Werkstatt-Stadt
 

Revitalisierung eines Hafenstandortes

Hamburg „Harburger Binnenhafen“

(Hamburg)

Kontext

Bild: Fleethaus mit Silo im Hintergrund

Foto: channel hamburg e.v.

Der Harburger Binnenhafen nördlich der Harburger Innenstadt wird durch die Süderelbe und zwei Bahnlinien begrenzt. Die nördlichen und westlichen Bereiche werden gewerblich-industriell bzw. hafenwirtschaftlich genutzt. Das übrige Gebiet weist teilweise noch historische Bausubstanz auf, die renoviert und neugenutzt wird.

Im Zuge des hafenwirtschaftlichen Strukturwandels hatte der Harburger Binnenhafen gegenüber dem größeren Hamburger Hafen frühzeitig an Bedeutung verloren. Vor diesem Hintergrund zielt der Revitalisierungsansatz darauf, den Binnenhafen unter Erhalt und Weiterentwicklung vielfältiger Nutzungs- und Baustrukturen zu einem Stadtteil mit eigener stadträumlicher Identität zu entwickeln.

Der Strukturwandel hat Veränderungen ausgelöst, die neue Formen des Nebeneinanders von Arbeitsstätten in Industrie, Hafennutzung, Dienstleistung und Forschung sowie von Wohn- und Freizeitnutzungen ermöglichen. Dadurch erlangt der Harburger Binnenhafen neue Standortqualitäten und Ausstrahlung.

 

Projektbeschreibung

Bild: Neubebauung am Harburger Hafen

Foto: Bernd Breuer, BBSR im BBR

Das Projektgebiet so wie es im Rahmenkonzept Harburger Binnenhafen 2011 dargestellt ist, hat mit Wasserflächen eine Größe von 131 ha. Es zeichnet sich durch eine zentrale Verkehrslage aus. In Teilen des Harburger Binnenhafens hatten sich aktive Hafen-, Gewerbe- und Industriebereiche erhalten, deren Entwicklung durch Institutsansiedlungen der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TU-HH) unterstützt wurde. Weiterhin finden sich im Gebiet Wohnnutzungen, Sportbootliegeplätze und -werften sowie Grünflächen.

Bereits 1990 wurde durch die Freie und Hansestadt Hamburg eine Entwicklungsplanung für den Harburger Binnenhafen mit dem Ziel angestoßen, vorhandene Nutzungspotentiale, die historischen, ökologischen, topographischen und städtebaulichen Qualitäten zu entfalten sowie den TU-Standort weiterzuentwickeln.

Bis 1993 wurde die erste Stufe der Entwicklungsplanung erarbeitet. Anschließend wurde diese Planung in einer zweiten Phase mit einem städtebaulichen Feinkonzept konkretisiert. Auf dieser Grundlage wurden Einzelmaßnahmen an verschiedenen Standorten des Gebietes in Gang gesetzt. So wurden beispielsweise ehemalige Fabrikgebäude in Bürogebäude umgenutzt. Ab 1998 folgten diverse Neubauten, Umbau und Restaurierung von Silos und Speichern. Etliche historische Gebäude wurden vollständig restauriert. Zur Verringerung des Durchgangsverkehrs wurden bereits Straßenräume umgestaltet, eine weitere Reduzierung, insbesondere des LKW-Durchgangsverkehrs wird angestrebt.

Zwischen 2001 und 2003 entstand mit dem so genannten Channel Tower ein wichtiges Impulsprojekt. Es folgten 2004 und 2005 die Revitalisierung des Silos am Schellerdamm und des Kaispeichers am Veritaskai. Diese drei Gebäude bilden die neue Skyline südlich der Elbe. Ein weiteres bedeutsames Entwicklungspotenzial findet sich zu beiden Seiten des östlichen Bahnhofskanals auf rund 14 ha ehemaligen Bahnflächen. Im Jahr 2000 wurde für dieses Teilgebiet ein Masterplan für Büros, Dienstleistung und Forschung sowie für 120 Wohneinheiten entwickelt. Auf Basis eines städtebaulichen Gutachtens sind am Kaufhauskanal ca. 160 Wohnungen geplant. Weiterhin soll der gleichnamige Industriekanal wenn möglich für Paddel- und Ruderboote zugänglich gemacht werden.

