Werkstatt-Stadt
 

Revitalisierung eines Hafenstandortes

Hamburg „Harburger Binnenhafen“

(Hamburg)

Kontext

Bild: Fleethaus mit Silo im Hintergrund

Foto: channel hamburg e.v.

Der Harburger Binnenhafen nördlich der Harburger Innenstadt wird durch die Süderelbe und zwei Bahnlinien begrenzt. Die nördlichen und westlichen Bereiche werden gewerblich-industriell bzw. hafenwirtschaftlich genutzt. Das übrige Gebiet weist teilweise noch historische Bausubstanz auf, die renoviert und neugenutzt wird.

Im Zuge des hafenwirtschaftlichen Strukturwandels hatte der Harburger Binnenhafen gegenüber dem größeren Hamburger Hafen frühzeitig an Bedeutung verloren. Vor diesem Hintergrund zielt der Revitalisierungsansatz darauf, den Binnenhafen unter Erhalt und Weiterentwicklung vielfältiger Nutzungs- und Baustrukturen zu einem Stadtteil mit eigener stadträumlicher Identität zu entwickeln.

Der Strukturwandel hat Veränderungen ausgelöst, die neue Formen des Nebeneinanders von Arbeitsstätten in Industrie, Hafennutzung, Dienstleistung und Forschung sowie von Wohn- und Freizeitnutzungen ermöglichen. Dadurch erlangt der Harburger Binnenhafen neue Standortqualitäten und Ausstrahlung.

Das Projekt ist in den Jahren von 1989 bis 1993 als Modellvorhaben im Forschungsfeld „Städtebau und Wirtschaft“ im Bundesforschungsprogramm „Experimenteller Wohnungs- und Städtebau“ (ExWoSt) gefördert und ausgewertet worden.

 

Projektbeschreibung

Bild: Neubebauung am Harburger Hafen

Foto: Bernd Breuer, BBSR im BBR

Das Projektgebiet hat mit Wasserflächen eine Größe von 165 ha und zeichnet sich durch eine zentrale Verkehrslage aus. In Teilen des Harburger Binnenhafens hatten sich aktive Hafen-, Gewerbe- und Industriebereiche erhalten, deren Entwicklung durch Institutsansiedlungen der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TU-HH) unterstützt wurde. Weiterhin finden sich im Gebiet Wohnnutzungen, Sportbootliegeplätze und -werften sowie Grünflächen.

Bereits 1990 wurde durch die Freie und Hansestadt Hamburg eine Entwicklungsplanung für den Harburger Binnenhafen mit dem Ziel angestoßen, vorhandene Nutzungspotentiale, die historischen, ökologischen, topographischen und städtebaulichen Qualitäten zu entfalten sowie den TU-Standort weiterzuentwickeln.

Bis 1993 wurde die erste Stufe der Entwicklungsplanung erarbeitet. Anschließend wurde diese Planung in einer zweiten Phase mit einem städtebaulichen Feinkonzept konkretisiert. Auf dieser Grundlage wurden Einzelmaßnahmen an verschiedenen Standorten des Gebietes in Gang gesetzt. So wurden beispielsweise ehemalige Fabrikgebäude in Bürogebäude umgenutzt. Ab 1998 folgten diverse Neubauten, Umbau und Restaurierung von Silos und Speichern. Etliche historischer Gebäude wurde vollständig restauriert. Zur Verringerung des Durchgangsverkehrs wurden Straßenräume umgestaltet.

