Werkstatt-Stadt
 

Ökologischer Gewerbepark auf Bergbaubrache

Hamm „Gewerbepark Sachsen“

(Nordrhein-Westfalen)

Dieses Projekt befindet sich im Archiv. Die Projektdaten werden nicht mehr aktualisiert.

Kontext

Bild: Zeche Sachsen 1976 – Freigabe Regierungspräsident Münster Nr. 6695/76

Quelle: FIRU mbH

Seit 1914 wurde auf dem Areal der Zeche „Sachsen“ Steinkohle gefördert. Nach Stillegung der Zeche im Jahr 1976 war es das Ziel, die Brachflächen in das innerstädtische Gefüge aufzunehmen und Planungssicherheit für die künftige Entwicklung zu erreichen.

Aufgrund der geringen Gewerbeflächen in Hamm, war von Beginn an klar, die Fläche zu einem Gewerbegebiet zu entwickeln. Das Areal befindet sich im Nordosten der Stadt Hamm (182.000 EW).

Das Projekt ist im Zeitraum von 1989 bis 1993 als Modellvorhaben im Forschungsfeld „Städtebau und Wirtschaft“ im Bundesforschungsprogramm „Experimenteller Wohnungs- und Städtebau“ (ExWoSt) gefördert und ausgewertet worden.

 

Projektbeschreibung

Bild: Alfred-Fischer-Halle

Quelle: FIRU mbH

Nach der Schließung der Zeche „Sachsen“ wurde das Gelände von der Landesentwicklungsgesellschaft Nordrhein-Westfalen erworben. Es handelt sich um eine ca. 50 ha große Fläche. Auf dem Areal entstand ein ökologisch orientierter Gewerbepark mit einem Grünflächenanteil von 60 %. Der Verkehrsflächenanteil beträgt 6 % und der Gewerbeflächenanteil 34 %.

Die städtebauliche Idee greift den Parkgedanken auf und definiert den Sachsenweg, der das Plangebiet in Ost-West-Richtung durchschneidet, als Haupterschließung und "grünes Rückgrat" des Gebietes.

Der städtebaulichen Konzeption liegt ein einfaches Zonierungsprinzip zugrunde, das weitgehende Flexibilität für die Parzellierung bietet. Dadurch wird die Ansiedlung unterschiedlicher Betriebskategorien möglich: größere Produktionsbetriebe südlich der Haupterschließung, Dienstleistungs- und kleinere Produktionsbetriebe im mittleren Bereich sowie Mischgewerbe und Dienstleistungsbetriebe, kombiniert mit Betriebswohnungen im nördlichen Teil.

Ziele des Gestaltungsrahmenplanes von 1987 sind die ökologische Verbesserung (gesamtstädtisch und gebietsbezogen), die städtebauliche Aufwertung und eine Image-Verbesserung. Ergänzt wurde der Rahmenplan durch ein Gestaltungshandbuch für die Beratung von Architekten und Bauherren. Die ökologische Orientierung für den Gewerbepark schließt das "Ökologische Bauen" sowie den sparsamen Umgang mit Wasser und Energie ein.

Mit der ökologischen Projektausrichtung verbindet sich zugleich ein hoher gestalterischer Anspruch. Die Verwirklichung ökologischer und gestalterischer Qualitätsziele beruht primär auf Freiwilligkeit. Daher ist neben der Information und Beratung von Investoren, die Demonstration der Qualitäten an den öffentlichen Gebäuden wie Gründerzentrum, Schulungsgebäude, Öko-Zentrum und Veranstaltungshalle besonders wichtig. Sie fungieren als Schlüsselprojekte.

Der Gewerbepark steht Unternehmen sowie Handwerks- und Dienstleistungsbetrieben offen, die im Baubereich tätig sind und deren Produkte, Angebote und Gebäude ökologischen Grundsätzen entsprechen. Die "ökologischen Bausteine" werden privatrechtlich durch Kaufverträge gesichert. An der vorlaufenden Beratung von Interessenten sind städtische Ämter, die LEG das Öko-Zentrum beteiligt. Auf diesem Weg konnten über die Grundstückskaufverträge anspruchsvolle ökologische Zielsetzungen durchgesetzt werden.

Die kooperative Form der Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten ermöglichte eine Vereinfachung und Beschleunigung des Entwicklungsprozesses. Der Entscheidungsfindungsprozess war durch eine hohe Transparenz gekennzeichnet, die die Akzeptanz der Ergebnisse steigerte.

