Werkstatt-Stadt
 

Aktionsräume für Jugendliche

Rosenheim „Stadtoasen“

(Bayern)

Kontext

Bild: Open-Air-Kino am Salzstadel

Quelle: www.stadtoasen-rosenheim.de

In der Rosenheimer Altstadt-Ost gibt es für Jugendliche zu wenige Freiräume. Vorhandene Angebote können den Bedarf an Aufenthaltsmöglichkeiten für Jugendliche nicht decken. In der Öffentlichkeit und Politik ist das Bewusstsein für diese Defizite nicht sehr ausgeprägt. Im Rahmen der Sanierung der Altstadt-Ost und der Vorbereitungen der Landesgartenschau 2010 sollte durch das Modellvorhaben "Stadtoasen" in der dicht bebauten Altstadt das Freiflächenangebot ergänzt werden. Um sichtbare Zeichen im Stadtraum zu setzen und einen innovativen Beitrag zur Freiraumentwicklung zu leisten, sollten auf Rest- und ungenutzten Flächen temporäre Aktionsflächen von und für Jugendliche geschaffen werden.

Langfristiges Ziel des Modellvorhabens war es, eine neue Art der Freiflächenbewirtschaftung und -nutzung zu implementieren. Durch die temporäre öffentliche Bespielung der Oasen und die sichtbaren Ergebnisse sollten auch andere Jugendliche zur Auseinandersetzung mit dem Thema angeregt und zur Mitwirkung motiviert werden.

 

Projektbeschreibung

Bild: Jugendliche in ihrer Stadtoase

Quelle: Urbanes Wohnen e.G.

Um sichtbare Zeichen im Stadtraum zu setzen und einen innovativen Beitrag zur Freiraumentwicklung zu leisten, entstand im Sommer 2009 unter Beteiligung von Kindern und Jugendlichen aus verschiedenen Schulklassen einer Grund- und Hauptschule und unterstützt durch das Büro Urbanes Wohnen e.G. die erste Stadtoase. In einer Ideenwerkstatt ging es zunächst darum, zu erfahren, in welcher Weise und Intensität Kinder und Jugendliche die Freiräume in der Altstadt-Ost in Rosenheim nutzen. Im nächsten Schritt wurden im Modellbau Nutzungsideen für Stadtoasen entwickelt. In einem 3-tägigen Workshop vor Ort wurden die Ideen unter fachlicher Anleitung mit 50 Kindern und Jugendlichen der beteiligten Schulklassen realisiert. Für den Bau der Stadtoase wurden günstige und leicht verfügbare Materialien wie Schaltafeln, Dachlatten oder Kunststoffplanen verwendet. Zentraler Wunsch der Kinder und Jugendlichen war der Bau von Wasserbassins, die mit Sonnensegeln, Grünpflanzen, Sitz- und Liegemöbeln möbliert wurden. Das Ergebnis war eine temporäre Spiel- und Aktionsfläche mit selbst gebautem Mobiliar.

Besonders gelungene und in der Praxis bewährte Möbelelemente wurden 2010 von Jugendlichen zu Prototypen für Stadtoasen weiterentwickelt. Grundidee ist, das Mobiliar in den unterschiedlichsten Kontexten einzusetzen und stetig weiterzuentwickeln. 2010 wurden sechs Stadtoasen in der Rosenheimer Innenstadt sowie einem Programmgebiet der Sozialen Stadt in Rosenheim umgesetzt. Einige der Stadtoasen waren an das Praxisseminar Wirtschaft einer 11. Klasse angekoppelt, was sich als sehr geeignetes Format der Aktivierung und Beteiligung erwiesen hat.

Die Jugendlichen, die sich für die Stadtoasen engagierten, verliehen diesen stets einen "Event-Charakter". So wurden mehrere Open-Air-Kinoabende mit Tanz und Musik sowie Bewirtung für Jugendliche aber auch für alle anderen Interessierten geboten. Durch die Initiierung der Stadtoasen hat sich eine Zusammenarbeit mit dem Verein Kinokultur Rosenheim e.V. entwickelt. Zusammen mit diesem Verein hat das Team der Stadtoasen einen ausgedienten VW-Bus zu einem mobilen Kino umfunktioniert. Mit dem „Kinomobil“ wurden seither unzählige OpenAir-Filmvorstellungen an wechselnden Orten bzw. öffentlichen Plätzen durchgeführt.

