Werkstatt-Stadt
 

Umnutzung einer "Kinderkombination" zu einem Bürgerhaus

Neuruppin-Südstadt WK I-III „Bürgerhaus Krümelkiste“

(Brandenburg)

Kontext

Bild: typischer Blockinnenhof im Stadtteil

Quelle: plan zwei, Hannover

Der Neuruppiner Wohnkomplex I-III (WK I-III) ist in industrieller Bauweise in den 1970er und 1980er Jahren südlich der historischen Altstadt entstanden. Er ist durch eine überwiegend fünfgeschossige Bebauung in Zeilenbauweise geprägt. Das Gebiet umfasst 4.500 Wohneinheiten, in denen ca. 10.000 Einwohner leben. Es ist mit einem Ärztehaus und einem großen Einkaufszentrum (REIZ) ausgestattet.

Da das Gebiet über ein einseitiges Wohnungsangebot verfügt (80% 2-3-Raum-Wohnungen), verließen im Laufe der Jahre viele Besserverdienende mit Kindern den Stadtteil. Der Anteil von Beziehern mit Transfereinkommen (Arbeitslosengeld I und II) und Alleinerziehende, insbesondere Frauen, nahm kontinuierlich zu. Die Folge war die Veränderung der vormals heterogenen Bewohnerstruktur. Die Anforderungen z.B. an öffentliche Kindereinrichtungen veränderten sich aufgrund des demografischen Wandels und rückgängiger Kinderzahlen grundlegend. So wurde die ehemalige "Kinderkombination" im WK III aus Mangel an Anmeldungen geschlossen.

1999 wurde der Stadtteil in das Städtebauförderprogramm des Bundes und der Länder „Soziale Stadt“ aufgenommen. Seither wurde eine Vielzahl von Wohnumfeldverbesserungen in Kooperation mit drei Wohnungsunternehmen und unter Beteiligung der Bewohnerschaft realisiert.

 

Projektbeschreibung

Bild: Eingangssituation mit Vorplatz am Bürgerhaus Krümelkiste

Quelle: Stadtteilbüro in der "Krümmelkiste"

Aufgrund rückgängiger Kinderzahlen im Quartier ist die Kindergarteneinrichtung stetig verkleinert worden. Gleichzeitig sind seit 1995 Einrichtungen verschiedenste Träger ins Haus eingezogen, die den Betrieb des Kindergartens nicht beeinträchtigten. Drei Jahre später legten der Internationale Bund e.V. sowie die Jugendhilfe Nordwest Brandenburg (JNWB), die bereits Räume in der Krümelkiste nutzten, dem Land Brandenburg ein Konzept für die nicht mehr benötigten ca. 2.000 qm Nutzfläche der ehemaligen Kinderkombination vor. Es sah die Umnutzung zum Bürgerhaus "Krümelkiste" als neuen Mittelpunkt im Stadtteil vor und sollte ein „Haus für alle“ mit Beratung, Bildung, Jugendhilfe, Stadteilbüro und Bürgercafé werden.

Als Schlüsselprojekt des Förderprogramms „Soziale Stadt“ ist das Haus seit 2002 zum Bürgerhaus für den gesamten Stadtteil umgebaut und saniert worden. Die Sanierung des Gebäudes erfolgte gemäß den Wünschen und Anforderungen der künftigen Nutzer.

Mit Abschluss der Gebäudesanierung im Jahr 2006 ist im Erdgeschoss ein Anwohnertreff entstanden. Die Jugendhilfe Nordwestbrandenburg hat geräumige Werkstätten für ihre Station „Jugend, Umwelt, Technik“ eingerichtet. Ein Arbeitslosenservice ist mit seinen Angeboten in die Krümelkiste umgezogen. Die Arbeiterwohlfahrt bietet Beratungen an und die Initiative Jugendarbeit Neuruppin bildet Lehrlinge im Bereich Gastronomie aus. Das Stadtteilbüro, das den Sanierungsprozess moderierte und organisierte, hat sein Büro in der Krümelkiste neben der Freiwilligenagentur Neuruppin. Die inhaltliche und organisatorische Mehrgenerationenarbeit ist beim Frauen- und Familienzentrum angesiedelt. Die „Krümmelkiste“ ist zu einem Ort der Begegnung für alle Generationen geworden. Darüber hinaus konnte sie zum Ort für Bildung und Beratung entwickelt werden.

Mit der Fertigstellung der Außenanlagen im Herbst 2007 ist die Sanierung und Umwandlung des Hauses von der Kita zum Bürgerhaus abgeschlossen. Damit steht ein Bürgerhaus mit vielfältigen Angeboten für alle Zielgruppen im Stadtteil Verfügung. Nach einjährigem Betrieb in den neuen Räumen zeigt die hohe Akzeptanz der Krümelkiste bei den Bewohnern des Quartiers, wie wichtig ein solches Bürgerhaus im Stadtteil ist.

