Neuausrichtung einer Stadt
(Sachsen)

Quelle: Stadtverwaltung Ostritz
Ostritz liegt zwischen Görlitz und Zittau im „Dreiländereck“ an der deutsch-polnisch-tschechischen Grenze. Im Jahr 1990 lebten dort etwa 4000 Einwohner. Durch die wirtschaftlichen Veränderungen der Nachwendezeit und den demographischen Wandel schrumpfte Ostritz auf derzeit rund 2.700 Einwohner.
Die Stadt und ihr Umfeld waren bis 1989 stark industriell geprägt. Immissionen der nahegelegenen Braunkohlekraftwerke, der ortsansässigen Textilindustrie und fehlende Kläranlagen haben die Umwelt und das Image der Region stark geschädigt.
Seit 1990 bemüht sich die Stadt, durch die Umsetzung des ganzheitlichen Konzeptes „Energieökologische Modellstadt Ostritz-St. Marienthal“ die Situation zu verändern. Das Konzept setzt hierbei auf den Einsatz regenerativer Energien zur kommunalen Energieversorgung. Diese Maßnahmen werden mit Angeboten für den fachorientierten Tourismus und Fortbildung verbunden.

Quelle: BTU Cottbus
Mit dem Beschluss der Stadt zur energetischen Neuausrichtung wurde eine umfassende Veränderung der Umweltsituation eingeführt. Das Konzept sah eine schrittweise Errichtung von Anlagen zur Nutzung regenerativer Energieträger vor. Sie sollten beispielhaft für andere Städte und Regionen die Möglichkeiten der regenerativen Energienutzung demonstrieren. Der Prozess wurde durch den Aufbau einer nachhaltigen, ökologischen Energieversorgung in der Region herbeigeführt.
In der ersten Projektphase ist ein Biomassekraftwerk mit Fernwärmenetz entstanden, mit dem bereits anfangs etwa 75 % der Bevölkerung mit Wärme versorgt werden konnte. Hauptenergieträger sind Holzhackschnitzel aus Rest- und Durchforstungsholz. Zusätzlich wurden dezentrale solarthermische Anlagen zur Warmwasserbereitung in die Wärmeerzeugung eingebunden.
In der historischen Sägemühle des Klosters St. Marienthal wurde eine Wasserturbine in Betrieb genommen. Dies und die Errichtung mehrerer Windkraftanlagen und diverse Photovoltaikanlagen auf den Dächern öffentlicher und privater Bauten tragen zur bilanziell energetischen Autarkie der Stadt bei. Heute erzeugt die Stadt 4-mal mehr Strom, als sie selbst verbraucht.
In der zweiten Phase - seit 2004 - konzentrierten sich die Akteure auf eine ganzheitlich nachhaltige ökologische Entwicklung der Stadt. So wurden durch die Kommunale Verwaltung interessante Bildungsangebote geschaffen, die nicht nur Fachpublikum anziehen. Hierfür wurde beispielsweise ein Begegnungszentrum zur Wissensvermittlung in Umwelt- und Energiefragen eingerichtet.
Viele kleine Projekte wie zum Beispiel die Installation einer Pflanzenkläranlage für einen Ortsteil, die Regenwassernutzung in öffentlichen Gebäuden oder die Erstellung „Umweltgerechter Handlungsempfehlungen“ für die Stadtverwaltung Ostritz und das katholische Alten- und Pflegeheim „St. Antoni Stift“ runden das Gesamtkonzept ab.
In den zurückliegenden Jahren wurden viele nachhaltige Projekte umgesetzt, die die Entwicklung der Stadt nicht nur energetisch, sondern auch mit sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Schwerpunkten stärken. Der Kulturpfad „Klosterstraße“ ist ein Lichterweg zur Verknüpfung von Stadt und Kloster. Dort wurde eine Dauerausstellung „Energie-Werk-Stad(t)t“ eingerichtet, die Einblicke in die Zusammenhänge zwischen der Energieerzeugung und -gewinnung gibt.
Die Entwicklung und Umsetzung des Konzeptes wird neben der kommunalen Verwaltung von ortsansässigen Akteuren, wie z.B. dem Kloster St. Marienthal oder Bürgervereinen getragen.
Für das Gesamtkonzept und die Umsetzung wurde die Stadt mehrfach mit renommierten Umweltpreisen ausgezeichnet.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1997 | Errichtung eines Biomasse-Heizkraftwerkes auf dem Gelände einer ehemaligen Industriebrache |
| 1997 | Installation einer Solarthermie-, einer Regenwasseraufbereitungs- und einer Photovoltaikanlage |
| 1997/98 | Errichtung von vier Windenergieanlagen |
| 1999 | Fertigstellung der Dauerausstellung „ENERGIE-WERK-STAD(T)T“ |
| 2000 | Inbetriebnahme einer Wasserkraftanlage mit einer Nennleistung von 104 kW |
| 2003 | Einführung eines Umweltmanagementsystems im Internationalen Begegnungszentrum IBZ |
| 2005-2008 | IBZ-Projekt „Prima Klima“, trinationale Bildungsprojekte mit Schülern etc. |
| 2005 | Start des Projekts „Umwelt baut Brücken“, mit Schulklassen aus Deutschland, Polen, Tschechien, Slowenien, Ungarn und der Slowakei |
| 2006 | Erweiterung des Windparks mit einer Gesamtleistung von bisher 4 MW auf 14 MW |

Quelle: Stadtverwaltung Ostritz

Quelle: Stadtverwaltung Ostritz
Der innovative Gehalt liegt in dem differenzierten Maßnahmebündel zur „Verwandlung“ einer Kommune von der umweltgeschädigten Industriegemeinde zur ökologischen Vorzeigestadt. Auf Basis von marktverfügbaren Technologien und erprobten technischen Anlagen wurde eine ökologisch verträgliche und ökonomisch tragfähige Energieversorgung geschaffen. Darauf aufbauende Bildungsangebote, Ausstellungen, Workshops bis hin zu ökologischen Ausrichtung der örtlichen Grundschule führten zu einer wachsenden Dynamik der nachhaltigen lokalen Entwicklung. Hervorzuheben ist das hohe Engagement der Bürger als Erfolgsfaktor für diesen Prozess.
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Hier erscheint der Projektstandort direkt in Google-Maps. Projekt in Google-Maps
Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 02899 - Ort: Ostritz - Straße: Markt 1.
Datensatz eingestellt am 30.06.2009 vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR).
Letzte Änderung: 29.10.2009