Werkstatt-Stadt
 

Selbstgenutzte Reihenhäuser durch innerstädtische Nachverdichtung

Leipzig-Möckern „Stallbaumstraße“

(Sachsen)

Kontext

Bild: Gebäude in der Stallbaumstraße

Quelle: Norbert Post, Hartmut Welters Architekten & Stadtplaner

Das Projekt wurde im Rahmen eines Leipziger Modellvorhabens zur Förderung selbstgenutzter Wohnimmobilien durchgeführt. Dadurch sollen insbesondere junge Familien eine Alternative zum Eigenheim am Stadtrand erhalten. Die Stadt Leipzig (522.000 EW, 2012) verfolgt ein strategisches Gesamtkonzept zur Eigentumsbildung. Dieses war zunächst auf die Sanierung von Gründerzeithäusern ausgerichtet und später auf den Wohnungsneubau ausgeweitet worden. Im Zuge dieser Ausweitung der Aktivitäten auf den Neubau wurde im Stadtplanungsamt eigens das Sachgebiet „Stadthäuser“ eingerichtet. Mit der Durchführung des Programms ist eine externe Einrichtung für Koordination, Moderation und Beratung beauftragt. Auch Architekten, Ingenieure und Baufinanzfachleute sollen möglichst frühzeitig eingebunden und unterstützt werden.

Das Projekt „Stallbaumstraße“ befindet sich etwa drei Kilometer nordwestlich des Leipziger Stadtzentrums in Leipzig-Möckern. Die Projektumgebung ist gründerzeitlich geprägt. Dort bestehen Ansätze einer Blockrandbebauung, die allerdings nur zum Teil geschlossen ist. Außerdem gibt es im Quartier zahlreiche Stadtvillen. Durch mehrere Um- und Neubauprojekte sind zu den alten Strukturen moderne Gebäude hinzugekommen. Die Blockinnenbereiche im Quartier sind begrünt und weisen einen hohen Baumbestand auf. Das Quartier ist nicht sehr dicht bebaut und hat einen vergleichsweise geringen Versiegelungsgrad.

 

Projektbeschreibung

Bild: Neubauten entlang der Möckernschen Straße

Quelle: Norbert Post, Hartmut Welters Architekten & Stadtplaner

Die Entwicklung der Fläche eines ehemaligen Betriebshofes im Blockinnenbereich wurde zwischen 2004 und 2008 nach einem städtebaulichen Wettbewerb auf der Grundlage eines Bebauungsplans umgesetzt.

Das Konzept für das sogenannte "Stallbaumstraßen-Projekt" sah den Neubau von 30 Einfamilienhäusern in Form von Gartenhof- und Reihenhäusern vor, die sich um einen kleinen Stadtplatz gruppieren. Dem Projekt lag die Idee einer dichten urbanen Bebauung zugrunde. Die neue Baustruktur hebt sich von der bereits vorhandenen ab, wobei sich kleinere Grünzäsuren zwischen vorhandener und neuer Bebauung befinden. Durch die Maßnahme ist im Blockinnenbereich eine neue flächige und stark durchgrünte Bebauung entstanden. Zudem ist jedem Haus ein großzügiges privates Gartengrundstück zugeordnet. Das Baugebiet gliedert sich grob in drei unterschiedliche Bereiche.

Im Süden hat sich eine Selbstnutzergruppe zur „GbR Stallbaumstraße“ zusammengeschlossen. Die Bauinteressierten entwickelten die Gebäude zusammen mit ihren Architekten nach ihren eigenen Wünschen. In diesem Bereich finden sich neun 2- bis 3-geschossige L-förmige Gartenhofhäuser, deren Wohnfläche von 120-220 qm reicht. Durch Baulinien und -grenzen ist ein rechteckiger Grundhaustyp festgelegt. Die Innenraumaufteilung wurde individuell mit dem Architekten geplant. Im nördlichen Bereich gruppieren sich 10 Reihenhäuser um einen begrünten Stadtplatz. Es handelt sich um 2-geschossige Häuser mit Pultdach und 120 qm Wohnfläche. Die Möckernsche Straße wurde mit 3-4-geschossigen Reihenhäusern mit Flachdach und ca. 140 qm Wohnfläche bebaut.

Die ursprünglich für eine dichtere Bebauung vorgesehenen Grundstückspreisrichtwerte konnten in Verhandlungen mit der Kämmerei an die geringere bauliche Ausnutzung mit Eigenheimen angepasst und deutlich reduziert werden. Bei der Gebäudetechnik kommen sowohl Besonderheiten wie Wärmepumpen oder Solarthermie, als auch herkömmliche Systeme wie ein Gasbrennwertkessel zu Einsatz.

