Gestaltung eines Mehrgenerationenplatzes
(Nordrhein-Westfalen)

Quelle: bgmr Landschaftsarchitekten
Das von den Bewohnern so benannte „Wohnquartier Ölberg“ in Wuppertals Elberfelder Nordstadt zeichnet sich durch eine große Bewohnervielfalt aus. Alteingesessene leben hier neben Studenten, Firmen in der dritten Generation neben kleinen Existenzgründerunternehmen. Die gründerzeitliche Wohnbebauung mit kleinen Läden, Kunstateliers und Kneipen prägt das Stadtbild.
Der in den 1970er Jahren als Kinderspielplatz angelegte Schusterplatz ist der zentrale Platz auf dem Ölberg. In seiner Gestaltung entsprach er schon lange nicht mehr den veränderten Nutzungsanforderungen der Bewohner. Die intensive Platznutzung während der Pausen und Nachmittagsbetreuung durch die benachbarten Schulen führte zur Verdrängung von Senioren. Mit einem Beteiligungs- und Planungsverfahren wurde daher gemeinsam mit allen Alters- und Nutzergruppen nach Lösungen für eine Neugestaltung des Platzes gesucht.
Seit 2001 arbeitet ein Büro für Organisations- und Unternehmensberatung ehrenamtlich an der Stadtteilentwicklung im Quartier und hat dabei den Umbauprozess für den Schusterplatz mit initiiert und begleitet.
Der Stadtteil gehört zu den Programmgebieten Stadtumbau West, die durch demografische Veränderungen in innerstädtischen, gründerzeitlichen Quartieren eine erheblichen Handlungsbedarf mit sich bringen. Eine kleinräumige Strukturentwicklung soll hier in Gang gesetzt werden, bei der alle Beteiligten zusammenwirken.
Das Projekt wurde in den Jahren von 2006 bis 2007 als Fallstudie im Forschungsfeld „Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere“ im Bundesforschungsprogramm „Experimenteller Wohnungs- und Städtebau“ (ExWoSt) ausgewertet.

Foto: Rolf Martin
„Platz für alle! Mitmischen + Mitgestalten“
Unter diesem Slogan wurde der Schusterplatz mit intensiver Bewohnerbeteiligung umgestaltet. Mit Quartiersfesten, Kunst- und Bastelaktionen, Planungs-Café im Seniorenstift, bei Besuchen und gemeinsamen Veranstaltungen in den Einrichtungen der Migranten und mit dem „World-Café“ auf dem Platz wurden alle Alters- und Nutzergruppen angesprochen und Ideen für die zukünftige Nutzung und Gestaltung gesammelt. Als fester Anlaufpunkt mit täglichen Öffnungszeiten diente ein ehemaliger Gemüseladen am Platz. Eine Internetseite animiert zum „Mitmachen“ und kommuniziert die Ergebnisse.
Aus den Ideen der Bewohner wurden unterschiedliche landschaftsarchitektonische Entwürfe entwickelt. Allen Entwürfen war gemeinsam, den Platz am Berg barrierefrei zugänglich und nutzbar zu machen. Er war bislang nur über Treppen erreichbar. Als besonders mehrgenerationentauglich und flexibel bewerteten die Anwohner das „Kurpark-Motiv“. Der Entwurf sieht an der Nordseite des Platzes einen großen, mit Plattenbelag versehenen Platz unter dem erhaltenen, hallenartigen Baumbestand als gemeinsamen Treff und Festgelegenheit vor. Auf der terrassierten Sandspielfläche bieten sich Spiel- und Bewegungsangebote für kleinere und größere Kinder. Eine modellierte Rasenfläche eignet sich als Liegewiese und für kleine Ballspiele gleichermaßen. Auf dem benachbarten Platz mit Bänken nahe dem Seniorenstift gibt es Sitzgelegenheiten für Eltern und Senioren, die von dort das Platzgeschehen beobachten können.
Während der dreimonatigen Bauphase verfolgten und kommentierten zahlreiche aktiv gewordene Anwohner die Arbeiten auf dem Platz. In einer Mitmach-Baustelle entstanden mit Jugendlichen unter Anleitung eines ortsansässigen Schreiners in der benachbarten Schulwerkstatt Spielhäuser, die gemeinsam auf dem Platz installiert wurden. Zudem bauten Schulklassen unter Anleitung eines Künstlers an einem Mäander aus Beton und Kieselsteinen, der die Sandfläche unterteilt.
Durch Unterstützung zahlreicher Sponsoren wurde auch ein interkulturelles Begleitprogramm zum Platzumbau unter dem Motto „Gerüch(t)e Küche“ durchgeführt. Die Dauerausstellung „Mahlzeit“, bei der in leer stehenden Läden dekorierte und eingedeckte Küchentische, je nach Herkunft, Tradition und Geschmack, ausgestellt wurden, endete mit einem großen „Platzmahl“ zur Eröffnung des umgestalteten Schusterplatzes.
Um einen Platz für alle Generationen schaffen zu können, suchen die Quartiersakteure auch weiterhin nach neuen Partnerschaften und Finanzierungsmöglichkeiten. Zukünftig soll eine Toilette mit Unterstellmöglichkeiten, z.B. für Fest- und Spielmaterialien, in einem ehemaligen Trafohäuschen am Platz realisiert werden. Dieses Projekt hat ein ortsansässiger Handwerker in die Hand genommen und mit Sponsorengeldern den Umbau in Eigenleistung vollbracht.
Auf der Agenda des Schusterplatz-Cafés, einer Projektgruppe des Stadtteil-Fördervereins, steht nun die Frage, wie weitere Angebote auf dem Platz in Eigenregie organisiert und finanziert werden können. Die Organisation der Toilettennutzung und des Abstellraums, die Reinigung und Pflege, die Regelung Verbrauchskosten Strom und Wasser, die Anmeldung von Veranstaltungen auf dem Schusterplatz sowie Möglichkeiten, den Schusterplatz durch Gastronomie zu bereichern.

Foto: Rolf Martin
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 2001 | Umfrage zu Zielen der Quartiersentwicklung |
| 2005 | Mittelfestlegung über das Programm Stadtumbau West |
| 2006 | Durchführung des Beteiligungsverfahrens und Gründung der Projektgruppe Schusterplatz-Café |
| 2007 | Bauliche Umsetzung und Kulturkampagne „Gerüch(t)e Küche“ |
| 09/2007 | Großes Eröffnungsfeier auf dem Platz mit 2.500 Teilnehmern. |

Foto: Rolf Martin

Foto: Bettina Oswald

Foto: Bettina Oswald
Mit der Neugestaltung des Schusterplatzes ist ein öffentlicher Raum entstanden der fit für alle Generationen gemacht wurde. Dazu haben Bewohner und Unternehmer aus dem Stadtteil gleichermaßen beigetragen und den Umbauprozess gemeinsam initiiert und organisiert.
Durch ein innovatives Beteiligungsverfahren, das über die klassischen Beteiligungsformen hinausgeht konnte das Eigenengagement der Bewohner und deren Verantwortung für das Quartier gefördert werden.
Die Aneignung des Platzes durch die Bewohner ist mit Abschluss der Planungen und der Baumaßnahmen nicht beendet. Sie werden in Zukunft noch intensiver als schon bisher den Platz als gemeinsamen Lebensraum und Kristallisationspunkt für Begegnungen entdecken.

Foto: Rolf Martin
Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 42105 - Ort: Wuppertal - Straße: Charlottenstraße 7.
Datensatz eingestellt am 06.01.2009 vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR).
Letzte Änderung: 17.08.2009