Die Bürgerbeteiligung ging über das gesetzlich vorgeschriebene Maß hinaus, etwa in Form von Pflanzaktionen und Pflege eines Bauerngartens durch Schulen, Einbindung von Bürgern bei der Anlage eines Aussichtspunktes und Grillplatzes auf einer Haldenfläche. Im Rahmen der Vermarktung des Geländes wurde ein neues Image weg vom Altlastengebiet und hin zum Öko-Park entwickelt.

 

Projektchronologie

Jahr Ereignis
1976 Stilllegung der Zeche
1980 Flächenerwerb durch LEG Nordrhein-Westfalen
1984 Bebauungsplan Zeche Sachsen tritt in Kraft
1984 – 1989 Verschiedene Bodenuntersuchungen
1987 – 1991 Städtebaulicher Rahmenplan zur Gestaltung eines ökologischen "Gewerbeparks Sachsen"
1988 Auswahl als Standort für ein landesweites Zentrum zur Förderung des ökologisches Bauens
1990 – 1993 Teilnahme am ExWoSt-Forschungsfeld "Städtebau und Wirtschaft"
1990 Festlegung als Sanierungsgebiet
1991 Aufnahme des Öko-Zentrums NRW in die IBA-Emscher Park
1991 Gründung der Öko-Zentrum GmbH & Co. KG (Betreibergesellschaft)
1993 Beginn der Grundstücksvermarktung
1993 Fertigstellung 1. Bauabschnitt
1993 Offizielle Eröffnung des Öko-Zentrums NRW
1994 Überarbeitung des städtebaulichen Rahmenplans als Grundlage für Änderung des Bebauungsplans
1994 Baubeginn 2. Bauabschnitt
1999 etwa die Hälfte der gewerblich nutzbaren Flächen ist bebaut
 

Ziele

  • Gewerbebrachenwiedernutzung
  • Entwicklung eines Gewerbeparks mit dem Schwerpunkt "ökologisches Bauen"
  • Verbindung von Denkmalschutzkriterien und ökologischem Sanierungskonzept
  • Erprobung neuer Betreiberformen
 

Maßnahmen

Bild: Schulungsgebäude

Quelle: FIRU mbH

  • Städtebauliche Sanierungsmaßnahme
  • Städtebaulicher und grünräumlicher Rahmenplan
  • Wasser- und Energiekonzept
  • Bebauungsplan
  • Gestaltungssatzung
  • Gestaltungshandbuch
  • Investorenhandbuch
  • Erschließungsvertrag
  • Projektorganisation
  • Ämterübergreifender Arbeitskreis
  • Grundstücksverträge zur Sicherung ökologischer Standards im Gewerbebau
 

Innovationen

Bild: Öko-Zentrum NRW

Quelle: FIRU mbH

Ein besonders innovatives Element besteht in der ökologisch ausgerichteten Gesamtkonzeption für einen Gewerbepark in Verbindung mit ökologisch orientierten Bauweisen und Leistungsangeboten.

Auf Basis eines offenen Bebauungsplans wurden die ökologischen Standards privatrechtlich durch die Kaufverträge gesichert.

Das Zusammenwirken von Gewerbefirmen und Öko-Zentrum NRW brachte vielfältige Synergien und Standortvorteile für die Unternehmen.

Die Umnutzung der Zeche „Sachsen“ ist ein bedeutender Beitrag zur standortsichernden Wirtschaftsförderung und hat wichtige Impulse zur ökologischen Ausrichtung der Planung in Hamm gegeben.

 

Quellen

  • BBR (Auftraggeber), FIRU GmbH (Auftragnehmer): Querauswertung von ExWoSt-Modellvorhaben zum Flächenrecycling, 2004 (unveröffentlichter Bericht)
  • Kahnert, R.; Rudowsky, K.: Nachhaltige Entwicklung im Handlungsfeld "Bauen und Wohnen", Wiedernutzung von Brachflächen, Eine Dokumentation von Fallbeispielen, Nr. 144, Stuttgart 1999
  • FIRU: Institut für Stadtforschung und Strukturpolitik GmbH: Experimenteller Wohnungs- und Städtebau, Forschungsfeld Städtebau und Wirtschaft, Themenfeld 1 Brachflächenrecycling und Gebäudewiedernutzung für gewerbliche Zwecke, Endbericht, Berlin 1992
  • http://www.oekozentrum-nrw.de
  • http://www.ruhrgebiet.de
 

Weiterführendes

Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 59073 - Ort: Hamm - Straße: Sachsenweg 1.

 

Akteure

 

Datensatz eingestellt am 08.07.2005 vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR).

Letzte Änderung: 23.07.2008