Projekt aus der Datenbank Werkstatt-Stadt
Älter werden im „Bremer Haus“
(Bremen)

Quelle: Weeber+Partner
Das Quartier Buntentor liegt im Stadtteil Neustadt am linken Weserufer der Stadt Bremen (547.000 EW). Der Stadtteil hat sich als typische alte Vorstadt entwickelt. Das Quartier Buntentor ist durch eine hohe bauliche Dichte, eine vielfältige Mischung von Wohnen und Gewerbe und eine kleinteilige Versorgung mit Geschäften und Dienstleistungen gekennzeichnet. Dort befinden sich ein kleiner Park und mehrere Gewässer. Der Friedhof Buntentor wird meist von älteren Menschen auch als Park genutzt.
Der Stadtteil ist mit Straßenbahn und Buslinien gut erschlossen. Aber auch das Fahrrrad ist für ältere Menschen im Quartier ein wichtiges Verkehrsmittel.
Die Bebauung ist durch eine homogene mehrgeschossige Blockrandbebauung geprägt. Das "Bremer Haus" ist gekennzeichnet durch die Reihenbebauung. Die Wohneinheiten sind jeweils über mehrere Ebenen verteilt. Die kleinen aber hohen Räume bedingen steile Innentreppen mit schmalen Tritten. Im Vergleich zu anderen Altbauquartieren gibt es einen hohen Anteil an Eigentümern, die dort seit vielen Jahrzehnten leben. Zu den Häusern gehören in der Regel mehr oder weniger große Höfe, teilweise mit Gärten und Vorgärten.
Die Qualitäten des direkten Wohnumfelds waren durch fließenden und ruhenden Verkehr (Gehwegparken) insbesondere in den schmalen Wohnstraßen eingeschränkt.
Das Projekt wurde in den Jahren von 1989 bis 1992 als Modellvorhaben im Forschungsfeld „Ältere Menschen und ihr Wohnquartier“ im Bundesforschungsprogramm „Experimenteller Wohnungs- und Städtebau“ (ExWoSt) gefördert und ausgewertet.

Quelle: Weeber+Partner
Um die Wohnsituation insbesondere für ältere Menschen zu verbessern wurden Beratungen und Anpassungsmaßnahmen durchgeführt. In einem Ladengeschäft wurde eine Wohnberatungsstelle eingerichtet. Diese bot zwei Jahre lang Beratung durch eine Architektin und eine Sozialarbeiterin. Sie informierte u.a. auch durch Hausbesuche über Fördermöglichkeiten und erarbeitete individuelle Baulösungen. Selbst bei der Klärung der Finanzierung und beim Erkennen weiter gehender Beratungs- und Betreuungsbedarfe wurde geholfen. Schließlich begleitete das Team auch die Anpassungsmaßnahmen.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Gestaltung des Wohnumfelds. Zu den Maßnahmen gehörten die Umgestaltung öffentlicher Plätze und Grünanlagen sowie die Schaffung von Sitzgelegenheiten in Verbindung mit Grünflächen im Straßenraum. Gehwege wurden verbreitert und der ruhende Verkehr neu geregelt. Schließlich wurden zusätzliche ampelgesicherte Fußgängerüberwege erstellt.
Handlungsbedarf zeigte sich im Blick auf soziale und pflegerische Dienste und spezifische Wohnangebote für ältere Menschen, die nicht mehr in der angestammten Wohnung leben konnten. Darum entstand bereits 1993 die Servicewohnanlage und Begegnungsstätte Buntentor. Sie befindet sich in direkter Nachbarschaft zu einer ehemaligen Brauerei mit neuen Nutzungen wie Städtische Galerie und Junges Theater. Die Bewohner der Wohnanlage werden durch die Arbeiterwohlfahrt (AWO) ambulant betreut. Dort befinden sich auch weitere Serviceangebote wie Nachbarschaftshilfe, Mittagstisch und Notruf für Bewohner. Schließlich ist auch eine öffentliche Begegnungsstätte mit einem reichhaltigen Programmangebot und Sprechstunden der AWO integriert. Die AWO ist auch Träger eines Dienstleistungszentrums im Stadtteil Neustadt. Neben Beratung und Betreuung wird auch die Vermittlung von Nachbarschaftshilfen für hauswirtschaftliche Tätigkeiten angeboten.
Ein attraktives neues Wohnquartier an der Kleinen Weser und der Bau des Beginenhofs (2001/02) sind weitere Beiträge dazu, die Potenziale des Quartiers zu entfalten.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1988-1991 | vorbereitende Untersuchungen |
| 1989 | förmliche Festlegung des Sanierungsgebiets |
| 1990-1992 | ExWoSt- Modellvorhaben im Forschungsfeld "Ältere Menschen und ihr Wohnquartier" |
| 1993 | Servicewohnanlage und Begegnungsstätte Buntentor |
| 2002 | Fertigstellung des Beginenhofs |

Quelle: Weeber+Partner

Quelle: Weeber+Partner

Quelle: Weeber+Partner
Durch das Modellvorhaben wurden diverse Aufgaben im Zusammenhang mit dem Leben im Alter aufgegriffen, die inzwischen in den Altenplan der Stadtgemeinde Bremen und in die allgemeine Praxis eingegangen sind. Dies gilt für die Bündelung von Aufgaben im Amt für Soziale Dienste, für Wohnen mit Service und besonders für Wohnberatung, Wohnungsanpassung und Barrierefreiheit. Im Modellvorhaben hatte sich der Quartiersbezug für Wohnberatung als zu kleinräumig erwiesen. Daher wurde 2003 in einem weiteren Quartier die Beratungsstelle für barrierefreies Bauen und Wohnen kom.fort mit barrierefreier Musterwohnung eingerichtet. 2005 hat der gemeinnützige Verein kom.fort.e.V. die Trägerschaft übernommen. Die Angebote wie Wohnungs-Check, Beratung und Fortbildung wurden durch ältere, behinderte Menschen und deren Angehörige nachgefragt. Aber auch Verbände, Krankenhäuser, Einrichtungen der Krankenpflegeausbildung etc. nehmen die Angebote gerne an.
Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 28201 - Ort: Bremen - Straße: Buntentorsteinweg 104/114.
Datensatz eingestellt am 11.12.2007 vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), zuletzt geändert 12.08.2008
gedruckt am: Donnerstag, 17. Mai 2012
Werkstatt-Stadt Link: <http://werkstatt-stadt.de/de/projekte/159/>