Zwischen 2001 und 2003 entstand mit dem so genannten Channel Tower ein wichtiges Impulsprojekt. Es folgten 2004 und 2005 die Revitalisierung des Silos am Schellerdamm und des Kaispeichers am Veritaskai. Diese drei Gebäude bilden die neue Skyline südlich der Elbe. Ein weiteres bedeutsames Entwicklungspotenzial findet sich zu beiden Seiten des östlichen Bahnhofskanals auf rund 14 ha ehemaligen Bahnflächen. Im Jahr 2000 wurde für dieses Teilgebiet ein Masterplan für Büros, Dienstleistung und Forschung sowie für 150 Wohneinheiten entwickelt. Auf Basis eines städtebaulichen Gutachtens sind am Kaufhauskanal 77 Wohnungen geplant. Weiterhin soll der alte Industriekanal öffentlich zugänglich werden. Insgesamt stellt der Erhalt wertvoller Industriearchitektur und der alten Bahnhallen ein wesentliches Ziel der Rahmenplanung und eine wichtige Standortqualität für das Gebiet dar.

Mittlerweile hat die Entwicklung des Binnenhafens eine weit größere Dynamik entfaltet als Mitte der 1990er Jahre. Es ist ein lebendiges Stadtquartier mit einer Mischung aus alter und neuer Bausubstanz, aus traditionellen und neuen Nutzungen entstanden. Durch die Nachbarschaft zur TU-HH konnten viele technik- und wissenschaftsorientierte Firmen angesiedelt werden; so haben sich u.a. zehn Technologieunternehmen angesiedelt.

Zurzeit bilden rund 160 Unternehmen mit zusammen fast 6000 Mitarbeitern das CHANNEL-Netzwerk. Konzerne sind darunter, genauso wie kleine Hightech- und Telekommunikations-Unternehmen aber auch große Medien-Unternehmen oder internationale Ingenieur-Dienstleister.

Im Zuge der internationalen Bauausstellung (IBA) Hamburgs wird das Nutzungsspektrum des Harburger Binnenhafens durch Wohnangebote ergänzt. Auf der Schlossinsel ist ein Quartier mit gemischt genutzten Nachbarschaften geplant. Diese gruppieren sich um einen zentralen Park mit instandgesetzten Relikten des früheren Schlosses. Die IBA Hamburg untertstützt damit die Umwandlung des Hafenareals mit einem lebendigen Wohn- und Arbeitsquartier auf der Harburger Schlossinsel. Ergänzt wird das Quartier durch Grün- und Freiflächen, Gastronomie, Einzelhandel und Freizeitnutzungen.

Zukünft laufen Untersuchungen zu weiteren Nutzungsmöglichkeiten der noch offenen Freiflächen im Harburger Binnenhafen.

Diese neue Mischung führt zu einer veränderten Wahrnehmung des Binnenhafens in der Öffentlichkeit und zur Imageförderung. In diesem Zusammenhang stellte sich die Tätigkeit eines übergreifenden Arbeitskreises im Planungs- und Vermittlungsprozess als besonders positiv heraus. Auf den verschiedenen Verwaltungsebenen bestehen unterschiedliche Arbeitsgruppen. Darüber hinaus werden Projektentwickler, Investoren, die TU-HH, Politiker und Fachbehörden in Workshops und einer Begleitgruppe eingebunden.

 

Projektchronologie

Jahr Ereignis
1978 Neugründung der Technischen Universität Hamburg-Harburg sorgt für erste Impulse zur Ansiedlung junger Firmen auf dem traditionellen Industriestandort
1990 Gründung des Mikroelektronik – Anwendungszentrums (MAZ), heute: TuTech Innovation GmbH
1990-93 Teilnahme am ExWoSt-Forschungsfeld "Städtebau und Wirtschaft"
1992 Städtebaulicher Rahmenplan (1. Stufe); wirtschaftliche Potentialanalyse; Beginn der Immobilienentwicklung
1993 Erhaltungssatzung (§ 172 BauGB)
1995 Rahmenplan (2.Stufe)
1998 Bau des Gebäudes "Channel I"
1999 Umbau des „ision“-Gebäudes
2000 Verein channel harburg e.v. wird als Interesssenvertretung ansässiger Firmen ins Leben gerufen
2002 Einweihung der "Channel Towers"
2003 Umbau und Teilergänzung des „Kaispeicher Harburg“ für Büros und Gastronomie
2004 Teilumbau des Kaispeichers am Veritaskai 1 zum Bürogebäude mit Gastronomie
2004 Teilumbau des Silos Schellerdamm 16 zum Bürogebäude mit Gastronomie
2005 channel hamburg ist Hauptstandort für strategische Airbus-Supplier
2006 Fortschreibung des Leitbildes: Metropole Hamburg -- Wachsende Stadt; Bau und Bezug der channel 9-11; IVG Immobilien AG übernimmt 8 channel Gebäude
2007 Schloßinsel wird zum IBA Projekt; Teilumbau des Fleethauses am Schellerdamm; Verkauf des Silos und Fleethauses an Pramerica
 