 

Projektchronologie

Bild: Neugebaute Einfamilienhäuser

Quelle: Norbert Post, Hartmut Welters Architekten & Stadtplaner

Jahr Ereignis
2000 Projektidee
2002 Planungsbeginn
2004 Baubeginn
2008 Fertigstellung
 

Ziele

  • Städtebauliche Konversion eines Gewerbeareals
  • Kostengünstiger, qualitätsbewusster Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern
  • Steigerung der Attraktivität der Kernstadt für die Wohneigentumsbildung
  • Integration kleinteiliger Wohnprojekte in vorhandene städtebauliche Strukturen
  • Anpassung von Bau- und Wohnformen an zukünftige Wohnbedürfnisse
 

Maßnahmen

Bild: Gebäude in der Stallbaumstraße

Quelle: Norbert Post, Hartmut Welters Architekten & Stadtplaner

  • Neubau mehrerer Einfamilienhäuser
  • Anlage eines begrünten Stadtplatzes
  • Ausstattung mit Wärmepumpen
  • Solarthermie
 

Innovationen

Bild: Neugebaute Einfamilienhäuser

Quelle: Norbert Post, Hartmut Welters Architekten & Stadtplaner

In der Stallbaumstraße hat sich gezeigt, dass durch innerstädtische Nachverdichtung Alternativen zur Eigentumsbildung in städtischen Randlagen entstehen können. Die Aktivierung der Brachfläche zeichnet sich durch ihre Einbettung in das übergeordnete Gesamtkonzept aus, das „Selbstnutzer-Programm“, mit dem die Stadt Leipzig die zukünftigen Bewohner beteiligt und unterstützt. Dieses Wohnungsbauprojekt an einem innerstätischen Standort trägt dazu bei, die Neuentstehung solcher Strukturen im Außenbereich zu vermeiden. Die Projektumsetzung fällt zudem im Bereich Klimaschutz und Klimaanpassung positiv aus, beispielsweise durch die deutliche Reduzierung der versiegelten Fläche (-40%), die Dachbegrünung und die Versickerungsmöglichkeiten.

 

Quellen

  • BMVBS (Hrsg.) Kostengünstiger qualitätsbewusster Neubau von Ein- und Zweifamilienhäusern in prosperierenden Regionen. Werkstatt Praxis. Heft 55.
  • BBSR: Leipzig - Ein Projekt im Rahmen des Selbstnutzer-Programms. Online Abrufbar: Leipzig - Ein Projekt im Rahmen des Selbstnutzer-Programms. Letzter Aufruf am 25.08.2014.
  • ExWoSt – Studie »Städtebauliche Nachverdichtung im Klimawandel« Projektbericht: Fallstudie: Leipzig – Stallbaumstraße. 2014
 

Weiterführendes

  • Stadt Leipzig, Dezernat Stadtentwicklung und Bau (Hrsg.) (2011): Stadthäuser in Leipzig. Blaue Reihe. Beiträge zur Stadtentwicklung 51. Online abrufbar unter: Stadthäuser in Leipzig, PDF, 4,0MB. Letzter Aufruf am 25.8.2014.
  • Selbstnutzerprogramm der Stadt Leipzig: www.selbstnutzer.de Letzter Aufruf am 28.8.2014.
  • Projektdarstellung der Architekten: www.augustin-imkamp.de. Letzter Aufruf am 28.8.2014.

Hier erscheint der Projektstandort direkt in Google-Maps. Projekt in Google-Maps

Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 04155 - Ort: Leipzig - Straße: Stallbaumstraße; Möckernsche Straße.

 

Akteure

  • Stadt Leipzig Planungsabteilung Stadtbezirk Leipzig-Nord und Leipzig-Ost, Neues Rathaus Martin-Luther-Ring 4 – 6 ,04109 Leipzig, Fax: 0341 123-4815, Mail: stadtplanungsamt@leipzig.de. Abteilungsleiter: Herr Wolfgang Krug Telefon: 0341 123-4849.
  • Stadt Leipzig Stadtplanungsamt Abt. Generelle Planung und Projekte, Neues Rathaus Martin-Luther-Ring 4 – 6 04109 Leipzig, Fax: 0341 123-4930,-Mail: stadtplanungsamt@leipzig.de, Web: http://www.leipzig.de/stadtentwicklung, Abteilungsleiter: Herr Reinhard Wölpert, Telefon: 0341 123-4891.
  • Architekten: Augustin+ Inkamp: Kochstraße 132, Werk II, 04277 Leipzig, Tel.: 0341 99 13 999 & 0341 22 35 939, Fax: 0341 30 69 104, Mail: kontakt@augustin-imkamp.de, Web: http://www.augustin-imkamp.de.
 

Datensatz eingestellt am 01.07.2015 vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR).

Letzte Änderung: 01.12.2015