2011 folgten weitere Stadtoasen. Aus einem alten Verkaufsanhänger wurde ein Cafèwagen gebaut, der flexibel einsetzbar ist. Seitens der Stadt ist eine Fortführung der Stadtoasen geplant. Sie sollen weiterhin an das Quartiersmanagement angebunden werden. Die Stadtverwaltung hat inzwischen die Stadtoasen auch als geeignetes Instrument zur Beteiligung Erwachsener anerkannt. Für kommende Stadtentwicklungsprojekte, beispielsweise die Erschließung aufgegebener Bahnflächen, sollen sie zukünftig zum Einsatz kommen. Weiterhin beabsichtigt die Stadt Rosenheim, die Einführung eines Ämterlotsen als zentralen Ansprechpartner für Jugend- und Selbsthilfeprojekte einzurichten.

In 2010 entwickelte das örtliche Quartiersmanagement urbanes Wohnen e.G. einen Leitfaden zur Entwicklung von Stadtoasen, um die Idee auch in andere Städte exportieren zu können. Nachahmerprojekte gibt es bereits in Göppingen und Regensburg. Das Modell Stadtoasen kann als Strategie der In-Wert-Setzung von städtischen Räumen für und durch Jugendliche begriffen werden.

 

Projektchronologie

Jahr Ereignis
2008 Ideen- und Planungswerkstatt; Bau von Mobiliarmodellen
2009 Durchführung der ersten Stadtoasen; Entwurfswerkstatt Mobiliar
2010 Durchführung von 6 Stadtoasen; Entwicklung eines Leitfadens
2011 Durchführung von 6 weiteren Stadtoasen
2012 Anerkennung beim Integrationspreis 2012 der Regierung von Oberbayern
2013 Bespielung des Bahnhofsvorplatzes im Auftrag des Stadtplanungsamtes Rosenheim
 

Ziele

Bild: Jugendliche bei der Planung einer Stadtoase

Quelle: www.stadtoasen-rosenheim.de

  • Entwicklung eines neuen Instrumentes zur Aktivierung junger Bürger
  • Bespielung öffentlicher Plätze und Nischen
  • Bau von flexiblem und günstigem Stadtmobiliar
 

Maßnahmen

Bild: Aufbau einer Stadtoase

Quelle: www.stadtoasen-rosenheim.de

  • Entwicklung von Mobiliar
  • Durchführung von Ideenwerkstätten
  • Durchführung von Stadtoasen
 

Innovationen

Bild: Stadtoase mit Konzert am Bahnhofsvorplatz

Quelle: www.stadtoasen-rosenheim.de

Das Projekt Stadtoasen kann wichtige Hinweise zur temporären Aneignung und Inszenierung öffentlicher Räume durch Jugendliche geben. Der prinzipielle Ansatz des Projektes, den Jugendlichen eine vergleichsweise einfache Basisausstattung, überschaubare Mittel und, wenn gewünscht, fachliches Know-How zur Verfügung zu stellen, hat auf lokaler Ebene viel angestoßen und kann als gut übertragbare Methode gesehen werden, um jugendliche, aber auch erwachsene Selbsthilfeprojekte zu unterstützen. Das Projekt hat die Planungskultur vor Ort verändert, so dass nun eine größere Offenheit besteht, Ideen zunächst temporär zu erproben, um Jugendlichen, aber auch erwachsene Bürger somit stärker an der Entwicklung ihrer Stadt teilhaben zu lassen.

 

Quellen

  • ExWost Forschungsfeld „Jugendliche im Stadtquartier – Modellvorhaben“, Informationen zum Modellvorhaben auf der BBSR Homepage, >>weitere Informationen
 

Akteure

Projektträger

Kooperationspartner

 

Datensatz eingestellt am 04.12.2013 vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR).

Letzte Änderung: 14.10.2014