Ziele

Bild: Silo

Foto: channel hamburg e.v.

  • Erhalt historischer Industriearchitektur
  • Einbeziehung des Gestaltungselements Wasser
  • Städtebauliche Verbindung zu Harburger Innenstadt und Bahnhof
  • Brachflächenrevitalisierung
  • Funktionsmischung neuen Typs
  • Mischung aus Wohnen, Forschung und Lehre, Dienstleistung und Büronutzung, Arbeit und Freizeit
 

Maßnahmen

Bild: Channel Tower

Foto: Bernd Breuer, BBSR im BBR

  • Wirtschaftliche Potentialanalyse
  • Städtebauliche Gutachten und Wettbewerbe
  • Städtebauliche Rahmenplanung
  • Erhaltungssatzung (§ 172 BauGB)
  • Bebauungspläne
  • Ämter übergreifende Arbeitsgremien
  • Workshops
  • Erhalt und Wiederaufbau historischer Gebäude
  • Umbau und gewerbliche Nutzung leerstehender Industriegebäude
  • Ergänzender Neubau
  • Betriebsverlagerungen und -neuansiedlungen
 

Innovationen

Bild: Harburger Hafen bei Nacht

Foto: channel hamburg e.v.

Die konsequente, verwaltungsintern abgestimmte Strategie der Revitalisierung von Brachflächen im Stadtgebiet hat sich über einen längeren Zeitraum bewährt und dazu beigetragen, ein „Bauen auf der grünen Wiese“ zu vermeiden.

Das Projekt zeichnet sich durch umfangreiche und innovative Kooperationsverfahren in Planung und Umsetzung aus. Das Ziel eines lebendigen Stadtviertels mit einer neuen Mischung aus Wohnen, Forschung und Lehre, Dienstleistung und Büronutzung, Arbeit und Freizeit wird zunehmend erlebbar.

 

Quellen

  • BBR (Auftraggeber), FIRU GmbH (Auftragnehmer): Querauswertung von ExWoSt-Modellvorhaben zum Flächenrecycling, 2004 (unveröffentlichter Bericht)
  • Arbeitsgruppe für Regionalplanung, Endbericht zum Forschungsfeld Städtebau und Wirtschaft, Themenfeld Stadterneuerung in Gewerbegebieten, Berlin 1993
  • http://www.channel-hamburg.de
 

Weiterführendes

  • Auszeichnungen:
  • 2002 "Metropole Hamburg - Wachsende Stadt"
  • 2002 DIFA Award "Quartiere im städtischen Kontext" (Endrunde)
  • 2004 Ausgezeichnet als "Modell-Projekt" - Metropolregion Hamburg
  • 2004-07 EU-Projekt VISP Vitalisierung von Stadtzentren
  • 2005 Best Practice - Veröffentlichung Umweltbundesamt: "Die Zukunft liegt auf Brachflächen"
  • 2006 Platz im internationalen DIFA Award "Lebensqualität in Quartieren"(Endrunde)

Hier erscheint der Projektstandort direkt in Google-Maps. Projekt in Google-Maps

Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 21079 - Ort: Hamburg - Straße: Harburger Schloßstraße 36.

 

Akteure

 

Datensatz eingestellt am 01.06.2005 vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR).

Letzte Änderung: 02.03.2010