Kunstintervention auf Brachflächen
(Sachsen)

Foto: Manfred Fuhrich, BBSR im BBR
Der im Westen der Stadt Leipzig (EW 505.000) gelegene Stadtteil Lindenau war Jahrzehnte lang ein beliebter Wohnstandort. Trotz positiver Entwicklungstendenzen weist der Stadtteil heute noch immer Strukturprobleme aufgrund von hoher Arbeitslosigkeit und erheblichen Gebäudeleerständen auf. Entlang der Kuhturmstraße wurde 2000 die ruinöse, eingeschossige Bebauung abgerissen, um neben einer verbesserten Verkehrsanbindung attraktivere Voraussetzungen für den Neubau eines Einkaufszentrums zu schaffen. Aufgrund zurückhaltender Investitionstätigkeiten ist die geplante Wiederbebauung auf diesen Flächen bisher jedoch nicht erfolgt. In dieser Situation wurde das Projekt „stadthalten“ ins Leben gerufen, um eine stadträumliche Aufwertung des Standortes bis zu einer möglichen Wiederbebauung zu erreichen.

Foto: Manfred Fuhrich, BBSR im BBR
Zusammen mit dem Verein „Leipziger Jahresausstellung e.V.“ entwickelte die Stadt Leipzig im Jahr 2001 die Idee, brachliegende Grundstücke im Umfeld des Lindenauer Marktes künstlerisch zu inszenieren. Um eine größtmögliche Wahrnehmbarkeit zu erzielen, entschied man sich, die Maßnahmen räumlich auf das Stadtteilzentrum entlang der Kuhturmstraße und des Lindenauer Marktes zu konzentrieren.
In einer öffentlichen Auslobung wurden Künstler und weitere Interessierte aufgefordert, Beiträge für die zur Verfügung stehenden Flächen und Giebelwände zu entwerfen. Die Flächen sollten für zunächst sechs Monate inszeniert werden, wobei diese Inszenierungen einer möglichen Bebauung der Grundstücke nicht widersprechen sollten. Über Gestattungsvereinbarungen, die die Gestaltung und öffentliche Nutzung von brachliegenden Privatgrundstücken mit finanzieller Unterstützung der Stadt ermöglichen, können für einen befristeten Zeitraum „Begrünungen“ durchgeführt werden. Das bestehende Baurecht bleibt erhalten.
Eine Jury wählte aus 55 eingereichten Beiträgen 10 Arbeiten zur Realisierung aus. Für die Auswahl entscheidend waren u.a. die Herstellung eines lokalen Bezugs sowie die aktive Einbindung ansässiger Bewohner und anderer lokaler Akteure. Im Sommer 2002 wurden zunächst sieben der zehn künstlerischen Interventionen in ein räumlich-funktionales Konzept eingebettet, das auch ohne Kunstaktionen tragfähig gewesen wäre. Aufgrund der positiven Resonanz hat ein Teil der errichteten Installationen immer noch Bestand. Im Sommer 2003 wandelte sich „stadthalten“ in „Stadtgang“, bei dem die „Kollektion Lindenau“ als achter Beitrag eröffnet wurde. Den Anerkennung des Projektes wurde durch die Auszeichnung mit dem Städtebausonderpreis 2004 gekrönt, der dem Thema „temporäre Nutzungen für urbane Räume“ gewidmet war.
Die Vorbereitung und Projektbegleitung konnten mit „URBAN II“-Fördergeldern, die bauliche Umsetzung des Rahmenkonzeptes mit Städtebaufördermitteln finanziert werden. Die künstlerischen Beiträge wurden mit Sponsorengeldern realisiert. Die Unterhaltung der noch vorhandenen Installationen erfolgt durch die Eigentümer.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 2002 | Künstlerwettbewerb, Eröffnung mit sieben realisierten Projekten |
| 2002 | 2. Platz beim EUROCITIES AWARD zum Thema „Kultur als beförderndes Instrument der Stadtentwicklung“ |
| 2003 | Stadtteilfest, Eröffnung des Folgeprojektes „Stadtgang“ |
| 2003 | Umsetzung 8. Wettbewerbsbeitrag |
| 2004 | Auszeichnung mit dem Städtebausonderpreis „temporäre Nutzungen für urbane Räume“ |
| 2004 | Folgeprojekt „HausHalten“ (weitere Infos unter http://www.haushalten.org) |

Quelle: C. Eisler, Stadt Leipzig
Baulücken und Brachflächen werden durch künstlerische Inszenierungen wieder in das öffentliche Bewusstsein gerückt. Somit entstehen Orte, die in den öffentlichen Stadtraum reintegriert sind, an denen man sich trifft oder über die man spricht.
Das Folgeprojekt „Haushalten“ zieht seither junge Leute in den Stadtteil. Es entstehen Ateliers, Galerien, Projekträume und spiezielle Kneipen.
Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 04177 - Ort: Leipzig - Straße: Kuhturmstraße 1.
Datensatz eingestellt am 17.01.2006 vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR).
Letzte Änderung: 16.02.2009