Werkstatt-Stadt
 

Eschwege auf neuen Wegen

Eschwege „Innenstadtkarrees“

(Hessen)

Kontext

Bild: Experiment Leerstandslabor - Blick auf einen leerstehenden Laden mit temporärer Ausstellung in den Schaufenstern

Foto: Wolfgang Conrad, Kreisstadt Eschwege

Der demographische Wandel und dessen Auswirkungen setzten in Eschwege (20.000 EW) rascher und folgenreicher ein als erwartet. Die Attraktivität der Innenstadt mit ihrer historisch gewachsenen Fachwerksubstanz wurde insbesondere durch die abnehmende Kundenfrequenz und die steigende Zahl an Wohnungs- und Ladenleerständen gefährdet. Die räumliche Dichte sowie die kleinflächige Zusammensetzung der Innenstadt erforderten neue Wege, Ideen und Kooperationen.

 

Projektbeschreibung

Bild: Diskussionsrunde in der sogenannten Infobox

Foto: Wolfgang Conrad, Kreisstadt Eschwege

Vor diesem Hintergrund stellte die Stadt Eschwege ihren Beitrag zur hessischen Innenstadt-Offensive "Ab in die Mitte" 2005 unter das Motto "Eschwege auf neuen Wegen". Ziel war es Innenstädte mit dem Einstieg in die baulich-qualitative Entwicklung nachhaltig zu beleben und zu stabilisieren.

Dafür hat die Stadt Eschwege die Bildung von sogenannten Innenstadtkarrees als Wettbewerb in Form eines offenen Stadtentwicklungsprozesses konzipiert. Hauseigentümer, Geschäftsbesitzer, Gastronomen, Investoren und Bürger wurden aufgerufen, sich innerhalb selbst festgelegter Innenstadtkarrees zu neuen Kooperationen zusammenzufinden. So wurden konkrete Maßnahmen für neue Nutzungskonzepte, Umbauten, Umnutzungen, altengerechtes Wohnen oder die Beseitigung von Laden- und Wohnungsleerständen entwickelt und an Hand von Zeichnungen veranschaulicht. Ebenso wurde auch die Wiederbelebung von Innenhöfen als innenstadtrelevante Raumpotenziale thematisiert. Anforderung an die Beiträge war, dass sie zur nachhaltigen Verbesserung der Karreesituation beitragen, den Branchenmix oder das Warenangebot in der Innenstadt qualitativ verbessern oder den öffentlichen Raum baulich-qualitativ aufwerten. Die Maßnahmenkonzepte mussten über den Status reiner Ideensammlungen hinausgehen und konkrete Maßnahmen und bankübliche Finanzierungspläne erhalten. Ein Ideenpool wurde aufgebaut, der als Vorbildfunktion für weitere, potenzielle Innenstadtakteure dient.

Das Projekt wurde unter Federführung der Stabsstelle Wirtschaftsförderung konzipiert und durchgeführt. Zu den Kooperationspartnern zählten Hochbauamt, Haus- und Grundeigentümerverein, Hotel- und Gaststättenverband, Einzelhandelsverband sowie Architekten. Die Stabstelle und das Team unterstützten die Projektgruppen, die sich mit einem Beitrag bewarben, durch Moderation und fachliche Beratung. Insgesamt wurden 17 Beiträge eingereicht, von denen schließlich 15 am Wettbewerb teilnahmen. Die Themenstellung der Projekte war vielfältig und reichte vom "altengerechten und generationenübergreifenden Wohnen" über die Idee einer "Licht-Lounge" hin zum Konzept "Innenstadt-Arena". Sämtliche Wettbewerbsbeiträge wurden im Innenhof des Eschweger Rathauses öffentlich ausgestellt. Dies stieß auf große Resonanz der Bürger und setzte einen Diskussionsprozess zur Innenstadtentwicklung in Gang. Schließlich wurden fünf Projekte durch eine Jury als "Bestes Konzept" ausgezeichnet. Anschließend wurden ein privat finanziertes Projekt und ein aus dem Programm Stadtumbau finanziertes Projekt realisiert. Weitere Projekte sollen zukünftig realisiert werden. Die Bevölkerung konnte sich regelmäßig über den Sachstand der einzelnen Projekte informieren.

Die Innenstadtkarree-Bildung in Eschwege wurde durch Kunst- und Kulturprojekte begleitet und unterstützt, die eine kulturelle und kommunikative Klammer um den Wettbewerb bildeten. Unter dem Motto "Kunstideen in Innenhöfen, Geschäften und Leerständen" setzten sich u.a. Künstler mit der Innenstadt auseinander und erstellten einen Kunstparcours.

