Umgestaltung freigeräumter Flächen einer ehemaligen Kaufhalle
(Brandenburg)

Quelle: Plankontor GmbH
Ein Schwerpunkt der Neuruppiner Stadtentwicklung ist die Wohnumfeldverbesserung im Plattenbaugebiet Wohnkomplex I-III im Rahmen der Städtebauförderung. Dort leben etwa 10.000 Menschen, fast ein Drittel der Neuruppiner Bevölkerung (EW 32.000).
Das Gebiet liegt südlich der historischen Altstadt und umfasst 4.500 Wohneinheiten in drei Bauabschnitten. Der Wohnungsleerstand ist niedrig und stabil bei etwa 3%. Das täuscht jedoch über schwierige soziale Strukturen hinweg, die im Zuge von Segregationsprozessen entstehen und sich weiter verschärfen. Viele Besserverdienende verlassen den Stadtteil, da das Gebiet ein einseitiges Wohnungsangebot hat (80% 2-3-Raum-Wohnungen).
In den zurückliegenden Jahren konnte eine Vielzahl von Wohnumfeldverbesserungen in Kooperation mit den drei Wohnungsunternehmen und mit guter Resonanz in der Bevölkerung realisiert werden. Besondere Bedeutung für die Lebensqualität hat die Umgestaltung und Öffnung der Schulhofbereiche. Eine ehemalige Kindertagesstätte wird zu einem Stadtteilhaus "Krümelkiste" umgenutzt. Ausgangspunkt für die Einbeziehung der Hofbereiche in die Wohnumfeldverbesserung war die Vorplanung durch das Büro plankontor GmbH auf Basis des vorliegenden Rahmenplans.

Quelle: Plankontor GmbH
Ein besonderer städtebaulicher Missstand im Gebiet sind Bereiche ehemaliger und zum großen Teil leer stehender Kaufhallen. Der bauliche Zustand lässt eine wirtschaftliche Nachnutzung der Kaufhallen kaum zu. Die Vermarktungsbemühungen der TLG IMMOBILIEN GmbH als Eigentümerin der Kaufhalle waren ohne Erfolg geblieben. Zudem wären Nachfolgenutzungen auf Grund der baulichen Dichte in diesem Bereich vermutlich zu einem Störfaktor für das Wohnumfeld geworden. Die Umgebung der Kaufhalle war nahezu vollständig versiegelt, bis auf kleinere private Hofflächen im Bereich des umgebenden Wohnungsbestandes der Neuruppiner Wohnungsbaugesellschaft (NWG). Ungeordnetes Parken und fehlende Gestaltung prägten das Gesamtbild. Als Wohnumfeld nutzbare qualitätvolle Flächen waren nicht ausreichend vorhanden.
Im Rahmen der Vorplanung wurde eine Bewohnerbeteiligung durchgeführt, die den Wunsch nach einer gemeinsamen Fläche für Aufenthalt und Kommunikation deutlich machte. Die Stadt konnte den Kauf jedoch nicht aus eigenen Mitteln finanzieren. Im Jahre 2002 entschloss sich die Neuruppiner Wohnungsbaugesellschaft (NWG) zum Kauf des Grundstücks mit dem Ziel, die Wohnumfeldgestaltung zu realisieren. Im Herbst 2003 wurde die Kaufhalle zwischen F.-Maecker-Straße und Junckerstraße abgerissen. Sie stand seit Jahren leer und wies erhebliche Schäden auf.
Der Abriss wurde als Ordnungsmaßnahme zu 80 % aus dem Städtebauförderprogramm „Weiterentwicklung der Großen Neubaugebiete in den neuen Bundesländern“ gefördert. Ebenfalls aus diesem Programm wurde die Ausführung der Grünflächengestaltung unterstützt.
Nach dem Abbruch der alten Kaufhalle entstand ein Freiraum in Ergänzung zu bereits abgeschlossenen Gestaltungsmaßnahmen in den angrenzenden Wohnhöfen. Er bietet den Anwohnern eine großzügige Rasenfläche. Ergänzend angelegt wurde, in Hinsicht auf die vorwiegend ältere Bewohnerschaft, eine Bahn für Boule/Boccia. Etwaige Hemmschwellen für die Nutzung sollen in Kürze im Rahmen eines Mieterfestes abgebaut werden. Neue Wäschetrockenplätze werden bereits intensiv genutzt.
Darüber hinaus ist mit der Errichtung neuer Stellplätze der ruhende Verkehr im Wohngebiet neu geordnet. Wegeverbindungen wurden ergänzt und vervollständigt. Große Findlinge und Kirschbäume begrenzen eine platzartige Fläche mit Bänken.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1998 | Leerstand der Kaufhalle im Wohnkomplex I |
| 1999 | Vorplanung mit Bürgerbeteiligung zur Hofneugestaltung |
| 2002 | Erwerb der Kaufhallenfläche durch die Neuruppiner Wohnungsbaugesellschaft NWG |
| 2003 | Abriss der Kaufhalle |
| 2005 | Umnutzung und Gestaltung der freigeräumten Fläche zur Grünfläche |

Quelle: Plankontor GmbH

Quelle: Plankontor GmbH
Im Rahmen des Projektes wurde die Bewohnerschaft der angrenzenden Wohnungen frühzeitig beteiligt. Ihre Wünsche wurden zur Grundlage der Planungen. Durch das Engagement einer Wohnungsbaugesellschaft wurde eine Brache für die Öffentlichkeit nutzbar gemacht.
Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 16816 - Ort: Neuruppin - Straße: Franz-Maecker-Strasse/Junckerstraße.
Datensatz eingestellt am 14.03.2007 vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR).
Letzte Änderung: 24.08.2010