Mittlerweile hat die Entwicklung des Binnenhafens eine weit größere Dynamik entfaltet als Mitte der 1990er Jahre. Es ist ein lebendiges Stadtquartier mit einer Mischung aus alter und neuer Bausubstanz, aus traditionellen und neuen Nutzungen entstanden. Durch die Nachbarschaft zur TU-HH und die Ansiedlung der TUTech GmbH konnten viele technik- und wissenschaftsorientierte Firmen angesiedelt werden; so haben sich u.a. zehn Technologieunternehmen angesiedelt. Die Planung eines Innovationscampus der TUTech GmbH als Neubau und Revitalisierung eines für den Binnenhafen bedeutenden historischen Gebäudes setzt diese Entwicklung konsequent fort.

Zurzeit bilden rund 160 Unternehmen mit zusammen fast 6000 Mitarbeitern das CHANNEL-Netzwerk. Konzerne sind darunter, genauso wie kleine Hightech- und Telekommunikations-Unternehmen aber auch große Medien-Unternehmen oder internationale Ingenieur-Dienstleister.

Die Harburger Schloßinsel und die Hafenköpfe sind zu Beginn des Jahres 2011 aus dem Hamburger Hafengebiet entlassen worden. Das neue Stadtgebiet wird schrittweise entwickelt. Eine neue Fußgängerdrehbrücke wird die historische Verbindung von der Innenstadt durch die Harburger Schloßstraße auf die Harburger Schloßinsel wieder herstellen. Die Umgestaltung des Kanalplatzes, des Lotsekais mit der Anlage des neuen Lotseplatzes und die sanierten Kaimauern auf beiden Seiten des Lotsekanals stellen nur einen Teil der Investitionen der öffentlichen Hand dar.

Insgesamt fließen ca. 43,4 Mio. Euro Infrastrukturmittel der Freie und Hansestadt Hamburg in das neue Stadtgebiet, darin sind 5 Mio. € Städtebauförderungsmittel enthalten. Ca. 39,4 Mio. Euro sind für Investitionen in die Infrastruktur, u. a. für Brücken, Kaianlagen, Straßen und Plätze vorgesehen, weitere 4 Mio. Euro fallen für Grunderwerb, Gutachten und Sofortmaßnahmen an.

Die städtebauliche und technische Koordination der Entwicklungsmaßnahmen im Harburger Binnenhafen wird vom Dezernat Wirtschaft, Bauen und Umwelt getragen. Im Rahmen der „Begleitgruppe Harburger Binnenhafen“ beteiligen sich Investoren, Projektentwickler, Bauherren, Bürgerinnen und Bürger, Vereine, Gewerbetreibende sowie Fachbehörden an dieser Entwicklung. Zudem stellt der Harburger Binnenhafen den südlichen Bereich des Gebiets der Internationalen Bauausstellung (IBA) Hamburg GmbH dar. Aktuelle IBA-Projekte sind die Wohnungsbauvorhaben am Kaufhauskanal und auf der Harburger Schloßinsel sowie die Neuanlage des IBA-Projektes „Park auf der Schloßinsel“ als zentraler Bürgerpark, in dessen Mitte sich die Relikten des früheren Harburger Schlosses befinden. Die IBA Hamburg GmbH unterstützt damit die Ergänzung des Hafenareals mit lebendigen Wohnquartieren, die durch Grün- und Freiflächen, Gastronomie, Einzelhandel und Freizeitangebote ergänzt werden. Diese neue Mischung im gewerblichen und historischen Hafenambiente zusammen mit dem Engagement der verschiedenen Beteiligten führen zu einer veränderten Wahrnehmung des Binnenhafens in der Öffentlichkeit und zu einem ganz eigenen Image über die Grenzen Harburgs hinaus.

 

Projektchronologie

Jahr Ereignis
1990 Gründung des Mikroelektronik – Anwendungszentrums (MAZ), heute: TuTech Innovation GmbH
1990-93 Modellvorhaben im ExWoSt-Forschungsfeld "Städtebau und Wirtschaft"
1992 Städtebaulicher Rahmenplan (1. Stufe); wirtschaftliche Potentialanalyse; Beginn der Immobilienentwicklung
1993 Erhaltungssatzung (§ 172 BauGB)
1995 Rahmenplan (2.Stufe)
1998 Bau des Gebäudes "Channel I"
1999 Umbau des „ision“-Gebäudes
2000 Vereinsgründung channel harburg e.v. als Interesssenvertretung ansässiger Firmen
2002 Einweihung der "Channel Towers"
2003 Umbau und Teilergänzung des „Kaispeicher Harburg“ für Büros und Gastronomie
2004 Teilumbau des Kaispeichers am Veritaskai 1 und des Silos Schellerdamm 16 zum Bürogebäude mit Gastronomie
2005 channel hamburg ist Hauptstandort für strategische Airbus-Supplier
2006 Funktionsplan Harburger Schloßinsel
2006 Bau und Bezug der channel 9-11; IVG Immobilien AG übernimmt 8 channel Gebäude
2007 Schloßinsel wird zum IBA Projekt; Teilumbau des Fleethauses am Schellerdamm; Verkauf des Silos und Fleethauses an Pramerica
2011 Entlassung der Harburger Schloßinsel aus dem Gebiet des Hafenentwicklungsgesetzes
2011 Inkrafttreten des Bebauungsplans Harburg 67/Heimfeld 46 für große Teile des Binnenhafens
 