 

Projektchronologie

Jahr Ereignis
02/2005 Auftaktveranstaltung
06/2005 Erarbeitung der Wettbewerbsbeiträge
08/2005 Begutachtung der Beiträge und Wettbewerbsprämierung
09/2005 Öffentliche Ausstellung der Wettbewerbsbeiträge
10/2005 Beginn der Umsetzung / Implementierung
02/2006 "Zukunftswerkstatt Eschwege"
05/2007 erstes Karree realisiert
ab 06/2007 Realisierung weiterer Projekte wie z.B.: „Barrierefreies Wohnen für Senioren und behinderte Menschen“, „bürOffice", „Obermarkt-Lounge“, „Innenstadtarena“ u.v.m.
 

Ziele

  • Nachhaltige Stärkung und Belebung der Innenstadt
  • Baulich-qualitative Entwicklung der Innenstadt
  • Qualitative Profilierung der Innenstadt
  • Abbau der Laden- und Wohnungsleerstände
  • Förderung von Eigeninitiative und -finanzierung
 

Maßnahmen

  • Durchführung eines Karree-Wettbewerbs
  • Aufnahme von ausgewählten Projekten in das Eschweger Stadtumbaukonzept
    • Licht-Lounge am Obermarkt
    • Innenstadt-Arena / Markplatzkarree
    • Altengerechtes und generationenübergreifendes Wohnen
    • Stadtumbaugalerie in der Marktstraße
  • Unterstützende Projekte zur temporären Reaktivierung von Innenhöfen mit Spontanaktionen
  • Experiment Leerstandslabor
  • Kunstideen in Innenhöfen, Geschäften und Leerständen
 

Innovationen

Bild: Blick auf Ausstellungstafeln zum Projekt unter freiem Himmel in der Innenstadt

Foto: Wolfgang Conrad, Kreisstadt Eschwege

Das Projekt richtet sich konsequent an die Betroffenen von Laden- und Wohnungsleerständen, insbesondere die Hauseigentümer und Geschäftstreibenden und führt zu konkreten Vorschlägen für nachhaltige Verbesserungsmaßnahmen der örtlichen Problemsituation, aber auch für die Entwicklung der Innenstadt.

Mit dem im Rahmen eines offenen Stadtentwicklungsprozesses eingesetzten Wettbewerbs konnte ein erhöhtes Engagement der lokalen Akteure erreicht werden, das sich auf das Karree als überschaubare Handlungsebene fokussiert. Durch den Einstieg in die bauliche Neuentwicklung der Innenstadt wird ein besonderes Maß an konkreter Verbindlichkeit erreicht, das zu realen Veränderungen führt und die Bestandsentwicklung fördert.

Hervorzuheben ist auch, dass unterschiedliche Akteure durch kurzfristige, ergänzende Aktionen aktiviert werden. Sie arbeiten gemeinsam an Maßnahmen und Ideen zur Verwirklichung langfristiger Ziele. Die Idee, Innenstadtkarrees als strategisches Instrument zu betrachten, ist ein neuer Ansatz zur Einbeziehung lokaler Akteure zur Übernahme von Verantwortung für den eigenen Standort.

 

Quellen

  • Die Initiatoren des Projekts "Ab in die Mitte! Die Innenstadt-Offensive Hessen", V. i. S. d. P. Peter Linden, Referat Presse, Öffentlichkeitsarbeit, Hessisches Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung (Hrsg.): Ab in die Mitte 2005! Die Innenstadt-Offensive Hessen, Dokumentation 2005
  • Veröffentlichung: Lebenswerte Innenstädte - Initiativen, die bewegen! Gute Beispiele für Projekte und Initiativen der Innenstadtentwicklung, Herausgeber: BMVBS/BBR, Bonn 2007 (den download der Veröffentlichung finden Sie unter: http://www.bbr.bund.de/BBSR/DE/Veroeffentlichungen/Sonderveroeffentlichungen/2007/LebenswerteInnenstaedte.html)
 

Weiterführendes

Hier erscheint der Projektstandort direkt in Google-Maps. Projekt in Google-Maps

Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 37269 - Ort: Eschwege - Straße: Grüner Weg 2.

 

Akteure

 

Datensatz eingestellt am 07.10.2009 vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR).

Letzte Änderung: 07.10.2009