Die Umbaukosten von 1,9 Millionen Euro sind zu jeweils einem Drittel vom Bund, vom Land Brandenburg und von der Stadt getragen worden. Das Gebäude befindet sich im Besitz der Fontanestadt Neuruppin und wird von den Nutzern weitgehend selbst verwaltet. Die einzelnen Trägervereine bleiben unabhängig, besitzen einzelne Nutzungsverträge und zahlen jeweils Bewirtschaftungskosten und eine Instandhaltungsrücklage. Der Internationale Bund e.V. übernimmt dabei die Funktion eines Hausmeisters.

 

Projektchronologie

Jahr Ereignis
bis 1994 Nutzung des Gebäudes als Kinderkombination mit Kindergarten, Krabbelgruppen und Hort
1995 Stetige Verkleinerung des Kindergartens; kindergartenverträgliche Einrichtungen ziehen ein
1998 Vorlage des Konzeptes „Haus der Vereine“ beim Land Brandenburg
2000 Die „Krümelkiste“ wird als Schlüsselprojekt im Rahmen der „Sozialen Stadt“ gefördert
2002 Beginn des Umbaus zum Bürgerhaus
2006 Abschluss der Gebäudesanierung
2007 Die „Krümelkiste“ wird Mehrgenerationenhaus
Herbst 2007 Fertigstellung der Außenanlagen
 

Ziele

  • Schaffung eines Ortes der Begegnung für alle Generationen
  • Schaffung eines Zentrums für Bildung und Beratung
  • Realisierung eines qualitätvollen Umbaus und gestalterische Aufwertung des Quartiers
  • Etablierung des Bürgerhauses als neuen Mittelpunkt im Stadtteil
 

Maßnahmen

Bild: Terrasse des Bürgerhauses Krümelkiste

Quelle: plan zwei, Hannover

  • Umbau und Sanierung einer ehemaligen Kinderkombination zum Bürgerhaus „Krümelkiste“
  • Begleitung der Maßnahmen durch das Stadtteilbüro
  • Integration von Ausbildungsprojekten
  • Berücksichtigung der Wünsche und Anforderungen der zukünftigen Nutzer
 

Innovationen

Bild: Aussengelände des Bürgerhauses Krümelkiste

Quelle: Stadtteilbüro in der "Krümmelkiste"

In dem Projekt verbindet sich der Erhalt eines Gebäudes in einer Plattenbausiedlung mit dem Umbau zu einem „Haus für alle“ mit quartiersbezogenen Nutzungen. Schließlich ist das Stadtquartier durch den Umbau gestalterisch aufgewertet worden und trägt zur Identifikation mit dem Stadtquartier bei.

Mit der Einrichtung konnte die Stärkung des Quartiersimages in der Stadt Neuruppin erreicht werden. Durch die gemeinschaftliche Projektvorbereitung und Nutzung in Selbstverwaltung in Kooperation von Bürgern, den Trägern und der Stadtverwaltung wirkt das Projekt auch nach innen stabilisierend.

 

Quellen

  • Interviewtermin mit Frau Böhme, Leiterin des Mehrgenerationenhauses, Frauen- und Familienzentrum; Frau Hinze, Leiterin des Schulamtes; Herrn Maars, Stadtplanungsamt und Herrn Frinken, Stadtteilbüro am 7. Juni 2007 in Neuruppin
  • Fontanestadt Neuruppin: Wohnumfeldverbesserung Südstadt WK I-III, 1993 – 2006, Ergebnisse. Neuruppin, 2007
 

Weiterführendes

  • Flyer Mehrgenerationenhaus Krümelkiste. Ihr Treffpunkt im Neubaugebiet WK I-III in der Fontanestadt Neuruppin. Neuruppin 2007
  • Märkische Allgemeine: „Treffpunkt Krümelkiste. Wie aus einer Plattenbau-Kita ein Begegnungszentrum wurde.“ 30.09.2006, http://www.maerkischeallgemeine.de
  • Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung: Initiative Architektur und Baukultur: Baukultur in Städten und Gemeinden. Eine Projektsammlung. Bonn, 2004
  • http://www.nipp.brandenburg.de
  • Das Programm "Soziale Stadt" wurde 1999 gestartet, um der zunehmenden sozialen und räumlichen Spaltung in den Städten entgegenzuwirken. Durch das Programm werden in deutschen Städten und Gemeinden neue Herangehensweisen in der Stadtteilentwicklung gefördert. Weitere Informationen unter: http://www.sozialestadt.de/programm/

Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 16816 - Ort: Neuruppin - Straße: Otto-Grotewohl-Straße 1a.

 

Akteure

  • Matthias Frinken, Stadtteilbüro in der „Krümelkiste“, Otto-Grotewohl-Straße 1a, 16816 Neuruppin, E-Mail: frinken.plankontor-hh@snafu.de, Tel.: ++49 (0)3391 – 510407
  • Gudrun Hinze, Stadtverwaltung Neuruppin, Leiterin Schulamt, E-Mail: gudrun.hinze@stadtneuruppin.de, Tel.: ++49 (0)3391 - 355-690
  • Rosemarie Böhme, Leiterin Mehrgenerationenhaus Krümelkiste, Otto-Grotewohl-Straße 1a, 16816 Neuruppin, E-Mail: ffz.nrp@web.de, Tel.:++49 (0)3391 - 3201
 

Datensatz eingestellt am 19.08.2008 vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR).

Letzte Änderung: 17.08.2009