettbewerb für einen Ergänzungsbau: Musikzentrum für Existenzgründer und junge Betriebe |
| 2006 | Fertigstellung Ergänzungsbau: Karostar Musikhaus St. Pauli (Haus für Gründer und junge Betriebe aus der Musikwirtschaft) |

Foto: © Archimage, Meike Hansen

Quelle: STEG mbH

Foto: © Archimage, Meike Hansen
Mit dem Projekt "Alter Schlachthof" werden die soziale und ökonomische Revitalisierung, die Öffnung des ehemaligen Schlachthofgeländes und die stadträumliche Verbindung von zwei Stadtteilen realisiert. Die Maßnahme fördert Beschäftigung und Betriebsgründungen und symbolisiert die Aufwärtsentwicklung des Stadtteils St. Pauli.
Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 20357 - Ort: Hamburg - Straße: Neuer Kamp 32.
Datensatz eingestellt am 01.10.2003 im Rahmen des Forschungsauftrages „Innovative Projekte im Städtebau“ (IProS) vom Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtplanung, RWTH Aachen und aktualisiert vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) .
Letzte Änderung: 20.08.2008