Mit bürgerlichem Engagement von der Brachfläche zum Park
(Brandenburg)

Foto: B.B.S.M. mbh, Potsdam
Die „Schiebefläche“ liegt östlich vom Zentrum der Stadt Vetschau (9.200 EW), zwischen zwei industriell errichteten Wohnkomplexen. Sie verdankt ihren Namen ihrer ehemaligen Funktion als Erd- und Baustofflager. Die rund 4 ha große Fläche war von zahlreichen Aufschüttungen und einer entsprechenden Vegetation geprägt.
Leitmotive der Planung waren die enge Einbindung der künftigen Nutzer, eine funktionale Gestaltung im Bereich der Freianlagen unter weitestgehendem Erhalt der vorhandenen Vegetation. Nicht zuletzt sollten die Kosten, gegenüber den ersten Planungsideen, deutlich reduziert werden.
Die Gestaltung des Bürgerparks und die Aufwertung eines angrenzenden Schulstandorts wurden als eines von 11 Stadtumbau-Modellprojekten durch das Land Brandenburg gefördert. Zu dem Bildungs- und Freizeitkomplex zählt auch eine im Passivhausstandard neu errichtete Solarsporthalle.

Foto: B.B.S.M. mbh, Potsdam
Im Zuge der Ideenfindung für die so genannte „Schiebefläche“ hat die Stadt Vetschau ein Werkstattverfahren über Planinhalte und deren Ausgestaltung durchgeführt. Das Verfahren fand im März und April 2004 unter Beteiligung von drei Planungsduos, bestehend aus je einem Landschaftsarchitekten und einem Künstler statt. An den insgesamt drei Werkstattterminen wirkten Schüler und Schulleiter, Vertreter des Brandenburgischen Ministeriums für Infrastruktur und Raumordnung, der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus (BTU) und der Stadtverwaltung Vetschau mit. Konzipiert und koordiniert wurde das Verfahren durch die Brandenburgische Beratungsgesellschaft für Stadterneuerung und Modernisierung mbH (B.B.S.M.). Jugendliche dokumentierten das Verfahren in einem Filmprojekt.
Durch die intensive Beteiligung mit Schülern, Senioren und weiteren Nutzern während des Planungs- und Umsetzungsprozesses und durch das Einschalten des Naturschutzbund e.V. (NABU) sowie des Biosphärenreservates Spreewald e.V. hat sich das Verständnis für eine naturnahe Gestaltung der Fläche gewandelt.
Mit dem erarbeiteten planerischen Konzept konnte während der Umsetzung ein Großteil der vorhandenen Vegetation erhalten werden. Ebenso wurden bauliche Maßnahmen weitestgehend reduziert. Die zukünftigen Nutzer bevorzugten eine einfache, naturnahe Gestaltung von Wegeflächen und Aufenthaltsbereichen. Dadurch konnten die Gesamtkosten auf unter 100.000 Euro reduziert werden. Für den ursprünglich geplanten aufwändig gestalteten Stadtpark waren 1,4 Mio. Euro veranschlagt.
Durch die Umgestaltung der Fläche wurden nicht nur zwei angrenzende Quartiere nachhaltig aufgewertet. Von besonderer Bedeutung sind dabei die in den Park integrierten Kunstobjekte, wie die Baumskulptur „Trilogie Sanduhr“, eine aus einem Baumstamm geformte Bank im Birkenhain und die von Schülern umgestaltete Rundbank.
Zugleich wurde eine hohe Identifikation der Vetschauer mit dem Park erzielt. Dies spiegelt sich in der intensiven Aneignung der „Schiebfläche“ wider. Nicht zuletzt helfen die gemeinsam durch Stadt, Schulen und Seniorenbeirat durchgeführten Aktionstage und Pflegepatenschaften, die Kosten für die Unterhaltung des Bürgerparks zu reduzieren.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| November 2002 | Beginn erster Planungen |
| ab Oktober 2003 | Neuausrichtung des Projekts im Rahmen eines Werkstattverfahrens; anschließend Neuplanung |
| April 2006 | Baubeginn |
| Juni 2007 | Einweihung |

Foto: B.B.S.M. mbh, Potsdam

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Das Vetschauer Modellprojekt verbindet wichtige Aspekte der nachhaltigen Stadtentwicklung. Es ist beispielhaft für ein kostensparendes und ökologisches Planen und Bauen bei der Neugestaltung von Freiflächen.
Trotz niedriger Kosten ist die "Schiebefläche" zu einer Freifläche mit hoher gestalterischer und funktionaler Qualität geworden. Schließlich ist auch die intensive Einbindung der Bürger bei der Planung, der baulichen Umsetzung und der zukünftigen Unterhaltung der Freifläche vorbildlich.

Foto: B.B.S.M. mbh, Potsdam
Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 03226 - Ort: Vetschau - Straße: Kraftwerkstraße (gegenüber Haus Nr. 2).
Datensatz eingestellt am 01.09.2008 vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR).
Letzte Änderung: 17.08.2009