Projekt aus der Datenbank Werkstatt-Stadt


Zentrum für Arbeit und Kultur im Stadtteil

Dinslaken-Lohberg „Ledigenheim“

(Nordrhein-Westfalen)

Handlungsfelder: Wirtschaft, Integrierte Stadtentwicklung

Kontext

Bild: Historische Aufnahme des Ledigenheim - Frontansicht

Quelle: Janet Rauch, Stiftung Ledigenheim Dinslaken-Lohberg

Der Stadtteil Lohberg, im Norden von Dinslaken (ca. 69.000 EW), liegt abgetrennt von der Gesamtstadt in einer Insellage mit fast dörflichem Charakter. Nach dem Muster der englischen Gartenstädte war er um 1910 als grüne, großzügig angelegte Arbeitersiedlung direkt am gleichnamigen Bergwerk entstanden. Die Siedlung wurde in den 1990er Jahren grundlegend modernisiert und bis heute blieb der einheitliche Charakter erhalten. Gleichwohl haben hohe Arbeitslosen- bzw. Sozialhilfezahlen, hoher Ausländeranteil, zunehmender Wohnungsleerstand, eine ausgedünnte Infrastruktur und Integrationsprobleme zu erhöhtem Handlungsbedarf geführt. Schließlich wurde Lohberg 1999 ins Programm "Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf NRW" aufgenommen.

 

Projektbeschreibung

Bild: Frontansicht des Ledigenheims

Quelle: Janet Rauch, Stiftung Ledigenheim Dinslaken-Lohberg

Das integrierte Handlungskonzept für die Stadtteilerneuerung beinhaltete auch den Umbau und die Neunutzung eines ehemaligen Ledigenheimes am zentralen Marktplatz von Lohberg. Hierdurch werden die lokale Ökonomie gestärkt, infrastrukturelle Defizite gemindert, das Image und die Stadtteilidentität verbessert.

Das Ledigenheim 1913-1914 erbaut als Wohnraum für ledige Bergleute, ist ein 6.400 m² großer Gebäudekomplex. Das Gebäude gehörte seit 1972 der Sparkasse, die dort ihre Filiale eröffnete. Kleine Läden, Teestuben und Vereine und einige Einzelpersonen waren Mieter. 2004 wurde es unter Denkmalschutz gestellt und in eine gemeinnützige Stiftung eingebracht. Innerhalb von drei Jahren ist das Gebäude aufwendig saniert und denkmalgerecht umgebaut worden.

Ziel dieses Projekt war es zum einen, eine nachhaltige Nutzung für das denkmalgeschützte Gebäude zu finden, dass imagefördernd wirkt. Zum anderen galt es, einen attraktiven Anziehungspunkt für Dinslaken zu gestalten, der Menschen in den Stadtteil Lohberg zieht. Mit einem hochwertigen Kulturprogramm und einem arabischen Spezialitätenrestaurant wird dies umgesetzt. Durch die Ansiedlung verschiedener Unternehmen wird die Aufwertung des Stadtteils ergänzt. Die Stadtteilbibliothek, die im Hause ansässigen Vereine und verschiedene auf den Stadtteil Lohberg abgestimmte Veranstaltungen vervollständigen den Bedarf des Stadtteils sinnvoll. Dadurch werden den Menschen im Stadtteil vielfältige Möglichkeiten der Freizeitgestaltung und des gemeinschaftlichen Zusammenseins geboten sowie das Zusammenleben der Bewohner gestärkt.

Inzwischen hat sich das Ledigenheim als Zentrum für Kultur, Dienstleistung und Gewerbe etabliert. Im großen Veranstaltungssaal finden zahlreiche kulturelle Events statt, wie etwa Konzerte, Theateraufführungen und Tagungen. Das Ledigenheim hat nun über 40 Mieter. Darunter befinden sich beispielsweise Vereine, verschiedene Dienstleister und Gewerbetreibende wie ein Architekt, eine Werbefirma, eine Webdesignerin, ein Personaldienstleister, eine Rechtsanwältin, ein Unternehmerinnenzentrum sowie das arabische Spezialitätenrestaurant.

Das Konzept wurde federführend von der Stadt Dinslaken und dem Forum Lohberg e.V., einem Zusammenschluss aktiver Bewohner und des Stadtteilbüros, entwickelt. In gemeinsamen Ideen- und Planungswerkstätten ergänzten die betroffenen Geschäftsleute und Mitglieder interessierter Vereine, ihre Vorschläge für die Umgestaltung.

Das Projekt Ledigenheim ist eingebettet in weitere, den Stadtteil stabilisierende und aufwertende Maßnahmen (Freiflächen- und Schulhofaufwertung, Verbesserung der Anziehungskraft des Wochenmarktes etc.). Um die Verankerung in der Bürgerschaft sowie in Verwaltung, Politik und Wirtschaft zu institutionalisieren wurde die gemeinnützige "Stiftung Ledigenheim" gegründet, die Projektträgerin ist und später das Zentrum betreiben wird.

