Projekt aus der Datenbank Werkstatt-Stadt
Ein Platz für alle an der Christuskirche
(Nordrhein-Westfalen)

Luftbild: Stadt Essen, Vermessungsamt
Der Stadtteil Altendorf befindet sich am westlichen Stadtrand Essens (588.000 EW), ca. 3,5 km vom Stadtzentrum entfernt. Er gehört zu den Stadtteilen mit besonderem Entwicklungsbedarf (Programmgebiet „Soziale Stadt“). Große brachliegende Gewerbeareale trennen ihn räumlich von der Innenstadt. Nicht zuletzt trugen soziale Probleme zum schlechten Image des Stadtteils bei.
Der Christuskirchplatz liegt in einem verdichteten innerstädtischen Wohngebiet mit hohem Anteil an Migranten und sozial benachteiligten Bevölkerungsgruppen. Er bildet mit der Christuskirche die räumliche Quartiersmitte und wird von drei- bis viergeschossigen Wohngebäuden der Gründerzeit und von Nachkriegsbebauung eingefasst.
Das Umfeld und die Platzgestaltung der Christuskirche entsprachen nicht mehr den vielfältigen sozialen Anforderungen der Stadtteilbewohner. Hochbeete und dichtes Gehölz sorgten für eine unübersichtliche Raumsituation. Der Parkplatz wurde zum Treffpunkt von Jugendlichen, von denen zum Teil abendliche Ruhestörungen, Belästigungen und auch Bedrohungen der Anwohner ausgingen.
Auch die Verkehrssituation war unbefriedigend. Die in den 1970/80er Jahren nahezu flächendeckend umgesetzten Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung führten dazu, dass viele Bewohner die fehlende Belebung am Platz kritisierten. Sie fühlten sich vom umliegenden Stadtraum „abgetrennt“. Es sollten daher Lösungen gefunden werden, den als Angstraum empfundenen Platz wieder zu einem lebendigen Quartiersplatz umzugestalten.
Das Projekt wurde in den Jahren von 2006 bis 2007 als Fallstudie im Forschungsfeld „Innovationen für familien- und altengerechte Stadtquartiere“ im Bundesforschungsprogramm „Experimenteller Wohnungs- und Städtebau“ (ExWoSt) ausgewertet.

Foto: Dip-.-Ing. Helmut Fox, Büro für Freiraumplanung
Der Entwicklungsprozess zur Umgestaltung des Platzes an der Christuskirche wurde von den Bürgern unter Begleitung der Universität Duisburg-Essen (Institut für stadtteilbezogene soziale Arbeit und Beratung – ISSAB) intensiv mitgestaltet. In Diskussionen, Bürgerbeteiligungen und Veranstaltungen wurden Mängel erkannt, Ideen gesammelt und Ziele formuliert. Die daraus entstandenen „Bausteine“ wurden zu einem Gesamtkonzept für das Umfeld Christuskirche zusammengeführt. In gemeinschaftlicher Arbeit zwischen Ämtern der Stadt Essen, einem Landschaftsarchitekten, einem Lichtkünstler und der Kirche wurde das Konzept planerisch umgesetzt. Studentische Ideen und ein Workshop mit der Lenkungsgruppe Altendorf legten schließlich die Planungsgrundlage fest.
Inzwischen ist der Platz multifunktional gestaltet und für verschiedenste Ansprüche nutzbar. Beispielsweise kann er für Rollspiele und kleinere Feste genutzt werden. Er bietet Sitzangebote in unterschiedlichen Höhen und Gestaltungen. Die von Süden nach Norden fallende Topographie wurde für die Anlage von Stufen genutzt. Sie wirken als trennende als auch verbindende Elemente. Baumreihen fassen den mit Platten belegten zentralen Stadtplatz. Markante Bäume wurden erhalten und in die Platzgestaltung integriert. Nördlich grenzt ein grüner Platz mit Spielwiese, Wasser- und Sandspiel an. Den südlichen Abschluss bildet ein Platz mit wassergebundener Decke mit einzelnen Spielelementen und Sitzbänken.
Über eine sogenannte PPP-Maßnahme (Public Private Partnership) konnte das Lichtkonzept umgesetzt werden. Die Installation wurde von der Stadt, die Betriebskosten durch die Kirche übernommen. Der umgestaltete Freiraum zeichnet sich durch seine vielseitigen Bereiche aus, die meist von Kleinkindern, Jugendlichen und Senioren genutzt werden. Der Kirchenvorplatz wird auch von den Kindern und Jugendlichen der benachbarten Schule intensiv als Aufenthaltsbereich genutzt.
Der Christuskirchplatz wurde durchgängig über die Straßenräume hinweg neu gestaltet. Es entstand ein Platz mit urbanem, parkartigem Charakter. Straßenräume trennen nicht mehr, sondern schaffen eine Verbindung der Wohngebäude zu den angrenzenden Freiräumen. An der Ostseite wurde der Platz wieder für den Durchgangsverkehr geöffnet.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1998 | Bestandanalyse der Freiflächensituation im Quartier; Definition von Einzelmaßnahmen zur Aufwertung des Stadtquartiers; Erstellung eines Handlungskonzepts |
| 2001 | Anwohnerversammlungen und aktivierende Befragung |
| 2001 | erste studentische Entwürfe |
| 2001-2003 | Planungsentwürfe, Workshop der Lenkungsgruppe, Lichtplanung |
| 2004 | Beschluss der Bezirksvertretung und des Rates der Stadt Essen |
| 2004 | Informationsveranstaltung für die Bürger |
| 2005 | Baubeginn |
| 2006 | Baustellenfest auf dem fertigen Kirchenvorplatz |
| 2007 | Bauende und Einweihungsfest |

Foto: Dip-.-Ing. Helmut Fox, Büro für Freiraumplanung

Foto: Dip-.-Ing. Helmut Fox, Büro für Freiraumplanung

Foto: Stadtteilbüro Essen-Altendorf
Mit der Umgestaltung des Platzes an der Christuskirche wurde ein neues Zentrum für den Stadtteil Altendorf und urbaner Raum für verschiedenste Ansprüche und Altersgruppen geschaffen. Durch Rückbaumaßnahmen und die starke Auslichtung von Gehölzen sowie durch die Umsetzung des Lichtkonzeptes ist es gelungen die Platzflächen offen zu gestalten. Mit Hilfe des neu geschaffenen übersichtlichen Raumgefüges konnte das ehemalige Unsicherheitsgefühl der Bewohner aufgelöst werden.
Nicht zuletzt ist es der Beteiligungskultur vor Ort zu verdanken, dass ein Platz von hoher gestalterischer Qualität mit einem offenen, gemischten Angebot für alle Generationen entstanden ist.
Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 45143 - Ort: Essen - Straße: Röntgenstraße 13 .
Datensatz eingestellt am 06.11.2008 vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), zuletzt geändert 17.08.2009
gedruckt am: Donnerstag, 17. Mai 2012
Werkstatt-Stadt Link: <http://werkstatt-stadt.de/de/projekte/170/>