Werkstatt-Stadt
 

Neue Wege und Organisationsformen beim Quartiersaufbau

Freiburg-Rieselfeld „Quartiersaufbau Rieselfeld“

(Baden-Württemberg)

Kontext

Am westlichen Stadtrand Freiburgs wird seit 1991 das Stadterweiterungsprojekt Rieselfeld für ca. 10.000 Einwohner realisiert. Als Reaktion auf den zunehmenden Wohnungsbedarf wurde der Stadtteil mit dem Anspruch konzipiert, Mängel bestehender Großwohnsiedlungen zu vermeiden und einen bewussten Beitrag zur Funktionsergänzung im Wohnungsbau zu leisten. Ein wesentlicher Fortschritt wurde schon dadurch erreicht, dass diverse Versorgungseinrichtungen und die Straßenbahn bereits zu Beginn der Besiedlung realisiert waren.

 

Projektbeschreibung

Bild: KIOSK-Laden

Foto: Manfred Fuhrich, BBSR im BBR

Durch professionelle Sozialarbeit sollten tragfähige Sozialstrukturen aufgebaut und gemeinsam mit den neuen Bewohnern die soziokulturelle Infrastruktur entwickelt werden. Zu diesem Zwecke wurde die Aufgabe des Quartiersaufbaus einer intermediären Organisation übertragen (Kontaktstelle für praxisorientierte Forschung e.V. an der Evangelischen Fachhochschule Freiburg). Sie übernahm den Auftrag, den Aufbau einer tragfähigen Alltagskultur anzustoßen, zu unterstützen und zu moderieren. Für die Arbeit im Stadtteil wurde der gemeinnützige Verein ?K.I.O.S.K. (Kontakt, Information, Organisation, Selbsthilfe, Kultur) auf dem Rieselfeld e.V.? gegründet.

Der Grundgedanke besteht darin, zunächst auf den Bau von sozialen Einrichtungen zu verzichten und stattdessen durch professionelle Sozialarbeit tragfähige soziale Strukturen zu entwickeln.

Die vielfältigen Aktivitäten des Vereins K.I.O.S.K. zielen auf eine angebotsorientierte offene Kommunikationsstruktur. Eine zentrale Aufgabe ist es, die Mitwirkung bei Planung und Bau des neuen Stadtteils zu fördern. Der Verein ist Ansprechpartner für die verschiedenen Planungsakteure und versteht sich zugleich als Transporteur von Vorschlägen und Bedürfnissen der Bewohner. Mit der Eröffnung eines K.I.O.S.K.-Ladens konnte frühzeitig sowohl Infrastruktur wie Post oder Bäckerei als auch eine zentrale Anlaufstelle für die neuen Bürger bereits in der Bauphase angeboten werden.

Neben der städtischen Förderung konnten in erheblichen Maße Drittmittel eingeworben werden (Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, Hilfe zur Arbeit, Forschungsmittel), so dass mehrere Mitarbeiter die Aufgaben kontinuierlich begleiten konnten.

 

Projektchronologie

Jahr Ereignis
November 1994 Sozial- und Jugendhilfeausschuss befürwortet Konzept "Quartiersaufbau Rieselfeld"
April 1995 Aufnahme der Projekttätigkeit
Juni 1996 Gründung des Vereins K.I.O.S.K
Dezember 1996 Eröffnung des K.I.O.S.K-Ladens im Stadtteil
Oktober 2003 Abschluss
 

Ziele

Bild: Am Rieselfeldgraben

Foto: Tina Hörmann

  • Schaffung einer tragfähigen Alltagskultur im Sinne einer funktionierenden Kommunikationsstruktur
  • Unterstützung der Mitwirkung der Bewohner beim Auf- und Ausbau des Stadtteils
  • Aufbau einer sozialen und kulturellen Infrastruktur bereits bei Baubeginn der Siedlung
  • Bürgerschaftliches Engagement und Selbstverwaltung befördern und unterstützen
  • Förderung von Nachbarschaften
 

Maßnahmen

  • Einrichtung eines Stadtteilladens als Treffpunkt für die neuen Bewohner, als Ladencafe mit Serviceeinrichtungen wie Postfiliale etc.
  • Professionelle Ansprechpartner für zukünftige Bewohner und unterschiedliche Organisationen
  • Bewusste "Inszenierung des Sozialen" (Mitarbeiter inszenieren Begegnungen, Feste, Diskussionen als Angebote für die Bewohner)
  • Informationsangebote wie Stadtteilzeitung "LITFASS", Internetauftritt, Diskussionsforen, etc.
  • Initiierung von kulturellen Angeboten wie Ausstellungen, Kabarett, Konzerten etc.
 

Innovationen

Bild: Rieselfeld aus Kinderaugen

Foto: KIOSK

Mit dem Projekt "Quartiersaufbau Rieselfeld" wurde bereits in der ersten Phase der Besiedelung des neuen Stadtteils die soziale und kulturelle Identität gezielt gefördert. Die Identifikation der Bewohner mit ihrem neuen Lebensumfeld und die Mitwirkung bei der Ausgestaltung des Wohnumfeldes und des Stadtteils trug frühzeitig zum Aufbau eines vielfältigen und lebenswerten Stadtteils bei.

 

Quellen

  • Stadt Freiburg (Hrsg.): Wo Freiburg weiter wächst – Dokumentation zum Projektstand. Freiburg 2002
  • Maier, Konrad / Eißler, Birgit (1999): Quartiersaufbau Rieselfeld. Projektflyer. Freiburg
  • Maier, Konrad (1997): Quartiersaufbau Rieselfeld, in: Humpert, Klaus (Hg.): Stadterweiterung: Freiburg Rieselfeld. Modell für eine wachsende Stadt. Stuttgart
  • Stadt Freiburg (Hrsg.): Der Stadtteil Rieselfeld in Freiburg. Von der Planung zur Realisierung. Zwischenbilanz Juni 1997. Freiburg 1997
 

Weiterführendes

Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 79111 - Ort: Freiburg - Straße: Oberer Rieselfeldgraben.

 

Akteure

 

Datensatz eingestellt am 01.02.2003 im Rahmen des Forschungsauftrages „Innovative Projekte im Städtebau“ (IProS) vom Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtplanung, RWTH Aachen und aktualisiert vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) .

Letzte Änderung: 13.02.2009