Stadtteilarbeit von unten
(Sachsen)

Foto: Eberhard Mai, Markkleeberg
Der Stadtteil Stötteritz liegt im Leipziger Südosten, ca. 4 km vom Stadtzentrum entfernt. Er ist von gründerzeitlicher Wohnbebauung geprägt. Schätzungsweise 70 % des denkmalgeschützten Bestandes sind inzwischen saniert und instand gesetzt.
Nach 1989 wurden im Osten von Leipzig (497.000 EW) mehrere siedlungsökologische Projekte in Kooperation von Bürgerinitiativen und Kommune begonnen. Daraus entstand ab 1992 das Leipziger "Ostraumprojekt", eine intermediäre Organisation, die bis zum Jahr 1998 mehrere Teilprojekte in den Bereichen Stadtökologie, Umlandentwicklung, Wirtschaft und Beschäftigung durchführte.

Foto: Neztwerk Südost e.V.
Die Stadtteilentwicklung wird in Stötteritz maßgeblich von engagierten BürgerInnen und Vereinen mitgestaltet. Der Verein "Netzwerk Südost e.V." wurde 1993 gegründet und ist einer der Hauptakteure. Er fördert und pflegt Strukturen und Initiativen zur Selbstorganisation. Ziele seiner Stadtteilarbeit sind "eine soziale Sinnstiftung", die Wiederbelebung des öffentlichen Raumes, Generationen übergreifende Kommunikation, Koalitionen zwischen Bürgerschaft, Unternehmen und EigentümerInnen sowie die Förderung der lokalen Ökonomie. Die Akteure wollen "existierende Verwaltungsstrukturen, die den aktuellen Problemen nicht gewachsen sind", unterstützen, ergänzen oder ersetzen.
Auf Grundlage einer umfangreichen Bestandsanalyse und Befragung (u.a. zu Leerstand, Sanierungsbedarf, Bewohnerwünschen, Umzugsmotiven) wurden in Stötteritz ein Mangel an kulturellen Angeboten und Einrichtungen, unzureichende Einkaufmöglichkeiten und zu wenig kleine Wohnungen für Ältere festgestellt. Im Rahmen des "Stadtteil-Entwicklungs- und Marketingkonzeptes für Leipzig-Stötteritz" erarbeitete der Verein Zukunftsszenarien und gab "praktische Anregungen zum Handeln und Gestalten". Ein wichtiger Aspekt für die Zukunft ist die Verknüpfung von ehrenamtlichen Hilfsangeboten, örtlichen Firmen, kulturellen und sozialen Diensten.
Viele Anregungen wurden ab 2001 von der Stadtteilgenossenschaft "Stötteritzer Margerite e.G." umgesetzt. Vor allem mit Hilfe von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen konnten sowohl bauliche, kulturelle, sozialarbeiterische als auch Gemeinwesen-Projekte im Stadtteil initiiert werden.
Zur Förderung von Kunst und Kultur in Stötteritz hat die Genossenschaft eine Künstleragentur gegründet und ein Tonstudio eingerichtet. Um ExistenzgründerInnen wettbewerbsfähig zu machen, wurden sie in Mediengestaltung geschult und beraten. Die "Markthalle" und zahlreiche andere denkmalwerte Gebäude wurden in den letzten 5 Jahren saniert. Außerdem entsteht zurzeit das "Literaturhaus Stötteritz", das Lesungen und andere kulturelle Veranstaltungen anbieten wird. Märkte, Nachbarschaftstreffen und Stadtteilfeste fördern das soziale Miteinander im Stadtteil und das "Canapee", ein Gastronomieunternehmen der Genossenschaft, bietet täglich einen preiswerten Mittagstisch.
Die Arbeit der Stadtteilgenossenschaft wird im Laufe des Jahres 2004 vom "Netzwerkverein Eigeninitiative" übernommen und weitergeführt.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1993 | Gründung "Netzwerk Südost e.V." |
| 1994/95 | Gemeinwesenanalyse für Stötteritz |
| 1997 | "Stadtteil-Entwicklungs- und Marketingkonzept" |
| 2001 | Gründung der Stadtteilgenossenschaft "Stötteritzer Margerite e.G." |
| 2002 | Sanierung von einzelnen Gebäuden |
| 2004 | Aufgabe der Genossenschaft und Übernahme der Aktivitäten durch Netzwerkverein |

Foto: Stötteritzer Margerite e.G.

Foto: Stötteritzer Margerite e.G.

Foto: Stötteritzer Margerite e.G.
Das bürgerschaftliche Engagement im Rahmen der Vereins- und Genossenschaftsarbeit hat eine Reihe konkreter Angebote und Projekte geschaffen und so die Stadteilentwicklung und das soziale Miteinander in Stötteritz wesentlich befördert.
zur Initiative "Aktive Bürgerschaft": http://www.aktive-buergerschaft.de
Hier erscheint der Projektstandort direkt in Google-Maps. Projekt in Google-Maps
Den Projektstandort finden Sie auch unter PLZ: 04299 - Ort: Leipzig - Straße: Rudolph-Herrmann-Straße.
Datensatz eingestellt am 15.09.2004 im Rahmen des Forschungsauftrages „Innovative Projekte im Städtebau“ (IProS) vom Lehrstuhl für Planungstheorie und Stadtplanung, RWTH Aachen und aktualisiert vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) im Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR) .
Letzte Änderung: 24.02.2010