Ziele

Bild: Visualisierung von Neubauten am Kaufhauskanal im Harburger Binnenhafen

Quelle: BIG Bjarke Ingels Group

  • Erhalt historischer Industriearchitektur, Brücken und Denkmäler
  • Einbeziehung des Gestaltungselements Wasser
  • Städtebauliche Verbindung zu Harburger Innenstadt und Bahnhof
  • Brachflächenrevitalisierung
  • Funktionsmischung neuen Typs
  • Mischung aus Wohnen, Forschung und Lehre, Dienstleistung und Büronutzung, Arbeit und Freizeit
 

Maßnahmen

Bild: Blick in den Harburger Binnenhafen mit Silos und Neubebauung

Quelle: Monika Uhlmann, Bezirksamt Harburg

  • Wirtschaftliche Potentialanalyse
  • Städtebauliche Gutachten und Wettbewerbe
  • Städtebauliche Rahmenplanung
  • Erhaltungssatzung (§ 172 BauGB)
  • Bebauungspläne
  • Ämter übergreifende Arbeitsgremien
  • Workshops
  • Erhalt und Wiederaufbau historischer Gebäude
  • Umbau und gewerbliche Nutzung leerstehender Industriegebäude
  • Ergänzender Neubau
  • Betriebsverlagerungen und –neuansiedlungen
 

Innovationen

Bild: Harburger Hafen bei Nacht

Foto: channel hamburg e.v.

Die konsequente, verwaltungsintern abgestimmte Strategie der Revitalisierung von Brachflächen im Stadtgebiet hat sich über einen längeren Zeitraum bewährt und dazu beigetragen, ein „Bauen auf der grünen Wiese“ zu vermeiden.

Das Projekt zeichnet sich durch umfangreiche und innovative Kooperationsverfahren in Planung und Umsetzung aus. Das Ziel eines lebendigen Stadtviertels mit einer neuen Mischung aus Wohnen, Forschung und Lehre, Dienstleistung und Büronutzung, Arbeit und Freizeit wird zunehmend erlebbar.

 

Quellen

  • Harburger Binnenhafen – Baumaßnahmen und Wegeverbindungen, November 2011, zum download der PDF, 3,5MB
  • http://www.iba-hamburg.org/de/01_entwuerfe/6_projekte/projekte_schlossinsel.php
  • Denkmalwelt | Harburger Binnenhafen, Hrsg. IBA Hamburg GmbH 2009, zum download der PDF, 4,8MB
  • Hamburg: Architektur der sich wandelnden Stadt“, Hrsg. Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt in Kooperation mit der Behörde für Kultur, Sport und Medien 2010
  • Der Hafen Harburg. Schifffahrt, Handel und Hafenleute an der Süderelbe, Hrsg. K. Heinrich Altstaedt/ Rainer Maria Weiss/ Helms Museum 2011
  • BBR (Auftraggeber), FIRU GmbH (Auftragnehmer): Querauswertung von ExWoSt-Modellvorhaben zum Flächenrecycling, 2004 (unveröffentlichter Bericht)
  • Arbeitsgruppe für Regionalplanung, Endbericht zum Forschungsfeld Städtebau und Wirtschaft, Themenfeld Stadterneuerung in Gewerbegebieten, Berlin 1993
  • http://www.channel-hamburg.de
 

Weiterführendes

Auszeichnungen:

  • 2002 "Metropole Hamburg - Wachsende Stadt"
  • 2002 DIFA Award "Quartiere im städtischen Kontext" (Endrunde)
  • 2004 Ausgezeichnet als "Modell-Projekt" - Metropolregion Hamburg
  • 2004-07 EU-Projekt VISP Vitalisierung von Stadtzentren
  • 2005 Best Practice - Veröffentlichung Umweltbundesamt: "Die Zukunft liegt auf Brachflächen"
  • 2006 Platz im internationalen DIFA Award "Lebensqualität in Quartieren"(Endrunde)


Größere Kartenansicht

Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 21079 - Ort: Hamburg - Straße: Harburger Schloßstraße 36.

 

Akteure

 

Datensatz eingestellt am 01.06.2005 vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR).

Letzte Änderung: 08.03.2012