Renaissance eines kleinen Bahnhofs
(Rheinland-Pfalz)

Bestandsfoto: www.monsheim.de
Das Projekt "Umweltbahnhof" in Monsheim ist ein Beitrag zur gleichnamigen Initiative des Landes Rheinland-Pfalz und der Deutschen Bahn AG, die 1993 gestartet wurde. Damit sollen Bahnhöfe in kleineren Städten und Gemeinden von ihrem "Schmuddelimage" befreit, umgebaut und mit neuen Nutzungen belebt werden. Sie sollen als potenzielle städtische Mitte aufgewertet und die Siedlungsentwicklung an den Bahn-Haltepunkten gefördert werden. Der Begriff "Umweltbahnhof" steht für den beispielhaften ökologischen Umgang mit Gebäudebestand, Freiflächen, Wasser und Energie sowie für die Förderung des Umweltverbundes - der Verknüpfung von Bahn, Bus, Straßenbahn, Fuß- und Radverkehr. Ein landesweiter Ideenwettbewerb führte im Jahr 1994 zur Auswahl von vier Gemeinden, die am Modellvorhaben teilnehmen: Monsheim, Grünstadt, Bullay und Niederlahnstein. Seit 1995/96 befinden sich die Modellprojekte in der Realisierung.

Quelle: WSW & Partner GmbH Kaiserslautern
Zum Projektstart erstellte das Öko-Institut e.V. in Freiburg ein Planungshandbuch mit einem Maßnahmenkatalog zur Aufwertung der Bahnhofsareale - angefangen von der Gestaltung des Umfelds bis hin zur Lichtführung.
Auf dieser Basis wurde ein städtebaulich-verkehrlicher Rahmenplan erarbeitet. In Folge der Wiedereröffnung der Bahnlinie Monsheim - Grünstadt waren unterschiedlichste Maßnahmen notwendig geworden. So wurde das Bahnhofsgebäude durch neue Nutzungen (u.a. Café und Läden) wiederbelebt und die Bahnsteige umgebaut. Der Bahnhofsvorplatz wurde von der Ortsgemeinde umgestaltet; eine Park-and-Ride-Anlage, ein Busbahnhof und eine Bike-and-Ride-Anlage konnten eingerichtet werden.
Kurz nach dem Umbau eröffnete auf dem Bahnhofsvorplatz ein Wochenmarkt. Das Radwegenetz des Ortes wurde auf den Bahnhof hin orientiert. Für eine ehemalige Güterhalle ist die Umnutzung zum Dorfgemeinschaftshaus geplant. Mit einem Bebauungsplan wird die Entwicklung eines neuen Wohngebietes "Bahnhofsumfeld Ost" vorbereitet, um eine städtebauliche Lücke zwischen bestehenden Wohngebieten und dem Bahnhofsareal zu schließen. Durch die Maßnahmen avancierte der Monsheimer Bahnhof nach Ansicht der Gemeindevertreter zur "Visitenkarte" der gesamten Region.
Ähnliche Maßnahmen wurden auch in den anderen am Landesprojekt beteiligten Gemeinden durchgeführt. Es wurde u.a. die Verkehrssituation verbessert. Wichtige Bahngebäude konnten zur Markthalle bzw. Kulturzentrum umgenutzt werden. In Grünstadt entsteht in unmittelbarer Nachbarschaft zum Bahnhof ein - vom Projektentwickler sogenanntes - "ÖPNV-orientiertes Neubaugebiet". Hier spielen Wohnraum in verkehrsgünstiger Lage, die Schaffung von Arbeitsplätzen, kommunales Flächenmanagement, kostengünstige Erschließung und kommunikative Planungsverfahren eine große Rolle. Auf dem Flachdach des Bahnhofes Bullay wurde eine Photovoltaikanlage installiert.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1993 | Auslobung eines landesweiten Ideenwettbewerbes |
| 1994 | Auswahl der Gemeinden |
| 1995 | Planungshandbuch "Umweltbahnhof Rheinland-Pfalz" |
| bis 1995 | Erarbeitung von städtebaulich-verkehrlichen Rahmenplänen |
| ab 1996 | Realisierung der Einzelprojekte |

Foto: Robert Burger

Foto: Robert Burger

Quelle: WSW & Partner GmbH Kaiserslautern
Dieses Projekt leistet drei zentrale Beiträge zur nachhaltigen Siedlungsentwicklung: die Reaktivierung des schienenbezogenen Personen-Nahverkehrs im ländlichen Raum, die Rückführung brachgefallener Flächen in ökologische und städtebauliche Nutzungskonzepte und die Erneuerung von zentral gelegenem Gebäudebestand.
Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 67590 - Ort: Monsheim - Straße: Bahnhofstraße.
Datensatz eingestellt am 01.06.2003 im Rahmen des Forschungsauftrages „Innovative Projekte im Städtebau“ (IProS) vom Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtplanung, RWTH Aachen und aktualisiert vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) .
Letzte Änderung: 13.01.2012