 

Projektchronologie

Bild: Johannesplatz

Foto: J. Boll, Dortmund

Jahr Ereignis
1999 Beschluss "Integriertes Handlungskonzept Lohberg" und Aufnahme in das Programm "Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf NRW"
2000 Gründung "Forum Lohberg e.V.", Eröffnung eines Stadtteilbüros
2001 Beginn der Projektentwicklung für das Ledigenheim
2002 Machbarkeitsstudie und Förderanträge bei Land und Europäischer Union
2004 Gründung der "Stiftung Ledigenheim" als Projektträgerin
2004 Beginn der Umbauarbeiten
2006 Aufnahme des Betriebes (während des Umbaus)
2007 Eröffnungsfeier
 

Ziele

Bild: Blick in den Laden

Foto: M. Vollmer, Essen

  • Stabilisierung der wirtschaftlichen Zukunft durch Förderung der Lokalökonomie (Betriebe, Einzelhandel, Dienstleistungen)
  • Verbesserung des "Stadtteil-Images" und Stärkung der lokalen Identität
  • Nutzung von Selbsthilfepotenzialen
  • Entwicklung sozialer Infrastruktur (Stadtteilbibliothek, Volkshochschule etc.)
  • Raumangebot für Stadtteilinitiativen, BewohnerInnen und (Kultur-)Vereine
  • Schaffung eines Saales für kulturelle Veranstaltungen und private Feiern
 

Maßnahmen

Bild: Planungswerkstatt

Foto: J. Boll, Dortmund

  • Projektentwicklung in Ideen- und Planungswerkstätten
  • Erarbeitung einer Machbarkeitsstudie
  • Gründung einer Stiftung für Trägerschaft und Betrieb
  • Denkmalgerechter Umbau
  • Ansiedlung neuer und etablierter Betriebe und Institutionen

Gefördert im Programm "Stadtteile mit besonderem Erneuerungsbedarf NRW" (heute "Soziale Stadt NRW") und Projekt von "Initiative ergreifen" NRW

 

Innovationen

Bild: Gespraeche auf der Strasse

Foto: M. Vollmer, Essen

Durch das Engagement von Bürgerschaft, Vereinen, Verwaltung und Wirtschaft konnte für ein Baudenkmal eine neue Nutzung konzipiert werden. Diese fördert gleichermaßen die lokale Ökonomie wie das multikulturelle Zusammenleben im Stadtteil. Das von einer Stiftung betriebene Zentrum für Kultur, Dienstleistung und Gewerbe bietet Raum für Kultur, Gastronomie und Arbeit und wertet den Stadtteil insgesamt auf.

 

Quellen

  • <http://www.stiftung.ledigenheim.de>
  • <http://forum-lohberg.de/aktionen/ledigenheim/ledigenheim.html>
  • Forum Lohberg e.V. (Hg.) (2004): Lohberg auf den Punkt gebracht. Dinslaken
  • Boll, Joachim; Dahlheimer, Achim; Walter, Daniela (Hg.) (2004): Ledigenheim Lohberg Dinslaken. In: Bürger machen Stadt. Zivilgesellschaftliches Engagement in der Stadterneuerung - Ein Projektbuch. Dortmund (Fotos)
  • Arslanbenzer, Lale Stadtteilbüro (2011): Dinslaken Lohberg. In: <http://www.soziale-stadt.nrw.de/stadtteile_projekte>, Stadt Dinslaken (2002): Innovation Lohberg - Neues Leben für das Ledigenheim. Projektvorschlag im Rahmen des Projektaufrufs der Projekt Ruhr GmbH. Dinslaken
  • Ministerium für Bauen und Wohnen des Landes Nordrhein-Westfalen (MBW) (1994): Wohnen in alten Häusern. (Neues Bauen, Neues Wohnen, Heft 10). Düsseldorf
 

Weiterführendes

  • <http://www.dinslaken-lohberg.de/>

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Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 46537 - Ort: Dinslaken - Straße: Stollenstraße 1.

 

Akteure

  • Eigentümer des Ledigenheims ist die Stiftung Ledigenheim Dinslaken-Lohberg (seit Januar 2004), Stiftungsvorstand: Hans-Karl Bellinghausen eMail: <hans-karl.bellinghausen@Stiftung-Ledigenheim.de>, Geschäftsleitung: Janet Rauch eMail: <J.Rauch@Stiftung-Ledigenheim.de>, Lohbergstraße 20b, 46537 Dinslaken, Tel: 02064-621930/31, Fax: 02064-621932
  • Stadt Dinslaken, Holger Mrosek, Projektbüro Lohberg, Wilhelm-Lantermann-Str. 65, 46535 Dinslaken, Tel. 02064/66-215, Fax: -404, eMail: <holger.mrosek@dinslaken.de>
  • Forum Lohberg e.V. – Stadtteilbüro: Lale Arslanbenzer, Johannesplatz 4-6, 46537 Dinslaken, Tel. 02064/477882, Fax: 02064/3999163, eMail: <Lale.arsanbenzer@forum-lohberg.de> G.I.B. (Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung)
  • "startklar" Projektkommunikation, Joachim Boll, Immermannstrasse 39a, 44147 Dortmund, Tel. 0231/8808593-0, Fax -9, eMail: <kontakt@startklar-prokom.de>, Web: <http://www.startklar-prokom.de>
  • Architekten Heinrich Böll und Hans Krabel
  • Sparkasse Dinslaken-Voerde-Hünxe
 

Datensatz eingestellt am 01.10.2004 im Rahmen des Forschungsauftrages „Innovative Projekte im Städtebau“ (IProS) vom Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtplanung, RWTH Aachen und aktualisiert vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) , zuletzt geändert 06.02.2012

gedruckt am: Donnerstag, 17. Mai 2012

Werkstatt-Stadt Link: <http://werkstatt-stadt.de/de/projekte/109/>